Seenland Oder

27. Oktober 2020 – Vom Spreewald zum Schlaubetal

Am Morgen verabschieden wir uns vom Spreewald – dieses Landschaftsjuwel werden wir sicher nicht das letzte Mal besucht haben! Unser heutiges Ziel ist das Schlaubetal, rund siebzig Kilometer vom Spreewald entfernt, fast an der polnischen Grenze. Unterwegs in Beeskow kaufen wir noch ein paar Lebensmittel ein und steuern dann auf direktem Weg den Naturcampingplatz Schlaubetal am Großen Treppelsee an. Der Stellplatz liegt traumhaft schön, direkt am See, und das Beste ist, wir sind die einzigen Gäste! Die Saison endet hier endgültig Ende Oktober.

Sogleich brechen wir auf zu einer Wanderung rund um den See. Das Seenland Oder besteht aus rund 300 Seen, häufig sind sie miteinander durch kleine Bachläufe verbunden. Genauso ist es auch im Schlaubetal. Vom gegenüberliegenden Ufer des Treppelsees wird die außergewöhnliche und einsame Lage unseres Wohnmobil-Plätzchens deutlich.

Wir durchwandern einen naturbelassenen Buchen- und Traubeneichenwald entlang des Schlaubetals, das als das schönste Bachtal Brandenburgs gilt. Das Flüsschen Schlaube durchfließt auf ihrem lediglich zwanzig Kilometer langen Lauf kleine Schluchten, diverse Seen und Teiche. Wir befinden uns im Reich des Bibers, der hier sein „Unwesen“ treibt, und so manch mächtige Eiche ist dem fleißigen und nachtaktiven Gesellen bereits zum Opfer gefallen. Die Spuren am Fuß der Bäume zeugen von der großen Aktivität des Nagers, der das Bild der Landschaft dadurch entscheidend mit beeinflusst.

Im Forsthaus Siehdichum, das bereits einen See weiter, dem Hammersee, liegt, trinken wir Kaffee, dazu gibt´s ein Stückchen Kuchen.

Auch der Rückweg führt uns an diversen Seen vorbei, es ist insgesamt eine abwechslungs- und aussichtsreiche Runde, insbesondere durch die Färbung des herbstlichen Waldes. Soeben geht die Sonne über dem See unter als wir zurück zu unserem Wohnmobil kommen.

28. Oktober 2020 – Schlaubetal

Das Wetter ist wechselhaft und so warten wir morgens noch ein bisschen ab, bevor wir uns auf unsere Räder schwingen. Der Schlaubetal-Weg ist eigentlich ein Wanderweg, aber einfach traumhaft schön, und so nehmen wir mit unseren Tourenrädern das unwegsame Gelände und mühsame Steigungen auf geschlossenem Blätteruntergrund in Kauf. Ein BMX-Rad wäre auf diesem Terrain definitiv das bessere Gefährt. Bis zur Schlaubermühle führt der Pfad entlang des Verlaufs der Schlaube.

Über Chossewitz und Dammendorf radeln wir nunmehr auf einer bestens geteerten und nahezu autofreien Piste erneut in Richtung Forsthaus Siehdichum, so ziemlich die einzige Möglichkeit weit und breit, derzeit etwas zu essen bekommen!

Über den Teil des Schlaubetal-Wanderweges, auf dem wir gestern bereits zu Fuß unterwegs gewesen sind, gelangen wir zurück zu unserem Wohnmobil. Heute Abend kochen wir mal wieder unsere „berühmte“ Bolognese-Soße – mit tiefgefrorenem Wagyu-Hackfleisch von unserer diesjährigen Womo-Tour nach Rügen.

Heute hat die Bundesregierung mit Zustimmung aller Länder weitere Restriktionen aufgrund der in Deutschland explodierenden Corona-Infektionen beschlossen. Die zweite Welle rollt auf das Land mit voller Wucht zu, und so wurde ein zweiter Lock-Down für die Gastronomie und Beherbergungseinrichtungen ab 2. November beschlossen. 

Das bedeutet, dass wir unsere Reise zwei Tage früher als ursprünglich geplant beenden müssen. Für uns ist das natürlich ärgerlich, denn sicherer als in unserem Wohnmobil und auf unseren Touren durch die Natur kann es zu Hause kaum sein! Dennoch haben wir natürlich größtes Verständnis für die Entscheidung, da die Zahl der Neuinfektionen mittlerweile bei nahezu 15.000 pro Tag liegt, was gleichbedeutend ist mit einer Verdoppelung innerhalb einer Woche. Irgendetwas musste nun passieren, um die Lage in den Griff zu bekommen!

Stellplatzbewertung Natur-Campingplatz Schlaubetal

Ort: Großer Treppelsee

Art des Stellplatzes: Campingplatz

Kosten: 19,50 €

Verfügbar: Strom, Wasser, Dusche, WC, Entsorgung

Nicht verfügbar: –

Bewertung Lage: 1+

Bewertung Ruhe: 1-2

Bewertung Sanitäranlagen: 2-3

Mobilfunknetz: kein Netz (auch nicht Telefon!)

29. Oktober 2020 – Vom Schlaubetal zum Kloster Chorin

Wir ziehen weiter, nicht jedoch ohne uns noch das nahe Kloster in Neuzelle, eine der wenigen noch vollständig erhaltenen Klosteranlagen Europas, anzuschauen. Eine Allee führt an der Klosterbrauerei und dem idyllischen Klosterteich entlang zur imposanten Kirche. Das bereits im 13. Jahrhundert gegründete Zisterzienserkloster, errichtet in spätgotischem Baustil, erfuhr ab 1650 eine barocke Umgestaltung und ist vollgestopft mit Kunstschätzen. Das Kloster Neuzelle zählt zu den größten Barock- und Kunstdenkmalen Ost- und Norddeutschlands. Auf den ersten Blick wirkt die Kirche überladen, ja fast kitschig, aber in jedem Fall freundlich und hell, was in katholischen Kirchen ja zumeist eher nicht der Fall ist. Wir wohnen einer „Liturgia Horarum“, einem gesungenen lateinischen Stundengebet der aktuell hier lebenden sechs Mönche bei, das sieben Mal täglich praktiziert wird.

Nur ein paar Kilometer entfernt befindet sich Eisenhüttenstadt, ein Architekturdenkmal der jüngeren deutschen Geschichte. In den Fünfzigerjahren der DDR herrschte hier eine Art Aufbruchstimmung, denn ein riesiges Eisenhüttenwerk entstand und sorgte für gut bezahlte Arbeitsplätze. Drumherum entstand eine moderne Stadt nach sowjetischem Vorbild, auf dem Parteitag beschlossen und dem Reißbrett geplant. Tausende junge Familien kamen in den Ort, der für DDR-Verhältnisse eine großartige Zukunft versprach. Zunächst wurde die Stadt Stalinstadt getauft, da der sowjetische Diktator kurz vor Gründung der Stadt gestorben war, jedoch nach der Entstalinisierung bekam die Stadt 1961 ihren heutigen Namen.

Wir machen uns auf zu einer Stadtbesichtigung und starten in der Lindenallee, in dessen Flucht die Silhouette des Stahlwerkes zu sehen ist. Sie war zu DDR-Zeiten mit ihrer Ladenstraße ein Einkaufsmagnet für die umliegende Bevölkerung – heute stehen die meisten Geschäftsräume indes leer. Die Abhängigkeit einer Stadt von einem einzigen Arbeitgeber hat nach der Wiedervereinigung zu Arbeitsplatzabbau und Abwanderung der jüngeren Bevölkerung geführt. Eisenhüttenstadt hat heutzutage nur noch die Hälfte seiner ursprünglich 50.000 Einwohner, die Bevölkerung wirkt überaltert.

Am Platz des Gedenkens mit einem Denkmal für die deutsch-sowjetische Freundschaft beginnen die Wohnkomplexe. Wer jetzt mit uniformer 0815-Plattenbauweise gerechnet hat, sieht sich getäuscht. Der originalgetreu restaurierte Innenhof des Wohnkomplexes 1 überrascht mit einem angenehmen Ambiente, zwei Brunnen, in denen figürliche Plastiken stehen und Sitzbänke, die zum Verweilen im Grünen des Innenhofes einladen. Die originalen Fassaden mit teilweise klassizistischen Elementen sind nach der Wende ebenfalls bestens restauriert worden. Wenn man durch die ansprechend gestalteten Wohnanlagen geht, so kann man sich sehr leicht vorstellen, dass Wohnen in Eisenhüttenstadt für viele junge Menschen in der DDR äußerst attraktiv war. Kein Wunder, dass sich internationale Filmproduktionen für dieses außergewöhnliche Ambiente interessieren. Der berühmte US-Schauspieler Tom Hanks, der einst hier einen Film drehte, hat so die Stadt liebevoll „Iron-Hut-City“ getauft.

Galerie

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