Spreewald

Leipen im Spreewald, unser heutiges Ziel, ist nun nicht mehr weit, jedoch stoppen wir unterwegs zunächst noch beim Campingplatz in Lübben, um unsere Ver- und Entsorgung zu erledigen (die dafür verlangten 10,– € sind unverschämt!!!) und später an der Slawenburg in Raddusch. Sie ist eine äußerlich weitgehend originalgetreue Nachbildung einer slawischen Fliehburg aus dem 9./10. Jahrhundert und ist ausschließlich aus Holz, Erde, Sand und Lehm errichtet worden. In dem integrierten Museum unter dem Wall wird die Geschichte der Slawen veranschaulicht. Das Café hat indes aufgrund der Cornoa-Pandemie nicht geöffnet.

Neben der Slawenburg kann man auf einem sehr ruhig und nett gelegenen Womo-Stellplatz  nächtigen (allerdings ohne jegliche Einrichtungen), wir haben jedoch andere Pläne, denn unser Ziel ist die Pension Reusenstübchen in Leipe, im Herzen des Spreewaldes. Dort haben wir einen Stellplatz reserviert und das ist, wie sich herausstellt, auch gut so, denn alle sechs verfügbaren Plätze sind am Wochenende ausgebucht – die Tage danach stehen wir allerdings mutteseelenalleine auf dem Platz! Erstaunlicherweise ist der Womo-Stellplatz fast nirgendwo verzeichnet, man kann aber über die Website der Pension direkt Reservierungen vornehmen.

Interessant ist, dass nahezu alle Ortsschilder in der Spreewaldgegend zweisprachig gehalten sind. Hier leben noch rund 60.000 Sorben, ein Volksstamm, der ursprünglich das Gebiet zwischen den Flüssen Oder und Dnepr bewohnte, sich im Zuge der großen Völkerwanderung im 6. Jahrhundert aber auch im Spreewald angesiedelt hat. Die Sprache der Sorben, auch „Wenden“ genannt, ist dem Polnischen bzw. in anderen Teilen des Landes dem Tschechischen ähnlich.

Wir checken ein und die freundliche Besitzerin Christel erklärt uns, dass im benachbarten Hotel Spreewaldhof gegen Gebühr auch Duschen und WC benutzt werden können (3,– € p.P. und Tag).

Während des Einrichtens kommen wir mit einem Camper aus Halle ins Gespräch, der mit seinem herausgeputzten und vollrestaurierten Trabi samt DDR-Wohnwagen, einem Qek-Junior“, unterwegs ist. Kaum zu glauben, dass ein Trabi überhaupt einen Wohnwagen ziehen kann, aber der Inhaber versichert uns voller Stolz, dass dies überhaupt kein Problem sei.

Am Abend laben wir uns an den ersten selbst gesammelten Waldpilzen unseres Lebens und sind begeistert. Das Pilzragout mit Pasta ist ein absoluter kulinarischer Hochgenuss, dazu ein edler Vacqueyras Rotwein aus der Provence, ein Mitbringsel unserer Wohnmobil-Tour 2019 – so klingt unser erlebnisreicher Tag stilvoll aus! Zur Einstimmung auf den morgigen Tag gibt es noch vor dem Zubettgehen ein Video … natürlich, einen Spreewaldkrimi mit einer Moorleiche!

25. Oktober 2020 – Spreewald

Wir haben bei Christel ein Zweier-Kajak gemietet (15,– €/Tag), mit dem wir auf die allerbeste Weise den Spreewald erkunden wollen – nämlich vom Wasser aus. Der Spreewald ist ein ausgedehntes Niederungsgebiet mit seiner Hauptwasserader, der Spree. Seinen Ursprung haben die verzweigten Wasseradern in der Eiszeit durch strömendes Schmelzwasser. Gemeinsam mit angelegten Kanälen haben sie aus der Region eine ausgedehnte Auen- und Moorlandschaft geformt, die für den Naturschutz von großer Bedeutung ist. Fast 300 Kilometer umfassen die Wasserstraßen des Spreewaldes, und einen kleinen Teil davon wollen wir heute in einer rund 20 Kilometer langen Runde befahren. Das Boot kann man direkt vom Grundstück der Pension aus ins Wasser lassen.

Die Landschaft ist genauso, wie wir sie uns vorgestellt haben, wobei unsere Vorstellungskraft sicher durch die Spreewald-Krimis geprägt ist. Wir bewegen uns mit unserem Kajak fast lautlos durch unberührte Buchen- und Eichenwälder, die sich auf der glatten Wasseroberfläche spiegeln.

Der Verkehr durch andere Paddlern hält sich in Grenzen, obwohl heute Sonntag ist. Unterwegs stoßen wir auf eine Nutria-Familie mit fünf süßen Jungtieren. Sie lassen sich durch uns überhaupt nicht stören – wahrscheinlich sind sie an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt und haben gelernt, dass von ihnen keine Gefahr ausgeht. Auf den Wasserläufen können kleine Staustufen mittels Selbstbedienungsschleusen überwunden werden – auf diese Art und Weise kommt man darum herum, die Kajaks um die Schleuse auf dem Landweg herum zu tragen.

In dem Kult-Restaurant Wotschowska, einem der ältesten Gasthäuser des Spreewaldes, das auch in dem gestrigen Krimi eine wesentliche Rolle spielte, machen wir eine Mittagspause. Der große Biergarten ist überfüllt, nicht nur von Kanuwanderern, sondern auch von Sonntagsausflüglern aus der Umgebung, die das schöne Wetter ausnutzen. Die Gerichte sind ok, mehr aber auch nicht – was soll man bei dieser „Massenabfertigung“ auch schon anderes erwarten.

Nach rund vier Stunden Paddelzeit und absolvierten zwanzig Kilometern erreichen wir wieder unseren Ausgangspunkt in Leipe. Die Wasserwege sind übrigens sehr gut ausgeschildert, ansonsten könnte man sich ohne Handy in dem Wirrwarr an Kanälen sehr leicht verirren!

26. Oktober 2020 –Spreewald

Heute wählen wir ein anderes Fortbewegungsmittel zur Erkundung des Spreewaldes, das Fahrrad. Zunächst einmal radeln wir durch eine liebliche Auenlandschaft in Richtung Burg, wo wir an einem Marktstand Spreewaldgurken, die wohl bekannteste kulinarische Spezialität der Region, erwerben – das darf natürlich bei einem Besuch des Spreewaldes nicht fehlen! Am Wegesrand liegt der wenig spektakuläre Bismarckturm, eines der zahlreichen deutschen Denkmäler für den Reichskanzler aus dem 19. Jahrhundert.

Ein Radwanderweg knickt hier ab nach Willischza, einer kleinen Streusiedlung mit zahlreichen Ferienhäusern in idyllischer Umgebung. Auch einen kleinen Badesee gibt es sowie den 2019 eröffnete Koigarten, ein Garten nach asiatischer Tradition errichtet. Im Teehaus kann man mit Blick auf den Teich wunderbar eine Pause einlegen. Beim Anblick dieser Fische können wir es einfach nicht verstehen, wie sich Menschen für diese eher unförmigen Tiere begeistern können und horrende Summen für besonders interessante Farbgebungen zahlen. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass Karpfen zu den ganz wenigen Fische gehören, die wir absolut nicht essen mögen!

Unser Weg führt uns weiter zum Nordumfluter, einem zu Beginn des 20. Jahrhunderts künstlich angelegten Kanal. Unterwegs sichten wir am Deichrand den wohl größten Parasol-Pilz, den wir je gesehen haben, mindestens 5-6 erwachsene Hände groß!

Bei der Kannomühle dringen wir dann vor in den tiefen Spreewald. Über den Fontaneweg folgen wir dem Verlauf des Nordfließ. Was wäre ein Fontaneweg ohne einen entsprechenden Rastplatz, wo dem berühmten deutschen Namensgeber möglicherweise folgender Vers eingefallen sein mag, der auf der Gedenktafel geschrieben steht:

„Und das dem Netze dieser Spreekanäle, nichts von dem Zauber von Venedig fehlt. Durchfurcht das endlos wirre Flußrevier, mit seinem Kahn der Spreewaldgondolier.“ (Theodor Fontane)

Auf dem Landweg erschließt sich die Perspektive auf die einmalige Landschaft noch einmal ganz anders, auch wenn das Fotolicht heute leider nicht annähernd so gute Resultate verspricht wie gestern.

Wir folgen dem lauschigen Pfad bis zu Fontanes Einkehr-Kleinod, dem Gasthof „Zur Eiche“, der heutzutage allerdings seinen reizvollen Charme von damals eingebüßt zu haben scheint.

Nach weiteren fünf Kilometern schließt sich der Kreis einer einmalig abwechslungsreichen Fahrradtour. Die meisten Routen sind im Spreewald ausgezeichnet ausgebaut, aber in jedem Fall sollte man einen Abstecher auf unwegsamen Terrain entlang der Kanäle keinesfalls auslassen.

Stellplatzbewertung Womo-Stellplatz Pension Reusenstübchen

Ort: Leipe

Art des Stellplatzes: Womo-Stellplatz

Kosten: 10,– €

Verfügbar: Strom (gegen Gebühr 3,– €), Wasser, Dusche und WC (gegen Gebühr, 3,– € p.P./Tag im „Waschhaus“ des benachbarten Hotel)

Nicht verfügbar: Entsorgung

Bewertung Lage: 1-2

Bewertung Ruhe: 1

Bewertung Sanitäranlagen (extern): 2

Mobilfunknetz: LTE

Galerie

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