Langøya/Vesterålen

28.09.2021 – Vom Abisko Nationalpark nach Stø (273 Km)

Vom Abisko Nationalpark ist die norwegische Grenze nicht mehr weit entfernt. Da wir noch eine Flasche Wein zu viel an Bord haben, verzollen wir sie ordnungsgemäß über die offizielle norwegische Zoll-App „KvoteAppen“. Die App zeigt exakt an, was man aus der EU nach Norwegen ausführen darf. Man trägt einfach ein, wieviel Alkohol, Tabak oder sonstige zu verzollende Waren eingeführt werden, und sofort wird der zu entrichtende Betrag angezeigt. Über die App kann man die Gebühr auch direkt entrichten und dadurch schnell über die Fast Lane den Zoll passieren. Unsere überzählige Flasche Wein kostet 48 Kronen.

Der Grenzübertritt ist unbesetzt und die grüne Ampel zeigt an, dass wir nach Norwegen ohne jegliche Kontrolle einreisen dürfen. Wenige Kilometer später wird allerdings unser Corona-Impfstatus von einer Polizistin überprüft. Aus Deutschland dürfen derzeit nur vollständig Geimpfte nach Norwegen einreisen.

In der Nähe von Narvik stoßen wir auf die ersten Atlantik-Fjorde, die immer wieder malerische Ausblicke eröffnen. Herrlichstes Wetter begrüßt uns in der Küstenregion Nord-Norwegens: Das Thermometer unseres Wohnmobils zeigt unfassbare 20 ° C bei strahlendem Sonnenschein! Norwegen ist ein Wohnmobil-Land, und so gibt es fast überall Ver- und Entsorgungsstationen. In Evenskjer am Wohnmobilstellplatz kann man kostenlos entsorgen und sogar Trinkwasser tanken.

Wir wählen die Route über Harstad nach Refsnes, um mit der Fähre nach Flesnes zu fahren. Erstmals kommt unser Autopass for ferje zum Einsatz. Wir erhalten 50 % Ermäßigung und zahlen 121 NOK. Die neben stehende Tabelle zeigt exemplarisch die Fährgebühren und die entsprechenden Ermäßigungen. Wenn man durch Nord-Norwegen reist, sollte der Erwerb des Prepaid Passes gesetzt sein!

Über Sortland erreichen wir Langøya, eine Insel der Nördlichen Vesterålen. Dort steuern wir das verschlafene Fischernest Stø an, das eigentlich nur durch seine Walsafaris im Sommer bekannt ist. Die 200 Einwohner leben fast ausschließlich vom Fischfang oder arbeiten in der Fischfabrik des Ortes. Der Campingplatz hat um diese Jahreszeit scheinbar nicht mehr geöffnet, zumindest ist die Rezeption verwaist, so dass wir uns direkt davor auf einem nicht gekennzeichneten Schotterparkplatz mit Blick auf den Hafen einrichten.

Die Dronningruta, der „Königinnen-Weg“, gilt als eine der schönsten Wandertouren Norwegens. Ein fünfzehn Kilometer langer Wanderweg, der unmittelbar am Campingplatz beginnt, führt entlang der Küstenlinie von Stø nach Nyksund. Wir schnüren unsere Wanderstiefel und machen uns alsbald auf den Weg. Der kleine Pfad ist matschig – immer wieder müssen wir über Felsen sumpfige Passagen umklettern. Mehrere Kilometer auf diese Art und Weise zurückzulegen ist sicher nicht der große Spaß, so dass wir die Idee, den gesamten Königinnenweg zu erwandern, schnell verwerfen. Nach einem Kilometer erreichen wir den traumhaft schönen Strand Skipssand.

Da die Sonne schon langsam untergeht, folgen wir der Küste noch ein Stück weit, passieren eine kaum zu erkennende Steinzeit Siedlung, die auf einer Schautafel erläutert wird und kehren dann auf gleichem Weg zum Wohnmobil zurück.

Stellplatzbewertung Parkplatz am Stø Bobilcamp

Ort: Stø / Langøya

Koordinaten: 69.0193, 15.1090

Art des Stellplatzes: Parkplatz

Kosten: frei

Verfügbar: —

Bewertung Lage: 1

Bewertung Ruhe: 1

Bewertung Sanitäranlagen: —

Anfahrt: Schotterplatz an Teerstraße, für alle Wohnmobile geeignet

Mobilfunknetz: LTE

29.09.2021 – Von Stø nach Hovden (111 Km)

Unser erster Stopp gilt der malerisch gelegenen weißen Holzkirche in Stø. Umgeben von moosbedeckten Hügeln schlummert sie in einer idyllischen Kulisse direkt an der zerklüfteten Küste. Wir besteigen den Hügel direkt hinter der Kirche, der beste Spot, um die Kirche mit der sie umgebenden Landschaft zu fotografieren. Bei jedem Schritt sinken wir in das zentimterdicke Moosbett ein und müssen höllisch aufpassen, nicht in ein tiefes, überwachsenes Loch zu treten.

Noch einmal überfahren wir anschließend den Støveien Damm, der durch ein Feuchtgebiet führt und in dem sich jede Menge Watvögel wohlfühlen. Wir beobachten eine Weile lang das Treiben eines Pfuhlschnepfen-Pärchens, das geschäftig im Schlick nach Getier pickt.

Der alte Fischerort Nyksund ist bis heute nur über eine Schotterpiste an den Rest der Welt angeschlossen ist – die ist aber dafür umso sehenswerter, denn das Sträßchen schmiegt sich an einen senkrecht aufragenden Felsen direkt oberhalb des Fjordes an. Am Ort gibt es einen Parkplatz, auf den wir unbedarft hinauffahren. Wir stellen fest, dass bei der Einfahrt unser Autokennzeichen registriert worden ist und eine Parkgebühr von 30 NOK über die App „autopay.io“ bezahlt werden muss. Damit hätten wir in diesem abgelegenen Kaff nun wirklich nicht gerechnet, zumal wir das einzige Fahrzeug auf dem großen Parkplatz sind.

Wer sich den ganzen anschließenden Stress mit Herunterladen der App ersparen möchte, parkt einfach vor dem Damm und geht von dort aus ins Örtchen.

Nyksund hat eine rege jüngere Geschichte hinter sich. Nachdem es von Fischern aufgrund des zu kleinen Naturhafens aufgegeben worden war, entdeckten in den Neunziger Jahren Aussteiger, Freaks, Künstler, Kiffer und Berliner Ghettokids die Abgeschiedenheit dieses schönen Fleckchens Erde und nahmen es in Beschlag. In der Zwischenzeit haben allerdings die Kinder der ehemaligen Besitzer die Häuser nach und nach zurückerobert. Es haben sich Restaurants, Cafés, Antikläden, Tour-Anbieter oder Zimmervermieter in den bunten Häuschen am Hafen angesiedelt. Zu dieser Jahreszeit wirkt das ganze Ensemble allerdings ausgestorben wie eh und je, nur dass die meisten Häuser inzwischen einen bunten Anstrich erhalten haben und restauriert worden sind.

Auf dem Weg nach Hovden, dem nördlichsten Punkt von Langøya, finden wir ein lauschiges Picknick-Plätzchen an der 821. Wir hocken uns auf die Felsen am Wasser und können uns an der traumhaften Kulisse kaum sattsehen! Schon jetzt lieben wir Norwegen: Hinter jeder zweiten Kurve lauert eine Landschaft, die ihres Gleichen sucht!

Am Sandviks Strand befindet sich ein wunderbarer Parkplatz, auf dem man auch über Nacht stehen kann. Der Strand weckt sofortige Assoziationen an Jim Knopfs Lummerland – „eine Insel mit zwei Bergen“: So haben wir uns den Schauplatz der beliebten Kinderbücher immer vorgestellt. Fehlt nur noch die rauchende kleine Lokomotive, die einen der beiden Hügel auf der vorgelagerten Halbinsel umkurvt. Eine Foto-Session am Strand folgt.

Unser heutiger Übernachtungsplatz in Hovden ist nun nicht mehr weit. Wir finden einen lauschigen Schotterplatz an der alten Fischfabrik oberhalb eines Sandstrandes, natürlich mit Blick auf den Atlantik. Die alte, zerfallene Hütte an der Fabrik wirkt wie ein Lost Place. Dahinter befinden sich die typischen Gestelle, auf denen Stockfisch produziert wird, in dem Fisch durch Lufttrocknung haltbar gemacht wird. Hauptsächlich Kabeljau und Seelachs werden, nachdem Köpfe und Eingeweide entfernt worden sind, paarweise zusammengebunden und an die Holzgestelle gehängt.

Auf dem Weg zum Leuchtturm am Hafen beobachten wir einen Fischotter, der emsig damit beschäftigt ist, seinen Bau in den aufgetürmten Steinen der Mole mit Grasbüscheln auszupolstern. Im Hafenbecken liegen malerisch die bunten Fischerboote, einige von ihnen kommen soeben vom Fischfang zurück. Wir laufen bis zum Leuchtturm und hoffen auf weitere Vogelsichtungen. Es gibt hier in der Gegend sogar gute Chance, Seeadler bei der Jagd zu beobachten. Dieses Glück haben wir heute Abend allerdings nicht.

Stellplatzbewertung an der Fischfabrik Hovden

Ort: Hovden

Koordinaten: 68.8155, 14.5549

Art des Stellplatzes: Parkplatz

Kosten: frei

Verfügbar: —

Bewertung Lage: 2

Bewertung Ruhe: 1+

Bewertung Sanitäranlagen: —

Anfahrt: Schotterplatz an Teerstraße, für alle Wohnmobile geeignet

Mobilfunknetz: LTE

Galerie

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2 Comments

  • Micha

    Danke für die tollen Bilder und den informativen Bericht – wir waren im Sommer dort oben und könnten schon wieder hin! Wir sammeln bei euch jetzt mal Infos für den nächsten Herbst. 🙂 Viel Spaß noch im Nordland!
    Liebe Grüße
    Micha vom Momoblog

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