North Coast 500 / 2 - Nord

28.05.2022 – Von Dunbeath nach Dunnet Head, „The Most Northern Point of Mainland UK“ (108 km)

Dunbeath Castle stammt aus dem 13. Jahrhundert und steht am Ende der Bucht auf einer felsigen Klippe wie ein einsamer Wächter mit Blick auf den Moray Firth. Das Schloss ist heute eine private Residenz und nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Wir laufen den Strand entlang zum Castle, vorbei an mächtigen, durchlöcherten Felsen, durch die auch der kleine Pfad führt. Auch wenn das Licht nicht so wirklich mitspielen will, ist der Anblick des majestätischen Schlosses doch außergewöhnlich. Bei unserer Foto-Session am Kieselstrand umkreisen uns lautstark schimpfend einige Austernfischer. Wahrscheinlich sind wir ihren Nestern zu nahegekommen.

Nach diesem morgendlichen Spaziergang fahren wir zunächst für einen kleinen Abstecher zum Hafen von Lybster. Auch hier gibt es einen sehr netten Stellplatz für Wohnmobile am Hafen. 

Da unser Wohnmobil mal wieder einen Full-Service nötig hat, steuern wir den Halberry Wohnmobil-Stellplatz an, ein sehr empfehlenswerter Platz auf einem Bauernhof mit Blick auf das Meer und in idyllischer Lage. Hier können auch Wohnmobile gegen eine Gebühr von 5,– £ Komplettservice für ihr Wohnmobil erledigen, die nicht übernachten.

Unser nächster Halt gilt dem Castle Sinclare Girnigoe bei Noss Head. Das Castle wurde 1470 erbaut, im 17. Jahrhundert Anbauten hinzugefügt und dann in Sinclair Castle umbenannt. Seit 1690 ist die Burg unbewohnt und dem Verfall ausgesetzt, bevor Restauratoren in der Neuzeit mit dem Erhalt der Anlage begannen. Der Zustand für eine spätmittelalterlichen Burg ist dennoch bemerkenswert. Die Außenmauern der Gebäude sind unmittelbar auf die senkrechten, segmentierten Felsen aufgesetzt worden, und man kann kaum die Übergänge erkennen. Wir stöbern eine Weile durch das alte Gemäuer und treten dann den Rückweg zum Wohnmobil an.

Auf direktem Weg fahren wir nach John o´Groats mit seinem Duncansby Head Lighthouse. Auch wenn alle Welt meint, dies sei der nördlichste Punkt des britischen Festlands – er ist es nicht! Da Wochenende ist, haben wir Mühe einen Parkplatz im Car Park am Leuchtturm zu ergattern. Unser Ziel sind die Duncansby Stacks, zwei pyramidenförmige Felsformationen, die sechzig Meter aus dem Meer emporragen. Das Ensemble wird komplettiert durch den davor stehenden Felsbogen „Thirle Door“, ein wahrhaft ehrwürdiges nördliches Ende des schottischen Festlandes.

Unterwegs sehen wir Gruppen von Menschen, die auf der Kliffkante stehen und mit Spektiven oder Kameras mit großen Teleobjektiven gebannt auf das Meer schauen. Schließlich treibt uns die Neugier, und wir fragen, was es denn zu beobachten gibt. Orcas, ist die knappe Antwort! Irgendein Whale-Spotter der Gegend habe am heutigen Tag Orcas an der Küste entdeckt, dies bei Facebook in einem Orca-Forum gepostet, und nun findet für viele Einheimische der Samstags-Ausflug mit Kind und Kegel an die Klippen von Duncansby statt. Ein älterer Herr erzählt uns, er säße hier schon seit einigen Stunden, um die beeindruckenden Meeressäuger zu spotten, leider bislang ohne Erfolg!

Als wir am Wohnmobil ankommen und gerade unsere Tour fortsetzen wollen, entsteht Unruhe in der Gruppe der Hobby Whale-Watcher. Tatsächlich hat jemand Orcas am Horizont entdeckt und nun stehen sie wie an einer Perlschnur aufgereiht an der Abbruchkante des Kliffs und versuchen einen Blick auf die Orcas zu erhaschen. Gar nicht so einfach, denn die Tiere sind mittlerweile ganz schön weit entfernt. Corinna entdeckt kurze Zeit später tatsächlich mit dem Fernglas, fast in Höhe der Orkney Inseln, die Fontäne eines auftauchenden Orcas! Welch ein Erlebnis! Für ein Beweisfoto reicht es aber natürlich nicht.

Das Übernachten ist mittlerweile am Duncansby Leuchtturm untersagt worden. Unser Ziel ist ohnehin „The most Northern Point of Mainland UK”, Dunnet Head. Am Leuchtturm befindet sich ein Car-Park, auf dem man gegen Zahlung einer Gebühr von zehn Pfund über Nacht mit dem Wohnmobil stehen darf. Es ist erneut ein ganz exquisites Plätzchen, das wir dazu abends ganz für uns allein haben!

Stellplatzbewertung Dunnet Head Car Park

Ort: Dunnet Head, 58.6705, -3.3766

Art des Stellplatzes: Parkplatz

Kosten: 10,– £ (Parkautomat)

Verfügbar: —

Nicht verfügbar: Strom, Dusche, WC, Trinkwasser, Entsorgung

Bewertung Lage: 1+

Bewertung Ruhe: 1

Bewertung Sanitäranlagen: —

Mobilfunknetz: LTE

29.05.2022 – Von Dunnet Head zur Strathy Bay (68 km)

Am Morgen erkunden wir die östlichen Klippen von Dunnet Head, optimaler Nistplatz für viele Seevögel, sogar einige Papageitaucher sind darunter. Die Klippen sind hier fest in der Hand von Eissturmvögeln, die mit Albatrossen verwandt sind und deren filigranen Flugkünste brilliant sind.

Klippenbrüter wie Eissturmvögel legen zumeist ein einzelnes Ei, das häufig kegelförmig ist, damit es nicht von den Klippen rollt. Wir finden unterwegs ein ausgebrütetes Trottellummen-Ei mit diesem Merkmal. Die Brutzeit und die Nestlingszeit von Klippenbrütern sind in der Regel relativ lang, da die flüggen Küken später in den Weiten des rauen Meeres allein klarkommen müssen. Auch Eissturmvögel verbringen die meiste Zeit ihres Lebens auf dem offenen Meer und kommen nur zum Brüten an die Küsten. Gegen Ende unseres Spaziergang ergießt sich der Himmel mal wieder über uns – schottisches Wetter live erlebt!

Ein Highlight unserer Reise steht heute auf dem Programm, das Castle of Mey. Wir haben gestern ein Ticket für das Zeitfenster 12.00 – 12.30 Uhr gebucht (13,50 £ p.P.), eine gute Idee, da immer nur eine gewisse Anzahl von Besuchern ins Schloss gelassen werden. Das Schloss war der Sommer-Wohnsitz von Queen Mum. Zu unserem Leidwesen ist das Fotografieren in den Innenräumen verboten, so dass wir in unserem Reisebericht keine Eindrücke von den Räumlichkeiten vermitteln können.

Man betritt das Treppenhaus durch den Haupteingang und sieht auf Tellern säuberlich drapierte Muscheln, die von Queen Mum höchstpersönlich auf ihren Strandspaziergängen gesammelt worden sind – daneben der markante hellblaue Trenchcoat mit passendem Hut. Die Farbe Blau war die absolute Lieblingsfarbe von Queen Mum! In den Räumen stehen engagierte Guides, die auf unterhaltsame Art und Weise Anekdoten aus dem Leben von Queen Mum erzählen. Die Geschichten unterstreichen, wie liebenswert die alte Dame, die ehemalige Königin von Großbritannien und Mutter der heutigen Queen Elisabeth II, wohl gewesen sein mag. Obwohl sie schon vor über zehn Jahren im gesegneten Alter von 101 Jahre starb, scheint ihr liebenswerter und von Humor geprägter Geist im Castle noch immer präsent zu sein, vielleicht auch, weil sich seit ihrem Tod hier so gut wie nichts verändert hat. Im Dining Room erzählt der Guide, dass Queen Mum bei abendlichen Dinnern, die immer erst zu einer für britische Verhältnisse ungewöhnlich späten Uhrzeit von 20.45 Uhr begannen, eine Konversationsregel vorgab. So sprach sie stets zunächst mit der Person zu ihrer Linken, der ihrerseits die Konversation mit der Person im Uhrzeigersinn fortsetzte und so weiter. 

So sprachen jeweils immer nur zwei Personen miteinander, bis die Kommunikationsfolge wieder bei der Queen angelangt war. Es liefen grundsätzlich zwei Runden nach links, gefolgt von einer letzten nach rechts. Die beiden „Hot Seats“ zu ihrer Linken und zu ihrer Rechten wurden grundsätzlich von Herren besetzt! Queen Mum bestimmte die Speisefolge des Dreigängemenüs immer nach den Vorlieben ihrer Gäste und ließ aus diesem Grund sogar dann und wann geräucherten Lachs auftischen, den sie selbst verabscheute und als „slimy stuff“ bezeichnete! 

In ihrem Kaminzimmer ließ Queen Mum kleine Figuren im Interieur verstecken, wie zum Beispiel ein kleines Monster von Loch Ness aus Stoff an der Kante eines riesigen Wandteppichs, um für ihre Gäste unterhaltsamen und mit Humor gespickten Gesprächsstoff vorzuhalten. Heutzutage verbringt Prinz Charles noch immer im Juli einige Tage seiner Sommerfrische im Castle, dann bleibt die Besichtigung der Räumlichkeiten natürlich den Besuchern verwehrt.

Wir haben keine Lust, heute noch weit zu fahren, insofern beschließen wir, an der Strathy Bay zu halten. Hier gibt es einen Parkplatz oberhalb des preisgekrönten Strandes, an dem man auch mit dem Wohnmobil über Nacht stehen darf. Nach einer kurzen Teatime machen wir in einer Regenpause noch einen kleinen Spaziergang an diesem wahrhaft traumhaft schönen Strand. Der Wetterbericht verspricht ab morgen Nachmittag Besserung, auch wenn es mit Tagestemperaturen um 12° Celsius frisch bleibt. Der Parkplatz füllt sich leider gegen Abend, wodurch insbesondere morgens keine wirkliche Ruhe herrscht.

Stellplatzbewertung Strathy Beach Parking

Ort: Strathy, 58.5637, -3.9991

Art des Stellplatzes: Parkplatz

Kosten: freiwillige Spende in die Donation Box

Verfügbar: WC

Nicht verfügbar: Strom, Dusche, Trinkwasser, Entsorgung

Bewertung Lage: 2

Bewertung Ruhe: 3 (nachts ruhig)

Bewertung Sanitäranlagen: 4 (öffentliches WC)

Mobilfunknetz: LTE

30.05.2022 – Von Strathy nach Durness (86 km)

Einige Jugendliche haben in ihren getunten Kleinwagen übernachtet und nerven uns heute morgen, indem sie ihre Motoren laufen lassen, wahrscheinlich um sich ein wenig aufzuwärmen. Nach einem schnellen Frühstück flüchten wir aus diesem zumindest heute Morgen unwirtlichen Ort.

Wir folgen der NC 500 durch die einsamste Region der Highlands. Die kurvige Strecke mit grenzenloser Weite und ganz viel Natur hat allerdings einen unrühmlichen Hintergrund aus der schottischen Historie. Im 18. Jahrhundert wurden vom Königshaus Clanchiefs eingesetzt, die die arme Landbevölkerung aus den Tälern unterdrückte und vertrieb. Später versprach die Schafzucht in der Grafschaft Sutherland gute Geschäfte, das Land wurde gerodet und die Bevölkerung zwangsumgesiedelt. Die Schotten nennen diese humane wie ökologische Katastrophe „Highland Clearance“. Die Sutherlands gehören bis heute zu den reichsten Grundbesitzern der Gegend, das feudale Dunrobin Castle, das wir auch besucht haben, ist ihr Stammsitz. Wenn man bedenkt, woher ihr immenser Reichtum herrührt, ergibt das einen sehr faden Beigeschmack!

Die NC 500 ist im Norden eine ruppige Piste mit tiefen Schlaglöchern, zumeist eine Single Track Road mit Passing Places, um den entgegenkommenden Verkehr vorbeizulassen. Das klappt in der Regel sehr gut, da die meisten Fahrer rücksichtsvoll agieren. Man muss aber viel Zeit einplanen, die wir uns für diesen Teil unseres Road Trips aber ohnehin nehmen, da die Landschaft spektakulär ist. Unterwegs blockieren Schafherden die Straße, während sich die beiden Hütehunde interessiert das Geschehen von einem Quad aus anschauen!

Kurz hinter der langgestreckten, malerischen Meeresbucht Loch Eriboll kommt das kleine Nest Durness in Sicht. Wir haben vor, heute auf dem grandios gelegenen Campingplatz Sango Sands zu bleiben, da es hier eine Waschmaschine und einen Trockner gibt und wir hier endlich einmal Wäsche waschen können. Wir finden ein aussichtsreiches Grasplätzchen in erster Reihe an den Klippen, alle geschotterten Stromplätze an den Klippen sind ausgebucht. In England sind aufgrund des siebzigjährigen Thronjubiläums von Queen Elisabeth Schulferien in dieser Woche, was man auf den Campsites zu spüren bekommt.

Nachdem wir das Wäschewaschen erledigt haben, gehen wir in dem gut sortierten kleinen Spar-Markt oben an der Straße einkaufen, bevor wir uns für eine große elf Kilometer lange Runde entlang der Balnakeil Bay präparieren. Unterwegs kehren wir im Craft Village im Meat and Eat Cafe zu einem kurzen Lunch ein, es werden ziemlich unspektakuläre Ciabattas angeboten, die unterschiedlich belegt sind. Das Dörfchen besteht aus einer alternativen Künstler-Community, die hier sesshaft geworden ist.

Von der Kirchenruine am altem Friedhof können wir erstmals einen Blick auf die traumhafte Balnakeil Bay erhaschen.

Wenn die Temperaturen etwas anders wären, könnte man meinen, man stünde an einem Karibikstrand! Das türkisfarbene Meer und ein breiter Strand mit feinstem Sand lassen jedes Herz höherschlagen.

Wir wandern am Strand entlang zur felsigen Landzunge Faraid Head und auf dem militärisch genutzten Fahrweg durch die Dünen zurück zur anderen Seite der Landzunge. Viele Vögel gibt es unterwegs zu beobachten, unter anderem Steinschmätzer, die auf den saftig grünen Wiesen nach Getier picken.

Entlang der großartigen Steilküste an der Sango Bay kehren wir zurück zum Campingplatz. Dort belohnen wir uns mit einem kühlen Bier. Das Wetter scheint jetzt endlich zum Positiven umzuschlagen – der Nachmittag hat schon einmal einigen Sonnenschein gebracht.

Stellplatzbewertung Sango Sands (Campsite Durness)

Ort: Durness, 58.5687, -4.7433

Art des Stellplatzes: Campingplatz

Kosten: 20,– £ (Stellplatz ohne Strom)

Verfügbar: Strom, Dusche, WC, Trinkwasser, Schwarz- und Grauwasser Entsorgung, Waschmaschine (5,– £), Trockner (3,– £)

Nicht verfügbar: —

Bewertung Lage: 1+

Bewertung Ruhe: 2 (nachts sehr ruhig)

Bewertung Sanitäranlagen: 1

Mobilfunknetz: LTE

31.05.2022 – Von Durness nach Kinlochbervie (41 km)

Wir haben uns heute eine der Top-Wanderungen Schottlands vorgenommen. Schon die Anfahrt entlang des Lochs Inchard ist traumhaft.

Vom Schotterparkplatz im kleinen Weiler Blairmore schlängelt sich ein sieben Kilometer langer und gut ausgebauter Pfad hinab zu einem der schönsten und unberührtesten Strände Großbritanniens, der Sandwood Bay. Die Route führt über eine offene Moorlandschaft mit unzähligen Süßwasser Seen.

Nach 1,5 Stunden reiner Wanderzeit sieht man nur noch satte Brandung, ausgedehnte Dünen, feinen Sandstrand und glasklares Wasser, flankiert von mächtigen Klippen auf beiden Seiten der Bucht. Sandwood Bay ist ein beliebter Spot zum Wildcampen im Zelt; einige Jugendliche pilgern mit Zelt und Schlafsack bewaffnet in Richtung Bucht.

Am Strand machen wir eine kurze Mittagspause, bevor wir auf gleichem Weg wieder zum Parkplatz zurückwandern. Gutes Schuhwerk ist für diese Tour in jedem Fall empfehlenswert, da der Pfad steinig ist. Parkplatz und Pfad werden vom John Muir Trust gepflegt und in Stand gehalten, daher sollte jeder Wanderer seinen Obolus in die Donation Box am Parkplatz werfen!

Übernachten darf man auf dem Parkplatz in Blairmore entgegen der Angaben bei Park4Night nicht mehr, daher fahren wir nach Kinlochbervie, wo wir auf dem Hinweg einen netten Stopover am Hafen gesehen haben. Unterwegs halten wir bei der „Highland Charcuterie and Smoke House“. Inhaber Richard räuchert hier in seinem Haus Fisch- und Fleischspezialitäten. Daran können wir natürlich nicht vorbeigehen und kaufen Lachs und Fasanen-Paté, natürlich alles in Bio-Qualität.

Der Stellplatz in Kinlochbervie ist wieder einmal richtig schön. Man steht auf einer betonierten Hafenmole und schaut auf das Loch Clash. Die Stellplatzgebühr, die der Community zugute kommt,  entrichtet man im kleinen Spar-Laden. Der glutrote Sonnenuntergang am Abend am Loch Clash ist berauschend.

Stellplatzbewertung Kinlochbervie Loch Clash Campervan Stopover

Ort: Kinlochbervie, 58.4598, -5.0566

Art des Stellplatzes: Wohnmobil-Stellplatz

Kosten: 10,–£ (ohne Strom)

Verfügbar:  Strom (5,– £), Trinkwasser, Entsorgung

Nicht verfügbar: Dusche, WC (öffentliches WC in 500 m Entfernung verfügbar)

Bewertung Lage: 1

Bewertung Ruhe: 1

Bewertung Sanitäranlagen: —

Mobilfunknetz: LTE

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