Hainich Nationalpark

Der Wohnmobilplatz zu Füßen der Burg ist nicht sehr gemütlich, so dass wir beschließen, direkt unser nächstes Etappenziel anzusteuern. Den nahen Nationalpark Hainich wollten wir schon immer einmal durchwandern – er gilt als der einzige „Urwald“ Deutschlands. Hier soll der Besucher die Kraft der Natur hautnah spüren können, das Ringen der Bäume um Licht, Wasser und Nährstoffe. Die natürlich ökologischen Prozesse können im Hainich ungestört ablaufen, und die Natur wird überall sich selbst überlassen.

Wir buchen uns ein auf dem Campingplatz „Am Tor zum Hainich“ in Weberstedt, ein gepflegter Platz auf einer ausgedehnten Wiese mit ganz viel Platz für jeden Camper. Den Abend verbringen wir am Wohnmobil und kochen leckere Spaghetti Bolognese.

25. Juni 2020 – Hainich Nationalpark

Der Morgen ist etwas verregnet, so dass wir es langsam angehen lassen. Das Wetter soll im Laufe des Tages immer besser werden – das wäre auch wünschenswert für unsere geplante Radtour um den Hainich Nationalpark. Direkt hinter dem Campingplatz kommt man auf die bestens ausgeschilderte 25 Kilometer lange Runde. Wir empfehlen, die Tour unbedingt gegen den Uhrzeigersinn zu fahren, dann erspart man sich heftige Anstiege mit 10 % Steigung und mehr (wir gehören ja noch immer zur aussterbenden sportlichen Biker-Fraktion ohne E-Antrieb).

Zunächst einmal geht es ohne nennenswerte Steigung zum Eingang in den Nationalpark bei der Fuchsfarm. Unterwegs kosten wir köstliche Kirschen am Wegesrand. 

Einen ersten eindrucksvollen Eindruck von der unberührten Natur des Hainich erhalten wir bei einem kurzen Abstecher zum Hünenteich. Ein ohrenbetäubendes Froschkonzert begleitet unseren Erkundungsgang rund um den urwüchsigen Teich.

Ab dem Wildkatzenkinderwald geht es dann kilometerlang bergauf, allerdings zumeist mit moderatem Anstieg. Unterwegs sichten wir unzählige Vögel, Highlight auf einer weitläufigen Ebene sind jagende männliche Neuntöter, die immer wieder auf ihre Warten zurückfliegen und in die Ebene spähen, um große Insekten zu jagen. Wie bei anderen Würgern ebenfalls zu beobachten, spießt der Neuntöter überschüssige Beute wir Hummeln, Heuschrecken und sogar kleinere Nagetiere als Vorrat auf Dornen auf, um sie später zu verspeisen.

Wir fahren durch einen wunderschönen Buchen-Urwald, das Markenzeichen des Hainich. Ursprünglich war Deutschland von Buchenwäldern dominiert, jedoch wurden die Baumbestände im Laufe der Jahrhunderte immer weiter zurückgedrängt und machen mittlerweile nur noch 5 % der deutschen Gesamtfläche aus. Aus diesem Grund wurde 2011 der Hainich mit der Auszeichnung Unesco Weltnaturerbe ausgezeichnet. Zusammen mit Flächen in den Karpaten besitzt der Hainich den größten verbleibenen Bestand eines Buchen-Urwaldes. Wenn man sich diesen winzigen restlichen Bestand an natürlicher Waldfläche in unserem Land vor Augen führt, müsste man Deutschland fast das Recht absprechen, angesichts der schonungslosen Abholzung des Regenwaldes des unsäglichen brasilianischen Diktators Bolsonaro auch nur den Finger zu erheben – die Ausbeutung der Naturressourcen ist in Deutschland nur sehr viel früher fast vollständig erfolgt!

Bei der Hainich-Baude am Craulaer Kreuz machen wir unsere Mittagspause. Man könnte meinen, wir hätten bereits eine bayerische Alm erreicht – aus den Lautsprechern erklingt Blasmusik und die Bedienung steckt in Lederhosen und zünftigen Trachten. Auf der Terrasse genießen wir leckere Linsensuppe mit Bockwurst sowie „Handkäs mit Musik“.

Von der Hainich Baude geht es über eine Hochebene anschließend mehr oder weniger nur noch bergab bis zu unserem nächsten Ziel, dem Baumkronenpfad, ein 540 Meter langer Weg, der auf 10 Meter Höhe beginnt und bis auf 24 Meter in die Kronen des Waldes ansteigt (Eintritt 7 €). Man erhält eine ganz andere Perspektive von der Urwüchsigkeit des Buchen-Urwaldes und die sich im Wind wiegenden Baumwipfel.

Für Kinder sind abenteuerliche, aber natürlich sichere Klettermöglichkeiten in schwindelerregender Höhe möglich. Auf Tafeln wird der Wald erklärt, so dass auch Kinder auf spielerische Weise lernen können, wie wichtig der Wald für den Menschen ist. Ganz plakativ kann zum Beispiel erfahren werden: „Wie viele Jahre muss sich die Buche strecken, um eines Menschen täglich Luft-Bedarf zu decken? Die Antwort lautet … hättet ihr es gewusst? 100 Jahre!!! Ein anschauliches Bild dafür, wie notwendig der bedingungslose Schutz unserer Wälder ist.

Zurück am Campingplatz genießen wir die himmlische Ruhe und die Abendsonne, bevor der Grill für die leckeren hausgemachten Bratwürste aus dem Teichhof in Grandenborn angeschmissen wird. Wir stellen fest, das sind so ziemlich die besten Bratwürste unseres Lebens!

Stellplatzbewertung Campingplatz „Am Tor zum Hainich“

Ort: Weberstedt

Art des Stellplatzes: Campingplatz

Kosten: 20,– € mit ASCI

Verfügbar: Strom, Wasser, Dusche, WC, Entsorgung

Bewertung Lage: 1

Bewertung Ruhe: 1

Bewertung Sanitäranlagen: 1

Mobilfunknetz: E – 3G

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