Nordküste Grampian

22.05.2022 – Von Crawton zum Aberdour Beach (120 km)

Das erste Ziel des heutigen Tages steht wieder ganz im Zeichen der Natur, ausnahmsweise aber mal keine Birding-Tour! In Newburgh befindet sich an der Mündung des Ythan der Seal Beach. Am besten beobachtet man die Robben vom südlichen Mündungsarm aus.

Am großen Strand Car-Park werden derzeit  umfangreiche Bauarbeiten vorgenommen und er ist aus diesem Grund gesperrt. Da es noch sehr früh am Morgen ist, finden wir unterhalb des Golfclubs einen legalen Parkplatz am Straßenrand. Einige Pfade führen hinunter zum Strand durch üppig wuchernde Ginsterbüsche. Keine Menschenseele hat sich heute Morgen hierher verirrt, so dass wir den Strand ganz für uns allein haben! Die meisten Robben liegen auf der gegenüberliegenden Landzunge dicht an dicht faul in der Sonne, während andere bereits im Wasser herumtollen und neugierig auf uns zusteuern, offenbar um uns Neuankömmlinge in Augenschein zu nehmen. Nach einer Weile verlieren sie das Interesse an uns und drehen ab.

Wir laufen eine Weile entlang des wunderschönen, naturbelassenen Strandes, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft sich der Golfplatz erstaunlich gut in die Dünenlandschaft einfügt. Vom Strand aus sehen wir unser Wohnmobil, das inmitten der gelben Ginsterpracht geparkt zu sein scheint!

Danach ist einmal wieder ein Castle an der Reihe! Beim New Slains Castle konnte man früher bis an die alten Gemäuer heranfahren und sogar auf dem Parkplatz mit dem Wohnmobil übernachten. Heute müssen alle Fahrzeuge oben an der A975 abgestellt und der letzte Kilometer zu Fuß bewältigt werden. Die Burg wurde Ende des 16. Jahrhunderts vom Earl of Errol IX erbaut. Angeblich soll Bram Stoker von Slains Castle für seine Dracula Erzählungen inspiriert worden sein. Man kann in den alten Gemäuern nach Herzenslust herumstöbern, Eintritt wird nicht erhoben. Auch dieses Castle thront majestätisch auf einem Felsplateau, direkt an einer atemberaubenden Steilküste, die man über einen schmalen Pfad erkunden kann. Aber Vorsicht, es soll hier schon zu tödlichen Unfällen mit leichtsinnigen Touristen gekommen sein!

Wir fahren weiter nach Norden und machen eine wohl verdiente Mittagspause auf einem Parkplatz am Waters of Philorth Beach. Natürlich erkunden wir später noch auf einer Kurzwanderung den traumschönen breiten Sandstrand. Der Parkplatz ist übrigens auch ein vortrefflicher Ort, um mitten in den Dünen mit dem Wohnmobil zu übernachten.

Unsere Pläne sehen anders aus, denn wir wollen heute noch zum Aberdour Beach und dort auch übernachten. Auf der steilen Single Track Abfahrt haben wir dann die ersten beiden Erlebnisse mit entgegenkommenden Fahrzeugen. Die Schotten erweisen sich als freundliche Menschen und setzen in beiden Fällen bis in die nächste Ausweichbucht zurück, um unser „Schlachtschiff“ passieren zu lassen. Der Platz ist ein wahrer Traum! Wir stehen direkt am Kieselstrand mit einem galaktischen Ausblick auf das Meer. Am Strand machen wir es uns eine ganze Weile gemütlich, da sich mittlerweile auch die Wolken verzogen haben. Die Sonne verwöhnt uns mit ihren wärmenden Strahlen.

Ein kleiner Spaziergang führt uns gegen Abend zur Saint Drostans Church mit seinem Commonwealth War Cemetery oberhalb des Strandes. Die Grabsteine eines ganzen Jahrhunderts sind Wind und Wetter ausgesetzt und stehen schief und krumm rund um die zerfallene Kapelle.

Zurück am Wohnmobil lassen es die abendlichen Temperaturen zu, einen Sundowner vor dem Wohnmobil einzunehmen und das alles an diesem absoluten Premiumplatz! So kann es auf unserem Road Trip durch Schottland gerne weitergehen! 

Stellplatzbewertung Car Park Aberdour Beach

Ort: New Aberdour; 57.6711, -2.1929

Art des Stellplatzes: Parkplatz

Kosten: 10,– £ in die Donation-Box

Verfügbar: WC

Nicht verfügbar: Strom, Dusche, Trinkwasser, Entsorgung

Bewertung Lage: 1+

Bewertung Ruhe: 1

Bewertung Sanitäranlagen: 3

Mobilfunknetz: E – 3G

23.05.2022 – Vom Aberdour Beach nach Crovie – 55 km

Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen beginnt der Tag mit einem Frühstück am Strand! Allerdings lässt die herannahende „dunkle Wand“ nichts Gutes erahnen!

Dennoch bleiben wir bei unserem Plan und steuern Troup Head an, Schottlands größte Basstölpel-Kolonie auf dem Festland. Wir stellen unser Wohnmobil am ausgewiesenen Parkplatz ab und folgen den RSPB Schildern der hiesigen Naturschutzbehörde. Schon von Weitem hört man das Heidenspektakel Tausender brütender Vögel. Basstölpel haben eine beeindruckende Spannweite von über zwei Metern. Ebenso wie die Papageitaucher verbringen sie die meiste Zeit ihres Lebens auf dem Meer und kommen nur zur Brutzeit an Land. Basstölpel sind monogam und die Partnerschaft zwischen den Paaren hält normalerweise ein ganzes Leben lang. Ein Paar brütet jeweils nur ein einziges Ei aus und sorgt sich anschließend drei Monate um das Küken, bevor dies seinerseits hinaus auf das Meer fliegen kann.

Wir setzen uns an den Rand der Klippe und beobachten das bunte Treiben. Tausende von Basstölpeln hocken zum Greifen nah auf kleinen Podesten oder Felsnischen in der Steilwand. Hier und da schnäbeln zwei Vögel miteinander und bauen Bindung für die Brutzeit auf. Andere wiederum sammeln Grasbüschel und Moos zum Auspolstern ihrer Nester. Der Landeanflug mit weit gespreizten Füßen sieht kurios und unbeholfen aus, aber der Schein trügt: Basstölpel sind hervorragende Flieger! Man könnte dem Schauspiel an den grasbewachsenen Klippen eine Ewigkeit zuschauen und würde ständig etwas Neues entdecken. Leider setzt leichter Nieselregen ein, so dass wir uns entscheiden, zurück zum Wohnmobil zu wandern. Eine gute Entscheidung, denn kurze Zeit später schüttet es wie aus Eimern.

Was macht man bei einem solch bescheidenen Wetter, das laut Wetterbericht auch den ganzen Tag nicht besser werden soll? Ein Museumsbesuch wäre jetzt genau das Richtige. In Fraserburgh befindet sich das Museum of Scottish Lighthouses, dem wir einen Besuch abstatten. Zuvor müssen wir aber unsere Grau- und Schwarzwassertanks entsorgen. Kurz vor Fraserburgh kann man beim Glenbuchty Stopover Motorhome Aire einen „Fullservice“ für fünf Pfund in Anspruch nehmen. Der reizende Besitzer zeigt uns seine Facilities und voller Stolz auch seinen 30 Jahre alten Camper auf Mercedes-Basis. Dieser habe schon 1,2 Millionen Meilen auf dem Buckel – welches heutige Wohnmobil schafft noch solche Methusalem-Werte? Leider ist die Lage des Platzes unmittelbar an der viel befahrenen Landstraße nicht wirklich berauschend, sonst hätten wir ernsthaft überlegt, heute Nacht hier zu stehen.

So fahren wir weiter zum Museum, zahlen ein Eintrittsgeld von neun Pfund und schauen uns die interessante Ausstellung an. Das Museum erzählt die Geschichte des Northern Lighthouse Board, jene Ingenieure, die all die Lichter gebaut haben, und der Lighthouse Keeper, die sie gepflegt haben. Besonders die imposanten Linsen, die einen ganzen Raum für sich beanspruchen, sind beeindruckend.

Im Eintrittspreis enthalten ist eine Führung durch Schottlands ältesten Leuchtturm auf dem Festland aus dem Jahre 1787. Das Leuchtfeuer ist auf den Grundmauern eines ehemaligen Castles errichtet worden.

Unser Guide berichtet sehr interessant aus dem harten Leben der Lighthouse-Keeper, die sich voll und ganz ihrem Beruf verschreiben mussten. Nach einigen Jahren wurden sie in der Regel von der Behörde versetzt, ohne auf den neuen Ort Einfluss nehmen zu können. Da konnte es schon einmal passieren, dass es einen für die nächsten paar Jahre auf ein abgeschiedenes, einsames Eiland verschlug! Über eine steile Wendeltreppe gelangen wir ganz nach oben zum Leuchtfeuer. Unser Guide erklärt uns die Funktionsweise und die Mechanik des Leuchtfeuers und setzt das mehrere Tonnen schwere Monstrum in Gang. Die Keeper waren dafür zuständig, das Leuchtfeuer in Bewegung zu halten und auf die Energieversorgung Acht zu geben. 

Leider ist der schöne alte Leuchtturm heutzutage durch ein automatisiertes, moderneres Exemplar ersetzt worden. Das heutige elektrische Leuchtfeuer des alten Leuchtturms wird nur noch zu Special Events entfacht.

Inzwischen hat der Regen etwas nachgelassen und wir fahren auf dem Rückweg noch beim Tesco Superstore vorbei, um unsere Vorräte aufzufrischen. Danach steuern wir auf direktem Weg unseren nächsten Übernachtungsplatz an. Der Coastal Trail West hinter Aberdour Beach ist landschaftlich äußerst reizvoll und lädt immer wieder zu Foto-Stopps ein.

Bei Park4Night ist der Parkplatz von Cullykhan Beach noch als Übernachtungsmöglichkeit ausgewiesen, inzwischen sind hier aber Verbotsschilder aufgestellt worden. Also fahren wir unverrichteter Dinge weiter und wählen den nur wenige Kilometer entfernten Car-Park oberhalb des Küstenörtchens Crovie aus. Der Parkplatz ist etwas abschüssig, so dass man leicht in Schieflage steht. Dafür stehen wir hier mutterseelenalleine, leider wegen des miesen Wetters ohne berauschende Sicht auf das Örtchen und die Steilküste. Wir hoffen auf Wetterbesserung für den morgigen Tag!

Stellplatzbewertung Crovie Car Park

Ort: Crovie; 57.6762, -2.3249

Art des Stellplatzes: Parkplatz (leicht abschüssig)

Kosten: —

Verfügbar: —

Nicht verfügbar: Strom, Dusche, WC, Trinkwasser, Entsorgung

Bewertung Lage: 1

Bewertung Ruhe: 1

Bewertung Sanitäranlagen: —

Mobilfunknetz: LTE

24.05.2022 – Von Crovie nach Grantown on Spey (114 km)

Am gestrigen Abend haben wir uns noch filmisch auf den heutigen Tag eingestimmt. Der Kultfilm „Local Hero“ mit Musik von Mark Knopfler aus den 80er Jahren spielt auch hier in Crovie, der Hauptort des Geschehens ist allerdings das benachbarte Pennan. Gerne hätten wir uns auch dieses nette Örtchen angeschaut, jedoch darf man mit dem Wohnmobil nicht hinunter ins Dorf fahren, und oben an der Landstraße gibt es keine Parkplätze. Crovie sieht sehr ähnlich aus, am Ortseingang steht ebenfalls eine rote Telefonzelle, die in dem alten Streifen eine Rolle spielt. Schon der erste Blick von oben verrät, dass hier außer einem schmalen Weg, der entlang der Häuserzeile führt, kein weiterer Platz ist. Die schmale Zufahrt hinunter ins Dorf ist Einheimischen vorbehalten.

An der Küste entlang wandern wir auf einem aussichtsreichen, schmalen Pfad ins benachbarte Fischerdörfchen Gardentown. Ähnlich wie in Crovie werden auch hier zahlreiche Cottages ruhesuchenden Urlaubern angeboten. Im Hafen von Gardentown ist allerlei Betriebsamkeit zu beobachten. Fischer flicken ihre Reusen, mit denen sie auf Hummerfang gehen oder bringen ihre schmucken Boote auf Vordermann.

Als Rückweg wählen wir die Variante über die Klippen. Hier führt der Crovie Footpath mit sagenhaften Aussichtspunkten zurück nach Crovie.

Wir setzen unseren Weg fort nach Cullen, unterbrochen von einem kurzen Zwischenstopp in Banff, wo wir in einer winzigen Bäckerei leckere, hausgemachte Pies und Brötchen einkaufen. Wir stellen unser Wohnmobil auf dem Parkplatz am Strand mit den drei markante Felsen ab, genannt „die drei Könige“. Der Strand ist wie aus dem Bilderbuch! Wenn man nicht genau wüsste, wie kalt die Nordsee ist, dann würde man sich am liebsten auf direktem Weg in die Fluten stürzen. Einheimische baden hier an der Nordküste durchaus, aber immer im Neoprenanzug! 

Wir wollen den Strand entlang zum Bow Fiddle Rock laufen, ca. 2,5 Kilometer von Cullen entfernt. Die vielfach fotografierte Felsformation taufen wir spontan um in „Elephant Rock“, da wir der Meinung sind, dass der Felsen eher an einen afrikanischen Dickhäuter erinnert als an den Bogen einer Geige!

Zurück am Wohnmobil verspeisen wir auf einer Picknickbank am Strand die Pies aus Banff. Wir wollen heute noch einen kurzen Abstecher in die Speyside Region machen, der Hochburg der schottischen Whisky-Brennerei. Auf der Straße am Flüsschen Spey reiht sich eine Destillerie an die andere und wir haben vor, für den morgigen Tag eine Whisky-Tour in einer der Brennereien zu buchen. In der Gegend sollen sehr weiche und fruchtige Whiskys gebrannt werden, für uns „Nicht-Whiskyexperten“ genau das Richtige! Wir finden einen wunderbaren Übernachtungsplatz direkt am Fluss auf einem Parkplatz eines Commonwealth War Cemeteries in der Nähe von Grantown. Leider schüttet es den ganzen Abend wie aus Eimern, so dass wir die tolle Umgebung entlang der Spey gar nicht richtig erkunden können.

Bereits vor einigen Tagen haben wir entschieden, dass wir unsere ursprüngliche Route ändern und die Hebriden von unserer To-Do Liste schweren Herzens streichen. Zwei Fähren sind dort wegen Sturmschäden ausgefallen und nur die Hauptfähre Ullapool – Stornoway verkehrt zur Zeit noch! Und wie man sich vorstellen kann, ist diese Verbindung derzeit völlig überlastet und bis zum 31. Mai ausgebucht. Alternativ werden wir ab morgen die North Coast 500 Route befahren.

Stellplatzbewertung Parkplatz Commonwealth War Cemetery

Ort: Grantown on Spey; 57.3148, -3.6166

Art des Stellplatzes: Parkplatz

Kosten: —

Verfügbar: —

Nicht verfügbar: Strom, Dusche, WC, Trinkwasser, Entsorgung

Bewertung Lage: 1

Bewertung Ruhe: 1-2

Bewertung Sanitäranlagen: —

Mobilfunknetz: LTE

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One Comment

  • Andrea Rittgerodt

    Hi, das ist ein super schöner Bericht, der uns bei unserer Planung sicher viel helfen wird. Wir verschieben die Tour schon seit Corona Beginn. Aber nächstes Frühjahr um die gleiche Zeit soll es los gehen. Tolle Bilder waren dabei. LG Andrea

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