Fläming

22. Oktober 2020 – Von Isernhagen zum Netzener See

Die A-2 zeigt sich am heutigen Tag gnädig und erspart uns lästige Staus, so dass wir gerade noch unser für heute angestrebtes Ziel, den Netzener See, vor Einsetzen der vollständigen Dunkelheit erreichen. Das Hotel Seehof hat einen wenig bekannten Stellplatz mit Stromanschluss anzubieten, der unmittelbar am Ufer des Netzener Sees gelegen ist. Wenn man abends zudem im Restaurant für mindestens 30,– € speist, wird die Stellplatzgebühr von 10 € erstattet.Dieses Angebot nehmen wir nur zu gerne in Anspruch und werden nicht enttäuscht: Die angebotene Rinderroulade ist ebenso hausgemacht und lecker wie der begleitende Rotkohl und die Kartoffelklöße. Corinna entscheidet sich für die vegetarische Variante einer Kartoffelroulade und ist ebenso begeistert. Erstaunlich ist, dass in dieser gotteverlassenen Pampas in der Nebensaison relativ viele Gäste den Gastraum bevölkern, was sicher auch der Qualität des Etablissements geschuldet ist.

Stellplatzbewertung Womo-Stellplatz Hotel Seehof

Ort: Kloster Lehnin

Art des Stellplatzes: Womo-Stellplatz

Kosten: 10,– € (werden bei Verzehr im Restaurant erstattet)

Verfügbar: Strom (gegen Gebühr 2,– €)

Nicht verfügbar: Dusche, Wasser, Entsorgung, WC

Bewertung Lage: 1

Bewertung Ruhe: 2-3 (Autobahn in Hörweite

Bewertung Sanitäranlagen: —

Mobilfunknetz: LTE

23. Oktober 2020 – Vom Netzener See nach Niedergörsdorf

Bei Tageslicht wird die idyllische Lage des Stellplatzes, der im Herzen des Flämings liegt, erkennbar: Wir stehen direkt am Seeufer, der bevölkert wird von allerlei Wasservögeln. In unmittelbarer Nähe befindet sich eine idyllich gelegene Badestelle, die wir nur allzu gerne nutzen würden, jedoch verhindern die herbstlichen Temperaturen eine morgendliche Erfrischung. Auch ein Bootsverleih mit SUP´s und Kajaks ist der Badestelle angelagert.

Nach dem Frühstück steuern wir das Kloster Lehnin an, eine beeindruckende Zisterzienserabtei aus dem 12. Jahrhundert. Leider müssen wir auf die Besichtigung der Klosterkirche und des Innenhofes samt Kreuzgang verzichten, da sich die Pforten der Kirche erst um 13 Uhr für Besucher öffnen. Dennoch ist das Ensemble aus romanisch-gotischen Backsteingebäuden einen Besuch allemal wert.

Weiter geht es zu den nahe gelegenen Belziger Landschaftswiesen. In Freienthal stellen wir unser Wohnmobil ab und laufen zu dem zwei Kilometer entfernten Vogel-Beobachtungsturm, der inmitten eines streng geschützten Naturschutzgebietes liegt. Hier kann man im Frühjahr ein sehr seltenes Naturschauspiel bewundern, die Balz der nahezu ausgestorbenen Großtrappen. In den Belziger Landschaftswiesen leben derzeit noch 60 Exemplare, jährlich wird eine gewisse Anzahl Jungvögel von Naturschützern künstlich aufgezogen und später wieder in die Freiheit entlassen, um die Art hier zu erhalten. Großtrappen zählen zu den größten flugfähigen Vögeln der Welt und sind zu dieser Jahreszeit nicht so ohne weiters zu orten, insofern stellen wir lediglich ein älteres Foto balzender Trappen ein, dass wir 2016 in der Vogel-Beobachtungsstation Buckow während der Balzzeit geschossen haben!

Zwei kämpfende Großtrappen-Hähne während der Balz

Am Turm sichten wir eine Ansammlung von Parasol-Pilzen, so ziemlich die einzige Pilzart, die wir ganz sicher bestimmen können und uns zu verzehren trauen. Und so ganz müssen wir dann doch nicht auf „Wildlife-Erlebnisse“ verzichten, da uns ein Fuchs über den Weg läuft. Er befindet sich offenbar gerade auf der Pirsch nach seiner „Lieblingsspeise“, Mäusen, und nimmt kaum Notiz von uns. Wir nähern uns ihm behutsam – erst nach einer ganzen Weile wird er sich unserer Anwesenheit bewusst und ergreift die Flucht.

Wir setzen unsere Fahrt fort nach Jüterbog, der heimlichen Hauptstadt des Flämings und zugleich eine der ältesten und bedeutendsten Städte Brandenburgs. Am Mönchenkirchplatz befindet sich das gleichnamige Kloster aus dem 15. Jahrhundert. Das Wetter lädt allerdings kaum zum Sightseeing ein, so dass wir uns mit einem Besuch im gemütlichen Café „Die Förste“ begnügen, das seine Gäste mit einem Schild „nur für nette Leute“ empfängt. Wir fühlen uns angesprochen und bestellen leckeren hausgemachten Kuchen.

Beim Landvergnügen-Stellplatz „Sommers Hof“ fragen wir einen Platz für die heutige Nacht an. Der Stellplatz ist nur wenige Kilometer entfernt in Niedergörsdorf, Ortsteil Altes Lager. Er ist einem Hofladen in einem herausgeputzten, alten Wasserturm angegliedert. Die freundliche Besitzerin erklärt uns, dass sich in jeder Etage des liebevoll restaurierten Turms Zweizimmer-Mietwohnungen befinden – nicht die schlechteste Art zu wohnen! Der Hofladen bietet als Spezialität Fleisch vom Iberico-Schwein an, das jedoch unglücklicherweise gerade ausverkauft ist. So beschränken wir uns bei unserem Einkauf auf Käse, leckere Salami sowie Leinöl. Da es noch immer regnet, verbringen wir den Rest des Tages in unserem gemütlichen Wohnmobil mit Reiseplanung und Reisebericht-Schreiben. Am Abend bereiten wir die Parasol Pilze zu, dazu gibt es kaltes Roastbeef mit hausgemachter Remoulade von unserem Lieblingsschlachter Reich in Hannover sowie Bratkartoffeln.

Stellplatzbewertung Sommers Hof

Ort: Niedergörsdorf – OT Altes Lager

Art des Stellplatzes: Landvergnügen

Kosten: –

Verfügbar: Strom (gegen Gebühr 5,– €), WC

Nicht verfügbar: Dusche, Wasser, Entsorgung

Bewertung Lage: 2

Bewertung Ruhe: 2 (tagsüber Landstraße hörbar)

Bewertung Sanitäranlagen: –

Mobilfunknetz: LTE

24. Oktober 2020 – Von Niedergörsdorf in den Spreewald

Am Morgen plaudere ich mit Silke, der Besitzerin des Hofladens, und ihrem Bruder. Wir haben gestern neidvoll auf den Korb mit unterschiedlichen Waldpilzen geschaut, die der Bruder im angrenzenden Wald gesammelt hat. Da der Inhalt des Korbes leider unverkäuflich ist, ermuntert sie uns, doch selbst „in die Pilze“ zu gehen!

Der ganze Wald stehe voller Pilze, meinen sie, und geben mir einen Schnellkurs in Sachen Pilzkunde. Also ändern wir unsere Pläne und machen uns auf zu einer ungeführten  Pilz-Exkursion  in den Wald. Silke bietet an, im Anschluss unsere Ausbeute fachmännisch zu beurteilen!

Obwohl die Rahmenbedingungen geradezu optimal sind – es hat in der Nacht geregnet -, tun wir uns zunächst schwer, die begehrten Objekte zu finden. Fliegenpilze und auch Parasols sichten wir hingegen unterwegs massenhaft. Erst als wir zu einem lichten Waldstück mit Heideflächen gelangen, wird die Ausbeute an essbaren Waldpilzen ergiebiger. Nach einer guten Stunde haben wir genug für eine Mahlzeit gesammelt und machen uns auf den Rückweg. Silkes Expertise ergibt, dass wir tatsächlich nur genießbare Pilze gesammelt haben, Maronen, Butter- und Birkenpilze, allerdings leider keinen einzigen Steinpilz!

Wir verabschieden uns und fahren erneut nach Jüterbog; das idyllische Städtchen wollen wir uns noch einmal bei besserem Wetter anschauen. In der Nähe des Mönchenkirchplatzes stellen wir wiederum unser Wohnmobil ab und machen eine kleine Runde durch das mittelalterliche Städtchen. Insbesondere die alles überragende Sankt Nikolaikirche mit ihren zwei Türmen, aber völlig unterschiedlichen Abschlüssen, erregt unsere Aufmerksamkeit. Überall sind zudem alte Stadttore, Wehrtürme und Reste der Stadtmauer zu entdecken.

Unser nächstes Ziel ist das Museumsdorf Baruther Glashütte, ein sehenswertes Industriedenkmal, das aus einer romantisch anmutenden Siedlung schlichter Fachwerkhäuschen mit roter Ziegelausfachung besteht. Die Zeit scheint im Museumsdorf stehen geblieben zu sein! Berühmtheit hat der Ort durch die Erfindung der Thermoskanne erlangt, ansonsten kam das Glasmachergewerbe hier im 19. Jahrhundert zu voller Blüte, als die Baruther Glashütte zu einem der bedeutendsten Glaserzeuger aufstieg.

Zunächst einmal nehmen wir einen kleinen Snack in einem der Cafés ein und erkunden dann die Gebäude. Mitten im Dorf befindet sich der kultige „Alte Konsum“, in dem man allerlei saisonal wechselnde Köstlichkeiten erwerben kann, unter anderem Fleisch vom Saalower Kräuterschwein, Wild aus Baruther Wäldern und das Kameruner Wildlamm aus eigener Zucht. Wir entscheiden uns für drei verschiedene Wild-Salamis sowie ein Brot aus dem Holzofen.

Natürlich kann man im Museumsdorf auch Glas erwerben, jedoch verkneifen wir uns den Aufenthalt in den teilweise engen Ausstellungsräumen – viele Besucher denken nicht daran, den Corona-bedingten Abstand und die an allen Eingangstüren angegebenen Beschränkungen der Personenzahl einzuhalten – viele Unverbesserliche bewegen sich durch die Läden, als wenn die Pandemie ein harmloser Schnupfen wäre! Nachdem wir auch noch einige „Unmaskierte“ in den Läden entdecken, vergeht uns endgültig die Lust auf weitere Indoor-Besichtigungen!

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One Comment

  • Rainer Marschel

    Das freut aber den Brandenburger, seine Region hier an exponierter Stelle zu finden: Brück/Freienthal/Fläming. Ihr macht das sehr gut. Ich habe gleich mehrere Anregungen bekommen, was man so machen könnte, selbst vor der eigenen Haustür. Fotos sind klasse, hoher Nutzwert auch und gerade durch kritische Anmerkungen, die unbedingt dazu gehören. Beste Grüsse von Rainer Marschel

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