Nordfriesland

Camping in Zeiten von Corona  – keine ganz neue Erfahrung für uns, dennoch wird uns der verschärfte Lockdown im April 2021 vor ganz neue Herausforderungen stellen. Dazu kommt, dass ich während unserer Zeit arbeiten muss, was bedeutet, dass wir Stellplätze finden müssen, in der eine gute Internet-Verbindung besteht. Wir haben uns kurzfristig entschlossen, nach Schleswig-Holstein zu fahren, da hier in vier Regionen ein Modellprojekt zur Öffnung von Beherbergungsbetrieben und Gastronomie in Zeiten der Corona-Pandemie nach strengen Kriterien startet. Unter anderem hat auch die Schlei-Region den Zuschlag erhalten, neue Erkenntnisse zum touristischen Leben in Einklang mit der Pandemie zu liefern. Tatsächlich ist der nördliche Teil Schleswig-Holsteins zum Zeitpunkt unserer Tour die einzige Region in ganz Deutschland, in der innerhalb der „dritten Welle“ ein Inzidenzwert von 50 unterschritten wird.

Die ersten Tage während der Anfahrt wollen wir allerdings zunächst an der nordfrisieschen Norseeküste verbringen.

15. April 2021 – Von Isernhagen nach Amelinghausen

Bei der Vorbereitung unserer Reise orientieren wir uns an der Facebook-Gruppe „Offene Stellplätze zu Corona-Zeiten“, werden jedoch schnell feststellen, dass die Angaben zu den dort genannten offenen Plätzen in den seltensten Fällen aktuell und somit zumeist unbrauchbar sind. Bereits an unserem ersten Ziel während unserer Anreise an die nordfriesische Nordseeküste, dem Wohnmobilstellplatz am Lopausee in Amelinghausen prangt an der Zufahrt ein Schild der Gemeinde, dass der Wohnmobilstellplatz bis auf Weiteres gesperrt sei.

Das hält uns allerdings keinesfalls davon ab, ausgehend von der Kronsberg Heide eine Runde durch die schöne Landschaft zu drehen. Sicher strahlt dieser Ort zur Heideblüte einen ganz besonderen Charme aus, und wir nehmen uns vor, die Gegend im Spätsommer nochmals zu erkunden.

Wir kommen an einem Heide-Bauernhof vorbei und beobachten eine Weile das Treiben der Heidschnucken und deren niedlicher Lämmer. Später durchqueren wir einen verwunschenen Mischwald – der Waldboden ist dick mit Moos bedeckt.

Unser Ziel ist das Marxener Paradies, ein Teich inmitten einer kleinen Talsenke. Der Ort strahlt eine himmlische Ruhe aus, und wir verweilen eine Zeit lang auf einer Bank am Ufer und lauschen der Stille.

Wir haben für heute Abend ein Wohnmobil-Dinner im Grätsch´s Gasthaus Niedersachsen in Amelinghausen bestellt. Da noch etwas Zeit ist, beschließen wir, eine Runde um den Lopausee zu drehen. Am Restaurant Seestübchen befindet sich ein kleiner öffentlicher Parkplatz, der wie geschaffen zu sein scheint, die heutige Nacht hier zu verbringen: Himmlisch ruhig gelegen, direkt am Seeufer und vor allem ohne Verbotsschilder für Wohnmobile.

Wir beobachten ein Kanadagans-Pärchen, das keinerlei Berührungsängste hat und sich bedenkenlos uns nähert. Natürlich ist dieses Verhalten domestiziert, denn die Gänse haben gelernt, dass Spaziergänger häufig Futter mit sich führen. Da wir wissen, wie schädlich trockene Brotreste für Wasservögel sind, ist bei uns für sie heute nichts zu holen.

Das Wohnmobil-Dinner ist für uns eine echte Premiere und direkt ein Volltreffer. Als einzige Gäste werden wir zuvorkommend bedient, und die Gerichte sind hervorragend zubereitet. Wir ordern einen hausgebeizten Lammrücken an Rübentartar als Vorspeise, gefolgt von einem Karree vom Duroc-Schwein bzw. einer Rinderroulade mit grünem Spargel-Kirschtomaten Gemüse. Der begleitende Spätburgunder vom Weingut Krughof weiß uns ebenfalls zu überzeugen.

Stellplatzbewertung Restaurant Seestübchen

Ort: Amelinghausen

Koordinaten: 53.130625, 10.230501

Art des Stellplatzes: Öffentlicher Parkplatz

Kosten: frei

Nicht verfügbar: Strom, Dusche, Wasser, Entsorgung, WC

Bewertung Lage: 1

Bewertung Ruhe: 1

Bewertung Sanitäranlagen: —

Mobilfunknetz: LTE

16. April 2021- Von Amelinghausen über Meldorf zu den Lundener Niederungen

Der kleine Parkplatz am Lopausee, den wir uns zum Übernachten ausgesucht haben, erweist sich als Glücksgriff, super ruhig, morgens weckt uns das Vogelgezwitscher und der Sonnenaufgang über dem See.

Nach dem Frühstück kaufen wir zunächst in dem gut sortierten Bio-Hofladen von Amelinghausen hausgemachten Käse, Brot, frische Eier und Gemüse und fahren dann zunächst zum naheliegenden Wohnmobilstellplatz Westergellersen, wo wir unsere WC-Kassette entsorgen wollen. Der freundliche Platzwart will kein Geld dafür haben und erklärt, dass der Platz die ganze Corona-Zeit geöffnet war. WC, Duschen, Strom, Ver- und Entsorgung ist verfügbar – wir sind einen Moment lang geneigt, eine Nacht auf diesem freundlichen Platz zu verweilen, doch entscheiden uns schließlich, wie geplant unseren Weg an die Nordsee fortzusetzen.

Wir steuern den Wohnmobilstellplatz Meldorf direkt hinter dem Deich an. Leider sind in der ganzen Gegend Übernachtungen auf Wohnmobilstellplätzen untersagt, jedoch können wir zumindest tagsüber auf dem netten Platz gegen eine Parkgebühr von 5,– € stehen. An einem Imbisstand kaufen wir zünftig Backfisch mit Chips und genießen unser Mahl im Windschutz unseres Wohnmobils.

Auf den Salzwiesen um uns herum, die unzugängliche Naturschutzgebiete sind, tummeln sich unzählige Limikolen wie Austernfischer, Säbelschnäbler, Kiebitze, Uferschnepfen, ein Paradies für Vogelfreunde wie uns! Viele von ihnen sind mit Paarungsaktivitäten beschäftigt, wie die Austernfischer, die ein aufgeregtes Balztänzchen aufführen. Auch sind die unterschiedlichsten Gänse- und Entenarten zu entdecken, überwiegend aber Nonnengänse sowie große Scharen von Ringelgänsen, die an der Nordsee überwintert haben und in Kürze zum Paaren zurück nach Sibirien aufbrechen werden.

Mit dem Fahrrad fahren wir entlang des Deiches in Richtung Büsum, natürlich unterbrochen von zahlreichen Foto-Stopps! Auf dem Deich wärmen sich niedliche kleine Lämmchen in der strahlenden Sonne auf.

Büsum selbst haut uns jetzt nicht gerade vom Hocker, in den derzeitigen Corona-Zeiten ist es jedoch geradezu eine Weltsensation, dass in der Fußgängerzone geschäftiges Treiben herrscht und alle Läden geöffnet haben. Vor dem schönen alten Rathaus gönnen wir uns ein leckeres Eis und beobachten das bunte Treiben der Kinder, die sich im Brunnen gegenseitig mit Wasser bespritzen. Nach einem kleinen Abstecher zum Leuchtturm und zum Hafen, wo zahlreiche Boote Tagesfahrten nach Helgoland anbieten, machen wir uns auf den Rückweg.

Schnell sind unsere Räder auf dem Gepäckträger verstaut, und es beginnt erneut die Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz. An der Küste selbst ist das Unterfangen hoffnungslos – es wird scharf kontrolliert und Zuwiderhandlungen gegen die Verbotsschilder werden mit hohen Geldstrafen belegt. Also wenden wir uns dem Inland zu und steuern das Multimar Wattforum in Tönning an, jedoch ist der ansonsten sehr gut geeignete Parkplatz uns viel zu nah an der B 5 und somit zu laut. Am Rande des Naturschutzgebietes Lundener Niederung finden wir einen richtig charmanten Platz, der gerade mal groß genug ist für unser Wohnmobil. Hier werden wir sicher eine ruhige (und legale) Nacht verbringen können. In diesen Zeiten sind wir besonders froh darüber, dass wir unser Wohnmobil vor einigen Wochen mit zwei Lithium Batterien aufgerüstet haben, was das autarke Stehen deutlich vereinfacht. Demnächst folgt dann auch noch der Einbau einer Trenn-Trockentoilette, und damit hat dann auch die Suche nach einer Entsorgungsstation endlich ein Ende (wir werden auf unserer Website darüber berichten)!

Zum Abendessen gibt es leckere frische Nordseekrabben mit Rührei und Schwarzbrot! Wie wir den Genuss der jeweiligen kulinarischen Spezialitäten unserer Ziele doch immer wieder schätzen.

Stellplatzbewertung Lundener Niederung

Ort: Lunden

Koordinaten: 54.308001, 9.067916

Art des Stellplatzes: Öffentlicher Parkplatz

Kosten: frei

Nicht verfügbar: Strom, Dusche, Wasser, Entsorgung, WC

Bewertung Lage: 2-3

Bewertung Ruhe: 1-2

Bewertung Sanitäranlagen: —

Mobilfunknetz: LTE

17. April 2021- Von den Lundener Niederungen zum Amsinck-Haus (Hallig Hamburg)

Heute verschlägt es uns zur nahen Hallig Hamburg, die über einen kleinen Damm mit dem Festland verbunden ist. Unser Wohnmobil parken wir auf dem Stellplatz am Amsinck-Haus, wo wir erneut zur Kenntnis nehmen müssen, dass auch dieser Platz seit zwei Tagen für Übernachtungen geschlossen worden ist. Immerhin darf man hier bis 20 Uhr kostenlos parken.

Schnurstracks führt der Weg vom Amsinck-Haus durch die verlandete Wattlandschaft, vorbei am Nabu-Zentrum Schafsberg, in Richtung Hallig Hamburg. Wir beobachten Rotschenkel, die im Schlick nach allerlei Getier picken. Die Hallig verfügt sogar über einen Badestrand, ein Bad in der Nordsee ist indes nur bei Flut möglich und derzeit sicher auch viel zu kalt. Eine ganze Weile schauen wir auf das leergelaufene Watt – am Horizont sind vereinzelte Halligen auszumachen.

Da seit einigen Tagen die Außengastronomie in Schleswig-Holstein aufgrund der niedrigen Inzidenz öffnen durfte, steuern wir die einladend wirkende Gaststätte Hallig-Krog zum Mittagessen an. Der Hausklassiker sind die hervorragenden Lamm-Frikadellen mit Estragon-Senf und Bratkartoffeln. Als dann noch der Chef de Cuisine höchstpersönlich die Gäste fragt, ob es gemundet habe, fühlen wir uns wie in einem vornehmen Sterne-Restaurant! Es ist ein Genuss, nach einem halben Jahr „Entzug“ endlich wieder einmal in ein Restaurant gehen zu dürfen! Über den Damm fahren wir zurück zum Parkplatz am Amsinck-Haus.

Am Wohnmobil setzen wir uns  in die zumindest im Windschatten angenehm warme Sonne. Am Nachmittag unternehmen wir eine weitere Fahrradtour mit ornithologischem Schwerpunkt. Der benachbarte Beltringharder Koog ist Naturschutzgebiet und ein wichtiger Rastplatz für Wattenmeer Vögel bei Hochwasser. Wir kommen gerade recht zu einem wahren Spektakel: Ein Seeadler scheucht in der Salzwasserlagune Tausende von Nonnengänsen auf, die den Himmel unmittelbar vor einem Windpark schwarz einfärben.

Später entdecken wir noch einen Steinschmätzer, eine mittlerweile nicht gerade alltägliche Sichtung. Mit der Flut sind am Nachmittag alle Wolken verzogen und die Sonne verwöhnt uns mit frühlingshafter Wärme.

Es ist Zeit, sich um einen Schlafplatz für die Nacht zu bemühen. Jeder Parkplatz in Küstennähe ist auch hier ausgestattet mit Verbotsschildern für Übernachtungen. Der Betreiber des Amsinck-Hauses hat uns morgens bereits gewarnt, dass scharf kontrolliert und ein Verstoß mit 130,– € pro Person geahndet werde! Bereits morgens haben wir uns einen lauschigen Waldparkplatz in der Bordelumer Heide ausgeguckt, der Parkplatz des Tennisclubs TC Bredstedt direkt neben der Diskothek Blaue Eule (die natürlich glücklicherweise ebenfalls Corona-bedingt geschlossen ist).

Zum heutigen Dinner gibt es Matjes aus Büsum mit Bratkartoffeln, dazu einen Spätburgunder eines unserer jüngsten Winzer-Entdeckungen, dem Weingut Aufricht vom Bodensee.

Stellplatzbewertung TC Bredstedt

Ort: Bredstedt (Bordelumer Heide)

Koordinaten: 54.641851, 8.981194

Art des Stellplatzes: Öffentlicher Parkplatz

Kosten: frei

Nicht verfügbar: Strom, Dusche, Wasser, Entsorgung, WC

Bewertung Lage: 2

Bewertung Ruhe: 1-2

Bewertung Sanitäranlagen: —

Mobilfunknetz: LTE

18. April 2021- Vom Amsinck-Haus (Hallig Hamburg) zur Schlei

Die Nacht auf dem Parkplatz war sehr ruhig. Zum Frühstück steuern wir erneut den Stellplatz am Amsinck-Haus an. Unser heutiges Ziel ist der Leuchtturm Westerheversand auf der Halbinsel Eiderstedt, der als der bekannteste und meist-fotografierte Leuchtturm Deutschlands gilt.

Zunächst statten wir jedoch dem Hofladen Baumbach auf der Halbinsel Nordstrand einen Besuch ab. Der Laden ist ein Eldorado für kulinarisch Interessierte: Es gibt frisches Lamm- und Galloway-Fleisch in allen Variationen, außerdem Schafs- und Ziegenkäse, so dass wir uns ausgiebig eindecken. Wer mag kann auch noch in der ersten Etage Schafwollprodukte shoppen, ein allerdings nicht gerade preisgünstiges Vergnügen!

Nachdem wir Husum passiert haben, stellen wir unser Wohnmobil an einer der wenigen Parkplätzen am Deich der Halbinsel Eiderstedt ab und fahren wir mit den Fahrrädern auf dem gut befahrbaren Weg hinter dem Deich zum Leuchtturm. Der Leuchtturm wurde in den siebziger Jahren durch die Jever Werbung bekannt (…wie das Land, so das Jever…), obwohl sich die niedersächsische und ostfriesische Brauerei dabei eines Motivs aus Nordfriesland und Schleswig-Holstein bemächtigt hat und dafür berechtigter Weise allseitige Kritik erntete! Tatsächlich ist der rot-weiß gestreifte Leuchtturm mit seinen zwei Zwillingsgebäuden ein wahres Schmuckstück und strahlt einen ganz besonderen Nordsee-Charme aus, dem man sich kaum entziehen kann.

Dass wissen natürlich nicht nur wir, so dass wir auf dem einzig geöffneten Weg zum Leichtturm eine Vielzahl an Spaziergängern überholen. Das unmittelbare Gelände rund um den Leuchtturm darf Corona-bedingt nicht betreten werden.

Nach einem ausgiebigen Foto-Shooting (die Lichtverhältnisse sind mittags leider nicht gerade optimal), setzen wir unseren Weg fort zum Landcafé Éclaire in der Nähe der Tümlauer Koog fort. Dort gibt es sensationell guten hausgemachten Kuchen und riesige Stücken, die wir zusammen mit einer Tasse Kaffee im lauschigen Garten des Cafés ausgiebig genießen.

Der Rückweg ist mit Hindernissen versehen: Wir haben nicht nur durchgängig Gegenwind, auch fahre ich mir das Hinterrad meines Fahrrades platt. Wir entscheiden, dass ich mit Corinnas Fahrrad zurückfahre, um das Wohnmobil zu holen, während Corinna mein defektes Fahrrad zur nächstgelegenen Kreuzung schiebt. Unterwegs sichte ich noch Lämmchen mit dem „Branding“ meines Herzensfußballvereins (… selbst in diesen sportlich schwierigen Zeiten muss man schließlich zu seinem Club stehen!), was mich selbstverständlich zu einem kurzen Foto-Stopp zwingt.

Nachdem wir unsere Fahrräder auf dem Gepäckträger verstaut haben, begeben wir uns auf die Fahrt in Richtung Ostsee.

Fortsetzung in Kürze!

Galerie

One Comment

  • Barbara v. Larisch

    Liebe Corinna, lieber Wolfram, dank Euch, dass Ihr mich wieder teilhaben lasst an Euren wunderschönen Reiseberichten. Ich habe gerade Schlei und Nordfriesland gelesen und bin begeistert, ganz besonders von den Bildern!

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