Helgelandskysten

8.10.2021 – Von Reine zum Svatisen Gletscher  (243 Km)  

Um 7 Uhr morgens setzt die Fähre von Mosekenes nach Bodø über. Um diese Jahreszeit fährt man einfach kurz vor Abfahrt in die Wartespuren ein, das Autokennzeichen wird, wie auf den anderen Fähren auch, durch einen Mitarbeiter einer Fährlinie fotografiert und schon geht´s los auf die 3,5 stündige Überfahrt. Das Ticket (1.144 NOK mit Ferjekort) wird wie gewohnt vom Ferjepass Konto abgebucht.

Was macht man an einem Tag, der von vorne bis hinten verregnet ist? Richtig, Besorgungen erledigen und fahren, fahren, fahren.

Wir benötigen Gas und die nächste Auffüllstation weit und breit ist in Fauske. Also nehmen wir einen kleinen Umweg von insgesamt 60 Kilometern in Kauf. Es gibt eine LPG Station in der Fauske Gartneri AS. Dort kostet das Befüllen einer 11 Kilogramm Flasche gerade einmal 200 NOK – ein Schnäppchen, wenn man es mit dem Preis vom Händler in Svolvaer vergleicht. Alle Gasauffüllstation in Norwegen sind auf der Website von LPG-Norge aufgeführt.

Nächster Halt ist der „Sports Outlet“, den es in jeder grlößteren Stad gibt und wo man günstig qualitativ hochwertige Wanderhosen kaufen kann, die denen von Fjällräven ähneln (ca. 600 – 700 NOK). Schließlich tanken wir noch einmal voll und lernen das undurchschaubare System an den norwegischen Tankstellen schmerzlich kennen. Auf dem Hinweg sehen wir an einer Tankstelle den Preis von 14,99 NOK, als wir aus dem Outlet kommen, liegt er wie von Geisterhand bei 17,99 NOK, satte 30 Cent mehr pro Liter.

Tatsächlich schwanken die Preise nach Tageszeit und vor allem nach Wochentag extrem – es lohnt sich daher, die Spritpreise im Auge zu behalten und im günstigen Moment zuzuschlagen.

Nun machen wir uns aber auf den Weg auf eine der schönsten Autostraßen der Welt, die Landschaftsroute Helgelandskysten (Fv17). Schon nach wenigen Kilometern kommen wir zu einem echten Superlativ auf dieser Strecke: Saltstraumen ist der stärkste Gezeitenstrom der Welt! Hört sich spektakulär an, ist es aber nicht wirklich. Durch den 150 Meter breiten Sund strömen Wassermassen im Wechsel der Gezeiten hin und her.

Das Wasser erreicht eine Geschwindigkeit von bis zu 40 km/h und es entstehen dabei bis zu zehn Meter tiefe Strudel. Außer den sich drehenden Strudeln ist für die Besucher kaum etwas zu sehen. Man kann vor der Brücke hinab zu einem Parkplatz fahren und von dort in fünf Minuten zum Strudel laufen. Das trübe Wetter und der Dauerregen verhindert passable Fotos von dem Naturphänomen, ich komme von meiner Foto-Session nass wie ein Pudel zurück zum Wohnmobil.

Ein Video verdeutlicht sicher wesentlich besser die Urgewalt des Gezeitenstromes im Saltstraumen:

Es regnet sich ein! Die spektakuläre Landschaft entlang der Straße lässt sich allenfalls erahnen – Regen und Nebel tauchen die Umgebung in eine undurchsichtige Suppe! Überall rauschen Wassermassen die Felsen hinunter in Richtung der Fjorde.

Wir halten an einer der ausgewiesenen Sehenswürdigkeiten der Helgelandskysten, Uredplassen, eigentlich nichts weiter als ein Rastplatz. Die beleuchtete Designer-Toilettenanlage und die Terrasse mit ihrem weitläufigen Blick über den Fjord, das Meer, und sogar die Lofoten-Inselgruppe kann beeindrucken – im dichten Nebel und stürmischen Regen ist rein gar nichts zu erkennen, und man wagt sich kaum vor seine Wohnmobiltür!

Ohne ein weiteres Mal zu halten, fahren wir zu unserem heutigen Ziel, dem Svartisen Gletscher. Er ist der tiefst gelegene Gletscher in Europa, und von mehreren über 1.500 Meter hohen Bergen umgeben. Hoffen wir auf den morgigen Tag – heute ist vom Gletscher nichts zu sehen! Der Stellplatz befindet sich gegenüber dem Gletscher; in der Saison kann man sich mit einem Boot auf die andere Seite des Fjords übersetzen lassen und eine Wanderung zur Gletscherzunge unternehmen. Jetzt verkehrt das Boot leider nicht! Abends wissen wir noch nicht, dass uns das Glück am nächsten Morgen wieder einmal hold sein wird und wir unverhofft zu einer Gletschertour kommen werden!

Stellplatzbewertung Holand Rastplatz

Ort: Am Svartisen Gletscher

Art des Stellplatzes: Parkplatz

Kosten: frei

Verfügbar: WC (war bei uns geschlossen)

Bewertung Lage: 1

Bewertung Ruhe: 1-2

Bewertung Sanitäranlagen: —

Anfahrt: asphaltierter Parkplatz

Mobilfunknetz: LTE

9.10.2021 – Vom Svatisen Gletscher nach Kilboghavn (45 Km)

Nur mühsam schiebt die Sonne am Morgen die Nebelschwaden über dem See und dem Gletscher zur Seite. Immer wieder lugt die blaue Gletscherzunge für einen Augenblick aus dem dichten Dunst hervor. Svartisen, auf deutsch „Schwarzeis“, ist mit einer Fläche von 370 Quadratkilometern einer der größten Gletscher Norwegens. Der vor uns liegende „Engabreen“, ist einer von zahlreichen Armen des riesigen Gletschers. Ich meine, dass zu diesem Ambiente die Peer Gynt Suite als Frühstücksmusik am allerbesten passt und lade die CD bei Amazon Music herunter.

Wir steuern den nur wenige hundert Meter entfernten Parkplatz am Bootsanleger an und siehe da, ich sichte unten bei den Booten einen Mann, der soeben mit seinem Boot abfahren möchte.

Ich winke ihm freundlich zu und frage ihn, ob es eine Möglichkeit gibt, auf die andere Seite des Fjords zu gelangen. Ohne zu Zögern bietet er mir an, dass er uns mit hinübernehmen und auch zurückbringen kann. Auf meine Frage, was es denn koste, meint er nur lakonisch „it´s for free“. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen, packen unseren Wanderrucksack und begeben uns auf sein Boot.

Kristian ist Landwirt mit einem Gehöft diesseits des Holandsfjords und fährt zu seinem Vater, der seinerseits einen Bauernhof auf der gegenüberliegenden Seite am Gletscher hat. Heute möchte er ihm ein bisschen zur Hand gehen. Sein Vater besitze den einzig verbliebenen Bauernhof auf der anderen Fjordseite, die ausschließlich mit dem Boot erreichbar ist. Er erzählt uns weiterhin, er sei auf dem Hof seiner Eltern aufgewachsen und musste täglich mit dem Boot für den Schulweg auf die andere Seite gebracht werden. Während wir den Bootsanleger auf der anderen Fjordseite ansteuern, haben wir schon einmal die Gelegenheit, die Gletscherzunge vom Wasser aus zu fotografieren.

Eine zeitliche Verabredung für die Rückfahrt sei nicht nötig, „…take your time, if you need 2, 3 or 4 hours, it doesn´t matter…“, fügt er hinzu! So machen wir uns vom Bootsanleger auf den Weg zum Gletscher. Die ersten 3,5 Kilometer führen über einen breiten Schotterweg. Im Sommer werden hier die Touristen mit einem Bus in die Nähe der Gletscherzunge gefahren. Heute können wir aber sicher sein, wir werden den Gletscher ganz für uns allein haben!

Wir gelangen zu einem kleinen Gasthaus am See, das natürlich zu dieser Jahreszeit geschlossen hat. Von hier aus hat man bereits einen phänomenalen Blick auf die blau schimmernde Gletscherzunge. Für viele Touristen ist an dieser Stelle Schluss, aber wir wollen mehr!!!

So wandern wir weiter um den See herum und gelangen zum Felsmassiv, auf dem der Gletscher aufliegt. Die letzten zweieinhalb Kilometer sind etwas anstrengend – es geht über Stock und Stein; ab und zu müssen kleine Bachläufe durchquert werden. Der Weg ist bestens mit blauen Markierungen gekennzeichnet, so dass man sich in der unübersichtlichen Felsenwelt nicht verlaufen kann. Wir wandern über glatt polierte Felsplateaus, die durch die Jahrtausende lange Gletscherbewegung entstanden sind.Kristian hat uns berichtet, noch im Jahre 2003 habe die Gletscherzunge bis hinunter zum Holandsfjord gereicht! Wenn das nicht ein eindrucksvolles Anschauungsobjekt für alle Leugner der Erderwärmung und des von der Menschheit produzierten Klimawandels ist?

Endlich gelangen wir an die Gletscherzunge und sind von dem Anblick vollkommen überwältigt. Die Blaufärbung verleiht der bizarr geformten Eiswelt eine einzigartige Magie. Schweigend sitzen wir da und bewundern eines der großen Wunder dieser Welt. Aber gleichzeitig werden wir auch nachdenklich: Wie lange kann sich die Menschheit an solch phänomenalen Anblicken noch erfreuen?

Auf gleichem Weg laufen wir zurück zum Anleger, wo uns Kristian wenig später auf die andere Fjordseite schippert. Wir danken ihm überschwänglich mit zwei Flaschen Bier aus der Heimat (Störtebecker) und einem ordentlichen Trinkgeld.

Wir hatten auf unserer Tour ein wahnsinniges Glück mit dem Wetter: Heute ist definitv der einzige Tag der Woche, an dem es nicht regnet- zumindest bis zum Nachmittag, denn kaum sitzen wir im Auto, da trübt es sich auch schon wieder ein und ein fieser Nieselregen setzt ein. Mit der Fähre setzen wir von Forøy nach Ågskardet über und durchfahren erneut eine Traumlandschaft am Tjongsfjord. An einem Rastplatz halten wir Teatime ab, bei schönem Wetter hätte man hier sicher eine phantastische Aussicht.

Auch die Fähre von Jetwik nach Kilboghamn steht heute noch auf dem Programm. Während der Fahrt wird der Polarkreis überquert. Leider ist von dem auf einem Felsen stehenden Arctic  Circle Monument aufgrund der einsetzenden Dunkelheit kaum etwas zu sehen. Wir müssen uns begnügen mit einer Miniatur-Reproduktion, die auf der Fähre an der Wand hängt.

Auf direktem Weg steuern wir das nahe Polarcamp an, wo wir heute die Nacht verbringen wollen. Es regnet in Strömen und es ist stockdunkel – wir werden morgen früh sehen, wo wir gelandet sind!

Heute gibt es endlich auch mal einen kulinarischen Tipp von uns: Corinna bereitet „Lofoten-Burger“ zu, die Fisch-Patties kann man in Norwegen überall in den Supermärkten von Rema 1000 erwerben. Sie sind super-lecker, bestehen zu 87 % aus Fisch. Die Scheibe Lofoten-Räucherlachs keinesfalls vergessen! Eine echte Empfehlung unsererseits, diese Lofoten-Spezialität ist schnell zubereitet und sollte jeder unbedingt einmal probiert haben!

Stellplatzbewertung Polarcamp

Ort: Kilboghamn

Art des Stellplatzes: Campingplatz

Kosten: 275,– NOK

Verfügbar: Wasser, Entsorgung, Dusche, WC, Strom (75 NOK)

Bewertung Lage: 2

Bewertung Ruhe: 1

Bewertung Sanitäranlagen: 2

Mobilfunknetz: freies W-Lan

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