Jostedaalsbreen

11. September 2023 – Von Kaupanger zum Lovatnet See

Ans ewige Eis mit Hindernissen

Die Wetterprognosen verheißen für heute den mit Abstand regenreichsten Tag der Woche! Also stellen wir unsere Pläne kurzerhand um und werden uns zunächst das Gletschermuseum in Fjærland anschauen. Es wurde 1991 eröffnet und ist ein preisgekröntes Museum, entworfen von dem weltberühmten Architekten Sverre Fehn. Natürlich dreht sich alles um den Jostedaalsbreen, den größten europäischen Festlandsgletscher!

Wir starten unseren Rundgang mit dem überaus imposanten Panoramafilm. Der Film ist mit modernster Technik für die 21 Meter breite Leinwand produziert worden und soll in Kürze auch in die Kinos kommen. Spezielle Bass- und Vibrationselemente unterstützen das einmalige Kinoerlebnis. In den fünfzehn kurzweiligen Minuten fliegen wir über eine fantastische Gletscherswelt, bizarr geformte Eiswüsten und sogar unter das Eis. Wir tauchen auf faszinierende Weise ein in eine Welt aus Schnee und Eis, eine majestätische, gletschergeformte einzigartige Landschaft, die wir so noch nie erlebt haben.

Klick rechts auf den YouTube Link des Norsk BreMuseums, um den Trailer anzuschauen:

 

© www.bremuseum.no

© www.bremuseum.no

Rund um das Kino ist eine interaktive und eindrucksvoll inszenierte Klimaausstellung zu bewundern. Der Besucher wird in verschiedenen Räumen auf eine animierte Zeitreise mitgenommen, die von der Entstehung der Atmosphäre vor fünf Milliarden Jahren bis zu den durch Menschen beeinflussten Klimaveränderungen zeugt. Unter anderem läuft man durch eine täuschend echte Gletscherhöhle.

Schließlich erfahren wir während des Rundgangs, wie Ötzi, der legendäre Mann aus dem Eis gestorben ist oder warum Mammuts, die größten Landsäugetiere, die jemals in Norwegen gelebt haben, ausgestorben sind. In vielen interaktiven wissenschaftlichen Experimenten werden den Besuchern interessante Gletscher-Facts nahe gebracht.

Wir erreichen das Olden Tal, wo wir den traumhaft gelegenen Gryta Campingplatz direkt am Seeufer ansteuern wollen. Auf halber Strecke kommt uns ein deutscher Kastenwagen entgegen, der uns andeutet, anzuhalten. Das junge Paar berichtet darüber, dass wenige Kilometer weiter die Straße komplett überflutet und unpassierbar sei. Uns bleibt nichts anderes übrig, als kehrt zu machen. Später erfahren wir auf Nachfrage per E-Mail vom Gryta Platzbetreiber, dass er den Platz schließen musste und auch nicht empfiehlt, in dieser Woche das Olden Tal aufzusuchen. Somit fällt unsere geplante Wanderung zum Brenndalsbreen Gletscher im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser.

Notgedrungen fahren wir auf direktem Weg ins Nachbartal am Lovatnet See, das aber ohnehin auf unserer To-Do Liste stand. Die schmale Straße entlang des Sees dürfte zur Herausforderung werden, wenn man mit dem Wohnmobil auf Gegenverkehr trifft. Der Helset Campingplatz ist nicht mehr geöffnet. Ein Bagger ist bereits mit Renovierungsarbeiten beschäftigt. Nach diesem zweiten Tiefschlag am heutigen Tag macht sich allmählich schlechte Laune breit, die erst besser wird, als wir einen anderen traumhaften Platz beim Sandeåsen Feriesenter finden. Der überaus hilfsbereite Betreiber zeigt uns stolz die pieksauberen und großzügig angelegten Sanitäranlagen! Dieser erst im vergangenen Jahr eröffnete Campingplatz ist einer der besten, den wir in unserem Camperleben jemals vorgefunden haben! Von einer erhöhten Lage hätten wir einen einzigartigen Ausblick auf den leuchtend grünen Fjord sowie Gletscherzungen des Jostedaalsbreen … wenn denn der Nebel nicht wäre! Hoffen wir auf den morgigen Tag.

Den Rest des Tages verbringen wir aufgrund des weiterhin miesen Wetters im Wohnmobil mit der Planung unserer weiteren Tour sowie mit Reisebericht schreiben.

12. September 2023 – Lovatnet See

Geheimtipp-Wanderung zur Bødalsbreen Gletscherzunge

Die Wetteraussichten versprechen langsam Besserung, so dass wir die geplante Bødalsbreen Wanderung realisieren können! In Norwegen verlässt man sich am besten auf die „YR-App“. Sie sagt sehr zuverlässig das Wetter für die nächsten beiden Tage voraus. Wir präparieren unsere Bikes und radeln entspannt entlang der Traumstrecke am Lovatnet Sees (Fv723). Es ist eine wundervolle Strecke ohne nennenswerte Steigungen und vor allem mit wenig Autoverkehr. Selbst die 5.200 Passagieren eines Kreuzfahrtschiffes, das heute in Olden festgemacht hat, haben glücklicherweise offenbar andere Ausflugsziele! Durch die Sperrung des Olden Tals hatten wir befürchtet, dass die Ausflugsbusse in „unser“ Tal ausweichen könnten.

An den Berghängen am gegenüberliegenden Ufer rauschen Wasserfälle in Richtung Tal, die vom Schmelzwasser des Jostedalsbreen Gletschers gespeist werden. Auch sind einige Gletscherzungen auf den Gipfeln zu sehen. Die ersten Sonnenstrahlen bahnen sich mühsam ihren Weg durch die Nebelschwaden und verleihen dem See eine betörend smaragdgrüne Farbe. Die grüne Farbe entsteht durch Silt und Ton, das die Gletscherbäche mit sich führen. Die Partikel brechen das ins Wasser einfallende Licht und das Wasser erscheint grün.

Nach zehn Kilometern erreichen wir den Ausgangspunkt unserer Wanderung in Bødal. Die Wanderung zur Bødalsbreen Gletscherzunge kann als Geheimtipp bezeichnet werden. Die meisten Touristen, die ins Lovatnet Tal kommen, wählen die bequeme Variante zum Kjenndalsbreen. Hier gelangt man von einem kostenpflichtigen Parkplatz auf einem gemütlichen fünfzehn minütigen Spaziergang zum Ziel. Unserer Meinung nach ist der Kjenndalsbreen allerdings nicht annähernd so spektakulär wie der Bødalsbreen!

Wenn man das asphaltierte Mautsträßchen zum Parkplatz Bødalsbreen mit dem PKW befährt, kostet das stolze 100 NOK. Für Wohnmobile ist das Befahren der Straße ohnehin verboten. Über fünf Kilometer führt die Straße kontinuierlich aufwärts. Spektakuläre Wasserfälle sind im begleitenden Bødalselva Bach zu bewundern, bevor wir den Parkplatz erreichen. Von hier aus geht es über einen kleinen Bergpfad zur Bødalsseter Alm, der auch eine idyllische Camp Site mit einer gemütlichen Hütte zum Übernachten angeschlossen ist.

Über eine Brücke überqueren wir den Fluss. Die letzten drei Kilometer bis zur Gletscherzunge verlaufen nun mehr oder weniger ohne nennenswerte Steigungen, allerdings ist der Pfad ziemlich durchweicht und unwegsam.

Und dann ist es geschafft: Die Bødalsbreen Gletscherzunge liegt imposant vor uns. An den Felswänden kann man die Spuren des kontinuierlich arbeitenden Gletschereises sehen. Auf dem Weg zum Gletscher befindet sich eine große Moränenlandschaft. Eine Weile verweilen wir ehrfürchtig angesichts dieses großartigen Naturschauspiels! Nicht auszudenken, dass die nachfolgende Generation aufgrund der voranschreitenden Erderwärmung kaum noch in den Genuss dieses Naturwunders kommen wird. Aus anderen Reiseberichten wissen wir, dass die Gletscherzunge noch vor wenigen Jahren deutlich weiter ins Tal ragte. 

Reisebericht Wohnmobil Fjordnorwegen: Bødalsbreen Gletscherzunge

Wir haben noch einen langen Rückweg vor uns, so dass wir alsbald aufbrechen. Auf gleichem Weg kehren wir zurück zum Ausgangspunkt und radeln mit den Bikes zurück zum Campingplatz. Erschöpft, aber glücklich belohnen wir uns im Wohnmobil mit einem heißen Tee und einer leckeren Zimtschnecke.

13. September 2023 – Lovatnet See

Mit dem Loen Sky Lift auf den Hoven

Am Eingang des Lovatnet Tals befindet sich der Loen Sky Lift, angeblich die steilste Pendelseilbahn der Welt. Mit Superlativen sparen die Norweger wahrlich nicht! Auf unseren Bikes fahren wir vom Campingplatz aus fünf Kilometer zur Talstation in Loen. Die erst im Jahr 2017 in Betrieb gegangenen Attraktion lässt man sich gut bezahlen: 575 NOK (inkl. Rückfahrt) kostet die gerade einmal fünfminütige Fahrt auf den 1011 Meter hohen Hoven. Schon während der Fahrt eröffnet sich ein berauschendes Panorama auf den Lovatnet und den Innvikfjorden.

Am Gipfel des Hoven erwartet uns ein Netz gut gekennzeichneter Wanderwege, so dass wir die Qual der Wahl haben. Wir entscheiden uns für eine Rundtour von acht Kilometern über den Berg Skredfjellet und die Sommerweide Oppheimssætra. Zunächst umgibt uns dichter Nebel, so dass wir von dem vielfach gelobten Ausblick ins Tal nur schemenhaft etwas erkennen kann. Überdimensionale Steinmännchen weisen den Weg durch die karge Mondlandschaft. Erst gegen Mittag reißt die Wolkendecke langsam auf und gibt den Blick auf die smaragdgrünen Gletscherseen im Tal frei. 

Der acht Kilometer lange Rundweg erfordert eine gewisse Grundkondition. Immerhin sind 530 Höhenmeter zu bewältigen und die teilweise steilen Anstiege bringen uns ganz schön ins Schwitzen.

Wir erreichen unseren Ausgangspunkt an der Gipfelstation des Hoven und gönnen uns im Restaurant mit seinen gigantischen Panoramafenstern eine Pizza, bzw. einen Wildfleisch-Burger. Die Gerichte sind für deutsche Verhältnisse zwar teuer, aber gut. Nachdem wir von einer Aussichtsplattform noch einmal das Panorama des Lovatnet Tals bewundert haben, kehren wir mit der Gondel zurück ins Tal und radeln zurück zum Campingplatz.

Gleich am Anfang des Tals ist der Parkplatz und Einstieg zur Wanderung auf den Skåla zu finden, eine interessante, wenn auch sehr anstrengende Zweitages-Wanderung mit Übernachtung in einer steinernen Rundhütte auf dem Gipfel in 1.843 Metern Höhe, die vom norwegischen Wanderverein DNT betrieben wird. Wir behalten dieses Ziel mal im Auge! 

Immerhin machen wir auf dem Rückweg noch eine ornithologische Entdeckung: Im tosenden Loelva Bach vergnügt sich ein Trupp Gänsesäger!

Am Aussichtspunkt oberhalb unseres Campingplatzes wird uns am Abend noch einmal eine Farbexplosion der Extraklasse über dem Lovatnet See mit feuerroten Bergrücken geboten.

Stellplatzbewertung Sandeåsen Feriesenter

Ort: Lovatnet See; 61.8571, 6.9022

Art des Stellplatzes: Campingplatz

Kosten: 385 NOK inkl. Strom, Dusche, Waschmaschine/Trockner

Verfügbar: alle Einrichtungen verfügbar

Bewertung Lage: 1+

Bewertung Ruhe: 1+

Bewertung Sanitäranlagen: 1+

Anfahrt: Oberhalb der Fv723, schräg gegenüber von Camping Sande

Mobilfunknetz: 5G / kostenloses W-Lan

Galerie

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