Dänemark 2022

Im Hochsommer 2022 probieren wir erstmals Dänemark auf einer zehntägigen Wohnmobil-Tour aus und sind sehr gespannt, wie uns unser nördlicher Nachbar gefallen wird. Ebenfalls spannend ist die Frage, ob es auch in Dänemark zur Hauptsaison möglich ist, nach unserer Philosophie zu reisen – zwar mit einem ungefähren Plan, aber dennoch spontan und ohne zu wissen, wohin uns die Reise am kommenden Tag führen wird.  Sind Stellplätze, die unserem Geschmack entsprechen – naturnah,  in außergewöhnlicher Lage, individuell und eher klein,  ruhig und ohne jegliche Animation – zu dieser beliebten Reisezeit ohne Reservierung in Dänemark zu bekommen? Freistehen ist in Dänemark zwar generell verboten, das Übernachten auf ausgewiesenen Parkplätzen für eine Nacht, ohne dabei „typisches Camperverhalten“ an den Tag zu legen (Stühle herausstellen, Markise ausfahren, Fenster öffnen etc.), wird jedoch toleriert. Zudem gibt es überall Alternativen auf kleinen Bauernhöfen oder Privatgrundstücken, die dem Freistehen sehr nahe kommen. Wir lassen uns überraschen! 

Natürlich ahnen wir bei unserer Planung noch nicht, dass unser Urlaub durch einen unverschuldeten Unfall nach wenigen Tagen zwangsbeendet wird. Dieser Reisebericht ist somit zur Hälfte ein Ratgeber, wie man sich bei einem Unfall im Ausland verhalten sollte und welche Pannenhilfen und Versicherungen im Fall der Fälle hilfreich sein können.

28. Juli 2022 – Von Isernhagen nach Tinglev

Unser Wohnmobil haben wir am Vorabend vollständig gepackt, so dass wir nach einem kompletten Arbeitstag am Nachmittag gen Norden aufbrechen können – sicher eine gute Idee, da am Wochenende in Baden-Württemberg und Bayern die Sommerferien starten und Chaos auf den deutschen Autobahnen droht. Bis auf den üblichen Stau vor dem Elbtunnel kommen wir einigermaßen gut durch, so dass wir am Abend den Stellpads Green, nicht weit hinter der deutsch-dänischen Grenze, erreichen.

Auf dem Platz bucht man sich per Self-Check-In ein, natürlich bekommen wir um diese Zeit keinen Platz mehr direkt am See. Auf einer Picknickbank genießen wir bei untergehender Sonne unser Abendessen bei einem frischen Chateauxaneuf-du-Pape Rosé den Start in unseren Dänemark Kurztrip.

Stellplatzbewertung Stellplads Green

Ort: Tinglev

Art des Stellplatzes: Wohnmobil-Stellplatz

Kosten: 150 DKK

Verfügbar: Strom (35 DKK), Dusche, WC, Wasser, Grau- und Schwarzwasserentsorgung

Nicht verfügbar: —

Bewertung Lage: 2

Bewertung Ruhe: 2

Bewertung Sanitäranlagen: 2

Mobilfunknetz: LTE

29. Juli 2022 – Von Tinglev nach Stauning Havn

Nach einem sehr frischen morgendlichen Bad im See – während Corinna die „Warmduscher-Variante“ im Sanitär-Container vorzieht -, machen wir uns auf den Weg zum Ringkøbing Fjord, dem größten Küstensee Dänemarks. Zunächst einmal wollen wir uns der Meer-abgewandten Seite zuwenden. In Stauning Havn gibt es einen entzückenden kleinen Stellplatz für 5 Wohnmobile, leider ohne Blick auf das Hafenbecken. Im gemütlichen Hafen, der von Seglern, Freizeitfischern und Jägern genutzt wird, liegen einige Fischerboote, unter anderem Grethe, der letzte ursprüngliche Kutter des Ringkøbing Fjords.

Auf einer Fahrradtour wollen wir die Skjern Enge erkunden, Dänemarks einziges Flussdelta und zugleich einer der wichtigsten Rastplätze für Watvögel in ganz Nordeuropa. Das gesamte Delta mit seinen Wiesen, Mooren und Heidegebieten ist ein beeindruckendes Naturschutzgebiet, das innerhalb eines aufwendigen Renaturierungsprojektes in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt wurde. Löffler, Wasserrallen, Seeadler und viele andere spektakuläre Vögel können im Delta entdeckt werden, leider haben wir auf unserer Tour kein Glück, was natürlich auch auf die Jahreszeit zurückzuführen ist. Bei der Skjern A Pumpenstation Nord befinden sich zwei Handseilzugfähren, mit denen man sich mit eigener Muskelkraft über den Fluss ziehen kann.

Die Fahrt durch das Delta auf dem Fahrrad ist spektakulär. Wir erreichen die weithin sichtbare Lønborg Kirke, deren romanisches Schiff im 15. Jahrhundert errichtet wurde, während alle späteren Anbauten im gotischen Baustil errichtet wurden. Auch der davor liegende Friedhof ist wunderschön angelegt.

Weiter geht die Fahrradroute entlang des Skjern Å Flusses bis zur Kong Hans Bro. Die Brücke ist nach König Hans benannt, der an dieser Stelle nach einem Sturz ins Wasser auf tragische Weise an den Folgen einer Lungenentzündung starb. Neben der Brücke steht sein Gedenkstein.

Auf der anderen Seite des Flusses gelangen wir, nunmehr mit anstrengendem Gegenwind, zurück zur Pumpenstation Nord, wo sich der Kreis unserer Fahrradtour schließt.

Am Wohnmobil belohnen wir uns mit einem kühlen Bier und grillen später marinierten Lachs. Der Sonnenuntergang über dem Hafen und am Strand des Ringkøbing Fjords ist der krönende Abschluss des ersten ereignisreichen Tages.

Stellplatzbewertung Stauning Havn

Ort: Stauning Havn

Art des Stellplatzes: Wohnmobil-Stellplatz

Kosten: 150 DKK

Verfügbar: Strom (mit kostenpflichtiger Hafenkarte zusätzlich buchbar), Dusche (10 DKK), WC, Wasser, Grau- und Schwarzwasserentsorgung

Nicht verfügbar: —

Bewertung Lage: 2

Bewertung Ruhe: 1-2

Bewertung Sanitäranlagen: 2-3

Mobilfunknetz: LTE

30. Juli 2022 – Von Stauning Havn nach Hvide Sande

Heute zieht es uns an Meer, wohl wissend, dass am Ringkøbing Fjord bei Hvide Sande in der Hauptsaison der Teufel los ist. Wir fahren auf die Holmsland Klit Nehrung und passieren Hvide Sand, das alles andere als beschaulich daher kommt. Unser Ziel ist der Nørre Lyngvig Campingplatz, der eigentlich ganz und gar nicht in unser Bild eines optimalen Stellplatzes passt: Er ist riesig, zieht sich von der Straße bis hinunter zu den Dünen, aber sein großes Plus ist, dass er unparzelliert ist und man sich auf dem Dünengelände hinstellen kann, wo eben gerade Platz ist. Es führt eine Stromleitung mitten durch den Platz, deren Nähe zu allem Überfluss zumindest für uns ein Ausschlusskriterium ist.

Wir haben diesen für uns nicht gerade idealen Campingplatz bewusst angefahren, um einen ausgedehnten Strandtag inklusive Strandwanderung bei bestem Wetter in der Nähe des Leuchtturms zu erleben, werden aber definitiv auch keine zweite Nacht hier stehen. Der breite Sandstrand entlang der Holmsland Klit Nehrung sucht tatsächlich seines Gleichen und kann mit den Traumstränden auf Sylt oder Fischland-Darß locker mithalten. Natürlich darf ein Bad in der heute sehr ruhigen, wenn auch kühlen Nordsee nicht fehlen, genauso wenig wie ein anschließendes ausgedehntes Sonnenbad.

Auf dem Rückweg machen wir im kleinen Café am Lyngvig Fyr Leuchtturm Station, um Kaffee zu trinken. Der Lyngvig Fyr ist wie gemalt, so dass wir uns noch eine Weile in die Dünen hocken und den Ausblick auf den Leuchtturm genießen.

Nach einem exquisiten selbstgekochten Abendmenü machen wir uns abermals auf zum Leuchtturm, um die Blaue Stunde dort auf uns wirken zu lassen, um diese Tageszeit einfach ein grandioses Fotomotiv!

Stellplatzbewertung Nørre Lyngvig Camping

Ort: Hvide Sande

Art des Stellplatzes: Campingplatz

Kosten: 264 DKK

Verfügbar: Strom (kostenpflichtig), Dusche (kostenpflichtig), WC, Wasser, Ver- und Grau- und Schwarzwasserentsorgung

Nicht verfügbar: —

Bewertung Lage: 2-3

Bewertung Ruhe: 3

Bewertung Sanitäranlagen: 1-2

Mobilfunknetz: LTE

31. Juli 2022  – Von Hvide Sande zur Insel Venø

Über die Nehrung geht es weiter in Richtung Norden. Am nördlichen Ende des Ringkøbing Fjords befindet sich der Ferienort Søndervig, der nach der Fertigstellung des Aquadoms Lalandia geradzu zu explodieren scheint. Überall sprießen rund um das Vergnügungsbad uniforme Ferienhäuser aus dem Boden und verschandeln die schöne Dünenlandschaft. Sehenswert ist allerdings der Sandskulpturenpark, der hier jedes Jahr aufs Neue entsteht. Wir haben allerdings andere Pläne und bewundern nur im Vorbeifahren die kunstvollen Bauwerke aus Sand.

In Thorsginde kaufen wir in der dortigen Fisk & Rogeri frischen Fisch und geniale Fischfrikadellen ein. Unser heutiges Ziel ist zunächst der Bovbjerg Klint Leuchturm, der mit seiner roten Färbung aus der Dünenlandschaft so richtig heraussticht. Seit fast 150 Jahren warnt das blinkende Leuchtfeuer den Schiffsverkehr vor den Gefahren der jütländischen Westküste.

Der Leuchtturm steht an einer einzigartigen Klippenlandschaft, der zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt wurde. Die unzähligen Schichten der Steilküste entstanden durch die letzten drei Eiszeiten. Wir unternehmen eine wundervolle kleine Runde entlang des Strandes zur Fjaltring Kirke und auf den Klippen wieder zurück zum Leuchtturm.

Unser heutiges Ziel ist das winzige Eiland Venø im Herzen des Limfjords. Mit einer kleinen Fähre (90 DKK hin und zurück) wird man in gerade einmal drei Minuten auf die winzige Insel hinübergesetzt. Die Insel ist das wahre Kontrastprogramm zum trubeligen Campingplatz in Hvide Sand. Es gibt kaum Infrastruktur, keine Läden zum Einkaufen, lediglich ein hochpreisiges Restaurant, das auch von den Einheimischen vom Festland am Abend angefahren wird. Die Insel ist ein Kleinod für ruhesuchende Menschen. Am Hafen befindet sich ein wunderbarer kleiner Stellplatz, mit Platz für fünf Wohnmobile. Außer uns verirrt sich am Abend lediglich ein weiteres Wohnmobil hierher!

Der Betreiber des kleinen benachbarten Cafés unterhält den Stellplatz, so dass wir dort unsere Gebühr entrichten und einen kleinen Mittagssnack einnehmen. Leider bestätigen sich die Wetterprognosen für heute Nachmittag, die ein durchziehendes, dichtes Regengebiet über nahezu die gesamte dänische Nordseeküste vorausgesagt haben. Somit verbringen wir den Nachmittag mit Aussicht auf den vom Regenwetter eingetrübten Limfjord in unserem gemütlichen Wohnmobil. Erst gegen Abend drehen wir noch eine Runde über die Insel, auch wenn der Regen noch immer kein Einsehen mit uns hat.

Stellplatzbewertung Venø Havn

Ort: Venø

Art des Stellplatzes: Wohnmobil-Stellplatz

Kosten: 140 DKK

Verfügbar: Strom (inklusive), Dusche (10 DKK), WC, Wasser, Grau- und Schwarzwasserentsorgung

Nicht verfügbar:

Bewertung Lage: 1

Bewertung Ruhe: 1

Bewertung Sanitäranlagen: 2

Mobilfunknetz: LTE

1. – 3. August 2022 – Von der Insel Venø nach … ein jähes Ende unserer Reise

Froh gelaunt frühstücken wir bei strahlendem Sonnenschein und schmieden Pläne für den weiteren Verlauf unserer Reise. Zunächst wollen wir zum Naturschutzgebiet von Venø am Ende der Insel fahren, um dort eine Birding Tour zu unternehmen. Wir kommen nicht weit, denn schon kurz hinter dem Hafen kommt ein kleiner VW Up aus einer Einfahrt gerauscht und rammt unser Wohnmobil. Die Fahrerin, eine ältere Dame, ist untröstlich, jedoch lässt sich der Unfall nicht rückgängig machen. Unsere Vorderachse ist verzogen und die gesamte linke Seite unseres Wohnmobils ist demoliert. Es ist offensichtlich, unser Wohnmobil ist nicht mehr fahrbereit. Unsere Unfallgegnerin informiert die Polizei, die erst einmal auf die Insel kommen muss – eine Polizeistation gibt es auf Venø nicht. Erstaunlich schnell ist das Polizeifahrzeug dann vor Ort und nimmt die Daten der Parteien auf. Wie wir später erfahren, ist es das erste Mal seit 16 Jahren überhaupt, dass die Polizei auf die Insel zur Aufnahme eines Unfalls kommen muss – so viel Pech muss man erst einmal haben! Wir haben eine ADAC Plus Mitgliedschaft und informieren den ADAC über den Unfall. 

Der Abschleppwagen ist innerhalb von zwei Stunden da, das ist aber auch schon das einzig Positive, das sich für die weitere Abwicklung vom ADAC berichten lässt. Er verlädt unser Wohnmobil und bringt uns auf das Festland zu einer Vertragswerkstatt in Holsterbro. Wie sich herausstellt, hat die Werkstatt jedoch Betriebsferien. Der Fahrer des Abschleppwagens hält kurz Rücksprache mit seinem Chef, der entscheidet, dass unser Wohnmobil erst einmal abgeladen werden soll. Für einen Weitertransport habe er keinen Auftrag, lautet die lapidare Begründung. Im Klartext: Der Dienstleister hielt es nicht für notwendig, bei der Werkstatt vor dem Abschleppen einmal anzufragen, ob diese überhaupt geöffnet habe!

Wir nehmen es hin wie es ist und machen es uns auf einem Rasenstück vor der Werkstatt gemütlich. Es hätte schlimmer kommen können, der Platz ist ruhig und wir schauen ins Grüne. Ein erneutes Telefonat mit dem ADAC bestätigt, was wir längst vermutet haben: Heute wird nicht mehr viel passieren, da sich die Werkstätten mittlerweile im Feierabend befinden. Wir telefonieren mit dem Zentralruf der Autoversicherer (Telefonnummer: +49 40 300 330 300), der uns die zuständige Partner-Versicherung der Unfallgegnerin in Deutschland nennt, in unserem Fall die HUK-Coburg. Sie vertritt die dänische Versicherung, so dass man sich zumindest nicht auch noch mit einer ausländischen Versicherung herumschlagen muss. 

Somit warten wir jetzt auf das OK des ADAC, der von einer hiesigen Fachwerkstatt aber zunächst bestätigt bekommen möchte, dass unser Wohnmobil nicht innerhalb von drei Tagen wieder hergestellt werden kann und auch kein Totalschaden vorliegt. Erst dann wird der Rücktransport des Fahrzeugs durch den ADAC in Gang gesetzt werden! 

Mitten in der Nacht kündigt der dänische Servicepartner die Ankunft des zweiten Abschleppwagens an. Wir lehnen den Termin für die Nacht ab und einigen uns auf 9 Uhr morgens. Überpünktlich steht der Abschleppwagen dann mit einem sehr netten und hilfsbereiten Fahrer vor der Werkstatt in Holsterbro. Wie schon bei der ersten Abschleppaktion wurde auch heute Morgen weder vom ADAC noch vom dänischen Dienstleister bei der Werkstatt angefragt, ob sie überhaupt geöffnet hat – einfach unglaublich! Und tatsächlich stellt sich bei Ankunft in der Fiat Werkstatt Uggerhøj in Herning heraus, dass wegen Teilbetriebsferien kein Fiat-Mechaniker im Haus ist. Wir erklären den hilfsbereiten Mitarbeitern der Werkstatt, dass dies auch gar nicht erforderlich sei. Sie müssten als Werkstatt lediglich dem ADAC bestätigen, dass das Fahrzeug nicht fahrbereit sei, nicht innerhalb der nächsten drei Tage repariert werden könne und auch kein Totalschaden vorläge.

 Natürlich erkennt der Mitarbeiter auf den ersten Blick, dass die Achse demoliert ist. Mit dem anschließenden Anruf beim ADAC kommen wir endlich einen Schritt weiter, denn immerhin erkennt der ADAC jetzt an, dass wir Anspruch auf den Rücktransport unseres Wohnmobils nach Deutschland haben. „Dies wird aber sicherlich mindestens vier bis sechs Wochen dauern, bei Wohnmobilen eher länger“, warnt uns die Mitarbeiterin an der Hotline. Wir hatten ehrlicherweise nichts anderes erwartet.

Das nächste Problem ist nun die Gestellung eines Mietwagens. In diesen Zeiten sind die Mietwagen überall knapp. Aber wir haben bereits recherchiert, dass die hiesige Europcar Station einen Wagen für die Fahrt nach Hannover bereitstellen könnte – Kostenpunkt über Check24* satte 800,– €, aber immerhin noch 40,– € günstiger als über Europcar direkt!. Die ADAC Mitarbeiterin meint, lediglich 500,– € seien davon abgedeckt und empfiehlt, die Anfrage dem dänischen Servicepartner zu übergeben, der bessere Konditionen aushandeln könne. Wir stimmen dem zu und warten und warten und warten … . Bis zum Abend tut sich rein gar nichts, und somit beschließen wir, den Wagen auf eigene Faust zu buchen. Auch später erhalten wir übrigens keinen  diesbezüglichen Anruf vom dänischen Servicedienstleister des ADAC. 

Am nächsten Morgen holen wir unser Auto von Europcar ab und erhalten mit einem Passat Kombi immerhin ein kostenloses Upgrade. Wir dürfen unser Wohnmobil auf dem Parkplatz der Werkstatt stehen lassen und den Schlüssel samt Papieren dort deponieren. Auf direktem Weg fahren wir in fünf Stunden zurück nach Hannover. Ein weiterer Rückruf beim ADAC ist ernüchternd: Man habe den Vorgang zwar inzwischen dem Spediteur übergeben, könne uns aber überhaupt nicht sagen, wann unser Wohnmobil zurück transportiert werde. Der Spediteur informiere auch nicht über den Termin des Transports, das Wohnmobil würde ohne Vorankündigung irgendwann zur angegebenen Wohnmobilwerkstatt angeliefert werden. Auch unser Angebot, uns selbst um den Rücktransport zu kümmern und ggf. einen Aufpreis dafür zu zahlen, wird vom ADAC abgelehnt – dann würden wir auf den kompletten Überführungskosten hängen bleiben! Immerhin hat unsere Stamm-Werkstatt anhand der Fotos inzwischen mitgeteilt, den Schaden wohl rückstandslos beheben zu können. Wie lange wiederum die Anlieferung der benötigten Teile dauern, kann in diesen merkwürdigen Zeiten niemand vorhersagen! Uns droht ein Wohnmobil-freies Restjahr – keine schöne Vorstellung.

Ein Unfall im Ausland ist nervenaufreibend und kompliziert, das mussten wir schmerzhaft erfahren. Ein unverschuldeter Unfall scheint fast schwieriger abzuwickeln zu sein, als ein Crash, den man selbst verursacht hat – paradox, aber leider Realität! Beim selbstverschuldeten Unfall nimmt die eigene Vollkasko die Schadenabwicklung in die Hand. So ließen sich der Rücktransport und somit auch die Reparatur wesentlich einfacher und schneller in die Wege leiten. Die Bürokratie des ADAC ist im Schadensfall wenig hilfreich. Wir werden an dieser Stelle berichten, wie der Kampf mit den beteiligten Versicherungen und dem ADAC weitergeht. In jedem Fall werden wir nach unseren Erfahrungen genauestens prüfen, ob eine Mitgliedschaft im ADAC für uns noch Sinn ergibt oder ob alle Leistungen auch in anderen Versicherungen enthalten sind.

Tipps für die Abwicklung eines Unfalls im Ausland in der Zusammenfassung: 

1.) Selbstverständlich sollte man alle Daten des Unfallbeteiligten aufnehmen, insbesondere gegnerische Versicherungsdaten. Ein mehrsprachiger europäischer Unfallbericht kann dabei hilfreich sein und ist zum Beispiel bei den Versicherungen kostenlos erhältlich. Wenn möglich die Polizei verständigen und den Unfall aufnehmen lassen und anschließend die Aktennummer telefonisch erfragen. Auch sind Fotos vom Unfall und den Schäden aus verschiedenen Perspektiven obligatorisch. 

2.) Den Zentralruf der Autoversicherer (Telefonnummer: +49 40 300 330 300) wählen und dort die kooperierende deutsche Versicherung ermitteln. Dafür benötigt man Informationen zur gegnerischen Versicherung. Der deutschen Partnerversicherung anschließend umgehend den Unfall melden und die erforderlichen Daten und Fotos schicken.

3.) Der Mobilitätsschutz der eigenen Versicherung oder eine ADAC Plus Mitgliedschaft sorgen für den Transport des Fahrzeugs zur nächsten Fachwerkstatt – das geht zumeist relativ schnell. Der ADAC erstattet die Kosten für einen Mietwagen, allerdings nur bis 500,–€, was bei One-Way Mieten im Ausland zumeist nicht ausreicht. Am besten bucht man über Check24* selbst einen Mietwagen, auf Hilfe durch den ADAC zu warten ist hingegen reine Zeitverschwendung. 

4.) Die eigene Versicherung überprüfen, ob ein Auslandsschadenschutz besteht. Dieser ist entweder in der Police enthalten oder man kann ihn als Zusatzpaket abschließen. Es sorgt dafür, dass auch bei einem unverschuldeten Unfall im Ausland die Schadensregulierung nach deutschem Recht erfolgt. Einen Gutachter sollte man bei einem solch großen Schaden zu Dokumentationszwecken immer einschalten. Nach dänischem Recht werden zwar Reparaturen bis zum Wiederbeschaffungswert bezahlt, nicht aber zwangsläufig Gutachterkosten und erst recht nicht Ausfallkosten oder eine Wertminderung!

5.) In unserer Vollkasko-Versicherung bei Accura* ist  ein Mobilitätsschutz enthalten.  Die Accura ist auf Wohnmobilversicherungen spezialisiert. Die Accura* gibt uns ganz unbürokratisch eine Zusage, die Kosten für den Rücktransport unseres Wohnmobils bis zu einem Maximalbetrag zu übernehmen, auch wenn wir ihn selbst organisieren. Beim ADAC war das nicht möglich, und die Abwicklung hätte viele Wochen gedauert! Wenn Pannenhilfe über den Mobilitätsschutz der eigenen Versicherung abgedeckt ist, könnte die ADAC-Mitgliedschaft überflüssig werden. Unbedingt Bedingungen checken, das spart Beiträge! 

6.) Nach der Zusage zur Kostenübernahme sollte man den Rücktransport des Wohnmobils selbst organisieren, um nicht wochen- oder gar monatelang auf sein Wohnmobil warten zu müssen. Wir haben verschiedene Angebote über Shiply eingeholt und der Spedition Pfeiffer in Remscheid den Zuschlag erteilt. Der Transport nach Deutschland ging  sehr schnell und hat  nach Auftragserteilung nicht einmal eine Woche gedauert. 

Chronologie einer „wohnmobilfreien Leidenszeit“

17. August 2022 

Unser Wohnmobil steht bereits gut zwei Wochen nach dem Unfall bei der Werkstatt unseres Vertrauens, ASE-Reisemobile in Uetze. Der Transport über die gebuchte Spedition hat einwandfrei und zuverlässig funktioniert. Ein umfangreicher Schriftverkehr und unzählige Telefonate mit großer Hartnäckigkeit sowie ein erheblicher Organisationsaufwand sind dem vorausgegangen. Die kooperierende deutsche Versicherung, die HUK-Coburg, hat mittlerweile die Regulierung des entstandenen Schadens nach dänischem Recht bestätigt. Eines ist allerdings bereits klar: Die Wohnmobil-Saison ist für uns vorzeitig beendet! Die Instandsetzungsarbeiten werden sich mindestens bis zum Jahresende hinziehen.

23. August 2022 

Der Schaden wird von einem unabhängigen Gutachter inspiziert. Es fehlt allerdings noch der Preis für die Ersatzteile von Knaus, unter anderem die linke Seitenwand, um die Expertise zu finalisieren.

28. August 2022

Unsere Versicherung Accurahat über die angeschlossene HDI die Kosten für den Rücktransport in Höhe von 1.800,–€ bereits nach einer Woche anstandslos reguliert. Gut zu wissen, dass man eine Top-Versicherung an seiner Seite hat und welch Kontrastprogramm gegenüber der Servicewüste des ADAC!

5. Oktober 2022

Fast sechs Wochen dauert es, bis Knaus den Preis für die Seitenwand benennen kann – einfach unvorstellbar! Jetzt endlich wird das Gutachten bei der gegnerischen Versicherung zur Kostenfreigabe eingereicht. Die Schadenhöhe beläuft sich auf rund 45.000,– €. 

25. Oktober 2022

Die HUK als Vertreter der gegnerischen dänischen Versicherung teilt uns mit, dass nach dänischem Recht Nutzungsausfall, Wertminderung und auch die Gutachterkosten in Höhe von 3.200,–€ nicht erstattungsfähig seien. Wir werden das von einem Fachanwalt für Verkehrsrecht prüfen lassen.

3. November 2022 

Wir beauftragen ein auf Verkehrsrecht spezialisiertes Anwaltsbüro zur Vertretung unserer Interessen gegenüber der gegnerischen Versicherung. Unser Anwalt hält die Gutachterkosten sehr wohl für erstattungsfähig, ebenso wie den im Gutachten ausgewiesenen Wertverlust in Höhe von 2.500,–€. Die Kosten für die außergerichtliche Tätigkeit unseres Anwalts muss die gegnerische Versicherung tragen! Sollte ein Gerichtsverfahren notwendig sein, kommt unsere Rechtsschutzversicherung ins Spiel.

Unser Anwalt bestätigt zudem, dass wir sofort mit der Reparatur beginnen können. Unsere Werkstatt ASE Reisemobile löst noch am selben Tag die Bestellung der Teile bei Knaus aus. Endlich sind wir einen Riesenschritt weiter! 

11. November 2022 

Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Der ADAC hat nach über drei Monaten und mindestens sieben oder acht Mahnungen seinen Anteil von 500,–€ für die Mietwagenrechnung von Europcar  erstattet. Die restlichen 300,– € werden durch unseren Anwalt bei der gegnerischen Versicherung eingefordert.

 17. November 2022

Die HUK bestätigt unserem Rechtsanwalt, dass die Reparaturkosten von der dänsichen Versicherung übernommen werden, lehnt aber weiterhin die Übernahme der Gutachterkosten und die Wertminderung ab.

01. Dezember 2022

Die gegnerische Versicherung hat über unseren Rechtsanwalt die vom Gutachter errechneten Kosten für den Schaden ohne Mehrwertsteuer überwiesen. Der Rechstanwalt hat das Geld unmittelbar an unsere Werkstatt weitergeleitet. Die Mehrwertsteuer kann erst nach Rechnungstellung durch unsere Werkstatt erstattet werden. Nach wie vor weigert sich die Versicherung, die Gutachterkosten zu übernehmen. Diese werden wir dann zu einem späteren Zeitpunkt mit Hilfe unseres Rechtsanwaltes versuchen einzuklagen.

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6 Comments

  • Maria

    Das tut mir leid für Euch – es war so ein schöner Anfang. Vielen Dank für die tollen Fotos (ich habe gerade schon ein paar Spots in meiner Google-Map gespeichert :-D) und den ausführlichen Bericht Eurer ADAC-Erfahrung. So ähnlich habe ich es mit einer Freundin in Belgien erfahren. Hier waren wir leider selbst schuld am Unfall und das Auto war am Ende Totalschaden. Die Versicherung hat gezahlt, aber die Erfahrung mit dem ADAC war ähnlich – meine Freundin ist danach gleich aus dem ADAC ausgetreten…
    Viele Grüße und viel Glück für die Ersatzteile. Noch ein schönes Wohnmobiljahr 🍀

    • Wehr-Reinhold.de

      Hallo Maria, danke für deinen netten Kommentar! Wir werden nach unseren Erfahrungen jetzt ganz genau prüfen, ob wir den ADAC noch brauchen. Letztlich hat uns der Mobilitätsschutz unserer Versicherung geholfen. In jedem Fall muss der Krankenrücktransport aller Mitfahrer über eine andere Versicherung geregelt sein – das sollte man vor dem Austreten unbedingt checken!

  • Gabi

    Das tut mir sehr leid! Dabei hatte der Urlaub so schön angefangen, die ruhigen Stellplätze ohne Animation und „Action“ sind genau nach unserem Geschmack.
    Ich wünsche euch, daß ihr die Reise bald fortsetzen könnt, denn die Landschaft ist traumhaft. Auch ohne Womo noch schöne Sommertage!

  • Regina Uelpenich

    Wir hatten mit einem WoWa einen unverschuldeten Auffahrunfall kurz vor Bologna. Wichtig ist wohl immer eine polizeiliche Aufnahme, was ohne Personenschaden in Italien ein Abenteuer ist. Zum Glück waren wir noch fahrbereit und haben den Vorgang nach Rückkehr direkt einem Anwalt übergeben. Wir haben 3/4 Jahr auf unser Geld gewartet.
    Ich drücke Ihnen die Daumen und genießen Sie die schönen Erinnerungen an Ihren Urlaub.

    • Maike & Uwe

      Hallo Familie Wehr-Reinhold, erst einmal unsere Anteilnahme an dem Ärger mit dem Unfall. Wie wichtig eine gute Absicherung ist, wird einem immer erst im Bedarfsfall präsent. Wir haben gerade eine neue Police für unser Womo abgeschlossen, ohne zusätzlichen Schutzbrief und uns auf den Schutz vom ADAC verlassen. Nach ihrem Bericht haben wir den Zusatzschutz aber noch nachgebucht. Vielen Dank für den wertvollen Tipp. Wir wünschen Ihnen das ihr Auto zeitnah und schon bald wieder hergestellt wird und freuen uns auf weitere spannende Reisebererichte mit, wie immer, sehr schönen Fotos.
      Beste Grüße aus Barsinghausen!
      Maike und Uwe

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