Schlei

Wir haben ein Wohnmobil-Dinner im Gasthof Jäger´s Ruh in Steinfeld gebucht. Die Gerichte sind in Ordnung (Wildschwein Filet an italienischem Gemüse), aber wie erwartet auch keine kulinarische Sensation. Auf jeden Fall dürfen wir nach dem Dinner auf dem Parkplatz übernachten, so dass wir uns am heutigen Abend keinen Stress mit der Stellplatzsuche machen müssen. Der Platz erweist sich in der Nacht als ruhig, tagsüber ist die angrenzende Landstraße allerdings stärker frequentiert.

Stellplatzbewertung Gasthof Jäger´s Ruh

Ort: Steinfeld

Koordinaten: 54.598555, 9.747612

Art des Stellplatzes: Privater Parkplatz

Kosten: frei

Nicht verfügbar: Strom, Dusche, Wasser, Entsorgung, WC

Bewertung Lage: 2

Bewertung Ruhe: 2 (nachts)

Bewertung Sanitäranlagen: —

Mobilfunknetz: LTE

19. April 2021- Pommerby

Morgens fahren wir zum Wohnmobilstellplatz am Yachthafen in Kappeln, um dort zu frühstücken. Trotz des Schildes, dass der Stellplatz gesperrt sei, haben offenbar ein paar Wohnmobilbesitzer hier die Nacht verbracht. Während Corinna mein Fahrrad zur Reparatur in ein Fahrradgeschäft bringt, arbeite ich im Wohnmobil im netten Ambiente des Yachthafens. Gegen Mittag steuern wir den von uns gebuchten Campingplatz Seehof in Pommerby an, direkt an einem malerischen Leuchtturm gelegen. 

Wir bekommen einen tollen Platz in erster Reihe mit Blick auf die Ostsee zugewiesen. Die Plätze W1 – W5 sind eigentlich Ausweichplätze, doch haben die Betreiber des Campingplatzes eine Ausnahmegenehmigung zur Nutzung für dieses Jahr erhalten. Die reizende Inhaberin des Platzes und ihr Lebensgefährte zeigen sich erleichtert über die Öffnung des Campingbetriebes hier in der Schlei-Region. Wir werden zunächst ausführlich in die Regeln des Modellprojektes eingewiesen. Zunächst haben wir uns vor der Anreise über ein Formblatt unter Angabe der Handynummern registriert. Ein aktueller negativer Corona-Test ist erforderlich und muss in einem nahen Testzentrum nach drei Tagen wiederholt werden. Mithilfe der Luca-App muss bei Betreten und Verlassen des Platzes ein- und ausgecheckt werden. Man verpflichtet sich zudem im Falle einer Infektion innerhalb der nächsten drei Wochen, dies unverzüglich dem zuständigen Gesundheitsamt mitzuteilen. Wir hoffen sehr, dass über die Evaluation dieses Modellprojektes fundierte Erkenntnisse über das geringe Infektionsrisiko auf Campingplätzen und von Outdoor-Aktivitäten im Allgemeinen gewonnen werden können.

Wir unternehmen eine erste Erkundungsrunde mit dem Fahrrad rund um das Geltinger Birk. Kaum sitzen wir auf unseren Rädern, als wir in der spiegelglatten Ostsee auch schon eine Gruppe von Tümmlern in unmittelbarer Ufernähe sichten. Tümmler sind entgegen der landläufigen Meinung keine Delfine, sondern „Kleine Schweinswale“, die einzige residente Walart in Deutschland. Sie gelten als gefährdet, da Fischernetze und die küstennahe Ressourcennutzung, wie die Ölförderung, ihren natürlichen Lebensraum nachhaltig beeinträchtigen. Ein Weiteres bewirkt die Nahrungsknappheit als Folge der Überfischung in der Ostsee. Im Gegensatz zu Delfinen machen Schweinswale selten große Sprünge, sondern zeigen beim Atmen lediglich ihre Rückenfinne in einer rollenden Abwärtsbewegung, genauso, wie wir sie jetzt eine Zeit lang beobachten können.

Der Weg führt immer entlang der Küstenlinie und wir sind begeistert von der unberührten Natur, keine Spur von Zersiedlung oder der monotonen Ferienhausbauweise an anderen Orten der Ostseeküste. Unterwegs sichten wir unzählige Wasservögel, unter anderem Gänsesäger, Brandgänse, Eiderenten, eine riesige Kolonie Hunderter brütender Kormoranpaare und viele andere mehr. Corinna entdeckt zudem eine Ringelnatter, die jedoch schnell die Flucht ins Unterholz ergreift.

Direkt am Küstenweg befindet sich die malerische Mühle „Charlotte“, die 1826 erbaut wurde und einstmals der Entwässerung der Niederungsflächen diente. Heute ist sie eine private Ferienwohnung.

20. April 2021 – Pommerby

Nach einem Frühstück in der Sonne am Meer verbringt Corinna den Vormittag vor dem Wohnmobil in der Sonne, während ich arbeiten muss. Später machen wir uns mit den Fahrrädern auf in Richtung Schleimündung. Unterwegs passieren wir wunderschöne einsame Sandstrände, teilweise unterhalb eines kleinen Steilufers gelegen. Im Strandrestaurant Hasselberg essen wir sehr nett zu Mittag, stellen aber nebenbei fest, dass der dazugehörige Campingplatz kaum an den Charme unseres Platzes herankommt, ja regelrecht gesichtslos wirkt.

Über den malerischen Uferweg fahren wir weiter zum Naturschutzgebiet am nördlichen Ufer der Schleimündung. Das Gebiet ist von großer Bedeutung für die Vogelwelt und darf deshalb nur mit Führungen betreten werden. Die Schleimündung ist bedeutendes Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet für nordische Zugvögel, eine Galloway-Herde sorgt für ganzjährige Beweidung. Kaum zu fassen, wie dagegen die andere Seite der Schleimündung aussieht, mit einem Monster-Bauprojekt in Olpenitz. Wie ist es möglich, dass das Zubetonieren an der gegenüberliegenden Mündung genehmigt werden kann? Später mehr dazu!

In Maasholm werfen wir einen kurzen Blick auf den Yachthafen. In der Hauptstraße des Ortes reihen sich pittoreske Häuschen aneinander, ansonsten ist an diesem Ort aber der Hund verfroren (was möglicherweise aber auch an den derzeit fehlenden Touristen liegen mag) – selbst der kleine Tante-Emma Laden sowie die beiden Bäckereien haben geschlossen. So fahren wir zurück auf den Küstenweg und suchen uns ein schönes Plätzchen am Strand. Die Frühjahrssonne hat bereits Kraft, jedoch weht ein ziemlich kühles Lüftchen. Später fahren wir mit dem Wohnmobil ins ünfzehn Kilometer entfernte Kappeln, um einzukaufen. Der hiesige Edeka ist sehr gut sortiert, mit frischem Gemüse und Frischetheke.

21. April 2021- Pommerby

Wieder einmal darf ich meinen runden Geburtstag an einem besonders schönen Ort verbringen, zwar nicht in Costa Rica, wie vor zehn Jahren, dafür aber direkt an der Ostsee im eigenen Wohnmobil! Vor einigen Tagen hatten wir noch nicht davon zu hoffen gewagt, da in Deutschland gerade ein noch strengerer Lockdown beschlossen wurde. Camping in dieser Form, mit sehr viel Vorsicht, Teststrategie und klaren Hygieneregeln ist vollkommen unproblematisch und sicher – so viel steht für uns nach den Erfahrungen dieser Tage fest. Am Frühstückstisch werden erst einmal die Geschenke ausgepackt.

Heute soll noch einmal auf einer ausgedehnten Wanderung das wunderschöne Naturschutzgebiet Geltinger Birk intensiv zu Fuß erkundet werden. Am Strand schießen wir gerade ein paar Schnappschüsse vom Leuchtturm des Campingplatzes,  als plötzlich direkt vor unseren Füßen eine fette Kreuzkröte auftaucht. Sie hat sich offenbar aus dem benachbarten Feuchtgebiet verirrt. Kreuzkröten sind salztolerant und lieben vegetationsarme Gebiete mit lockeren Böden, daher sind sie typische Bewohner von Küstenlebensräumen. Aufgrund der schwindenden geeigneten Habitate ist sie eine mittlerweile bedrohte Spezies. Sie steht uns für eine kurze Foto-Session geduldig Modell. Das gesamte Gebiet strahlt soviel Ruhe aus – wir sind einmal mehr begeistert von der Gegend.

Unser Weg führt an der Nabu-Station vorbei und später über einen malerischen Damm, an dem aus dem Wasser tote Bäume herausragen. Sofort fühlen wir uns erinnert an die afrikanische Landschaft des Okavango-Deltas und insbesondere „Dead Tree Island“, wo wir in den letzten Jahren zwei Mal gewesen sind (vgl. unsere Afrika Reiseberichte)!

Eine Bank lädt zu einem ausgedehnten Picknick ein. Quer durch das Naturschutzgebiet schließen wir unsere tolle Runde von gut dreizehn Kilometern und gönnen uns am Wohnmobil einen Geburtstags-Kaffee mit einem Stückchen Kuchen.

Abends kocht Corinna mir ein eigens kreiertes „Wohnmobil-Dinner“, bei dem sich jedes bessere Restaurant strecken muss! Es gibt als Hauptgericht Galloway Rinderfilet mit Estragonsauce, dazu grünen Spargel an Süßkartoffel-Püree.

22. April 2021- Pommerby

Auch heute genießen wir die traumhafte Umgebung wieder in vollen Zügen. Zunächst umrunden wir mit dem Fahrrad das Birk, um in Gelting unseren vorgeschriebenen Corona-Schnelltest zu absolvieren. Vor dem zum Testzentrum umgebauten Bus steht eine kleine Warteschlange, die allerdings durch das freundliche Personal schnell abgearbeitet ist.

Später durchqueren wir den Birk auch noch einmal auf einer ausgedehnten Wanderung. Wir können von dieser tollen Landschaft einfach nicht genug bekommen, zumal wir am morgigen Tag leider schon wieder in Richtung Heimat aufbrechen müssen. Auch heute beobachten wir wieder zahlreiche Gänsesäger, die in der Gegend optimale Lebensbedingungen vorfinden.

Stellplatzbewertung Seehof

Ort: Pommerby

Koordinaten: 54.765284, 9.967894

Art des Stellplatzes: Campingplatz

Kosten: 21,– €

Verfügbar: Strom (3,– € p.d.), Dusche, Wasser, Entsorgung, WC

Nicht verfügbar: —

Bewertung Lage: 1

Bewertung Ruhe: 1

Bewertung Sanitäranlagen: 1-2

Mobilfunknetz: LTE

23. April 2021 – Von Pommerby nach Isernhagen

Da heute morgen allerbestes Wetter herrscht, wollen wir den größten Teil des Rückreisetages noch an der Ostsee verbringen. Nachdem wir unsere Rechnung auf dem Campingplatz beglichen haben, fahren wir auf die andere Seite der Schleimündung, um dort unser Wohnmobil zu parken. In Schönhagen befindet sich ein riesiger (und leerer) Parkplatz am Strand, das Abstellen von Wohnmobilen ist tagsüber dennoch nicht gestattet. Diese Diskriminierung für Wohnmobilfahrer ist vollkommen unverständlich – für ein nächtliches Abstellverbot hätten wir ja durchaus Verständnis! Im nördlichen Teil der Schlei-Region haben wir so etwas auch tatsächlich niemals erlebt. Also fahren wir ein Dorf weiter nach Olpenitz. Rund um das Hafenbecken entsteht gerade eine monströse Ferienhaussiedlung. Wir sind entsetzt: Vom naturverbundenen Charme der nördlichen Schleimündungs-Region ist hier gar nichts mehr zu sehen. Hunderte uniformer Ferienhäuser bestimmen das Bild. Für uns erschließt sich nicht, wer sich für eine solchen 0815-Immobilie von der Stange interessieren könnte, auch wenn die Lage natürlich außergewöhnlich ist.

Das gesamte Genehmigungsverfahren eines solchen Projektes erscheint aus ökologischer Sicht fragwürdig, zumal die Schleimündung, wie beschrieben, ein wichtiges Rückzugsgebiet für Vögel ist.

Wir fahren in Richtung Damp entlang des breiten, schönen Sandstrandes und bestellen in der Strandbar des Campingplatzes Dorotheenthal eine hervorragende Findenwerder Scholle. Apropos Campingplätze: Die meisten Campingplätze zwischen Olpenitz und Damp sind riesig und erscheinen auf den ersten Blick gesichtslos – für uns keine Alternative zu unserem liebgewonnenen Campingplatz Seehof, den wir sehr sicher in absehbarer Zeit wieder einmal ansteuern werden. Später erhaschen wir noch ein paar Sonnenstrahlen am Sandstrand, bevor wir unser Wohnmobil in Richtung Heimat steuern.

Damit endet unsere Kurzreise in Corona-Zeiten – eine Reise unter ungewöhnlichen Rahmenbedingungen, die wir in vollen Zügen genossen haben. Nach fast einem halben Jahr Reiseabstinenz, war das Gefühl, morgens wieder im Wohnmobil aufzuwachen, geweckt von Meeresrauschen und dem Geschrei der Möwen, einfach wieder überragend. Zu keiner Zeit hatten wir das Gefühl, einem Infektionsrisiko ausgesetzt zu sein, zumal sich das Leben auf dem Campingplatz ausschließlich draußen, mit Abstand und im eigenen Wohnmobil abspielt. Wir sind zwar tendenziell der Meinung, dass die Corona-Politik in Deutschland trotz kleinerer Ruckeleien in Ordnung ist und distanzieren uns ausdrücklich vehement von jeglichen unverbesserlichen „Querdenkern“ in diesem Land – dennoch würden wir uns eine differenziertere Betrachtungsweise von touristischen Outdoor-Angeboten seitens der Politik sehr wünschen.

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