Fife Council

19.05.2022 – Von Newcastle nach Anstruther (288 km)

Die Nordsee meint es in dieser Nacht gut mit uns. Die spiegelglatte See sorgt für eine geruhsame Nacht ohne Schaukelei. Das Frühstücksbüffet läuft unter dem Motto „der Hunger treibt´s rein“, allerdings hatten wir auch keine andere Erwartungshaltung. Der Hafen von Newcastle befindet sich in der Mündung des Tyne Flusses und beeindruckt durch sein flankierendes Castle aus dem 11. Jahrhundert und die maritimen Wohngebäude.

Pünktlich legt die Fähre an und wir machen uns sogleich auf den Weg zu unserem ersten Ziel, dem kleinen Städtchen Anstruther. Schnell gewöhne ich mich an den Linksverkehr, schließlich haben wir Routine, unter anderem durch unsere zahlreichen Afrikareisen. Natürlich ist ein kurzer Stopp an der schottischen Grenze Pflicht, um das Grenzschild zu fotografieren.

Über die imposante Queensferry Crossing Bridge überfahren wir den Golf von Edinburgh und erreichen so das kleine, lauschige Council Fife.

Schon die Anfahrt nach Anstruther entlang der Küste ist ein landschaftlicher Hochgenuss. Wir passieren niedliche Dörfchen mit schmucken Häuschen, die sich in eine üppig grüne Hügellandschaft einpassen. Unser Plan, in dem reizenden Dörfchen Elie auf dem Parkplatz am Einstieg zum Fife Costal Path heute Nacht zu stehen, scheitert an den Freikapazitäten: Alle sieben ausgewiesenen Stellplätze für Wohnmobile sind belegt, und nur auf diesen Plätzen dürfen Wohnmobile über Nacht stehen. Also treten wir unverrichteter Dinge den Rückzug an und steuern den Silverdyke Caravan Park am Rande von Anstruther an, eine gute Wahl wie sich herausstellen wird. Der Platz liegt genau gegenüber der Isle of May, die wir morgen besuchen werden. Die reizende Rezeptionistin weist uns den letzten freien Stellplatz auf dem sehr schön gelegenen Campingplatz zu. Wir entscheiden uns, direkt zwei Nächte hier zu stehen. 

Ein großer Vorteil des Platzes ist, dass wir morgen früh von hier aus zu Fuß zum Hafen von Anstruther laufen können, von wo das Boot zur Isle of May startet. Hier gibt es zudem großartige Wandermöglichkeiten: Der Fife Coastal Trail verläuft unmittelbar vor unserem Campingplatz und ist ein einziges Vogelparadies. Wir entdecken zahlreiche Singvögel, unter anderem Rohrammern, Schwarzkehlchen, Schilfrohrsänger und viele andere mehr. Auch gibt der Weg einen Vorgeschmack auf den Seevogel-Potpourri, den wir morgen erleben werden: Im Uferbereich fühlen sich Eiderenten, Austernfischer und zahlreiche Kormorane pudelwohl.

Kurz vor Crail gelangen wir an eine markante Felsformation aus Sandstein. Die Caiplie Caves würden wir eher dem Bundesstaat Utah in den USA zuordnen als Schottland, aber dennoch stehen die eindrucksvollen Felsen nun einmal hier am Fife Coastal Trail! Heimische Kinder werfen Steine durch die Felsöffnungen, in der Hoffnung, ein Wunsch möge in Erfüllung gehen!

Die erste Tour durch die grandiose Küstenlandschaft macht Geschmack auf mehr! Fortsetzung folgt sicher in den nächsten Tagen. 

20.05.2022 – Auf der Isle of May

Nach einem schnellen Frühstück laufen wir hinunter zum Hafen von Anstruther. Um 9 Uhr legt die May Princess ab, um die Passagiere hinüber zur Vogelinsel Isle of May zu bringen. Die Tickets (34,– £ p.P.) haben wir ein paar Wochen vorher online bei Anstruther Pleasure Cruises gekauft – eine gute Idee, da die Bootsfahrten chronisch ausgebucht sind.

Bereits auf der Anfahrt werden uns vom Kapitän kompetente Informationen zu der Vogelwelt auf der Insel vermittelt. Er steuert sein Boot in fünfundvierzig Minuten hinüber zur Insel. Dort schippern wir eine Weile direkt an den senkrecht aufragenden Klippen entlang, in denen Tausende von Seevögeln brüten.

Am Hafen der Insel erwarten uns Ranger des National Nature Reserve und geben eine kleine Einweisung. Natürlich dürfen die Wege nicht verlassen werden, da die Seevögel teilweise unmittelbar am Wegesrand brüten, wie zum Beispiel Eiderenten-Weibchen, die durch ihr braunes Federkleid auch noch perfekt getarnt sind und fast wie ein Stein aussehen, wenn man nicht genau hinschaut.

Wir sind auf der Insel schließlich Gäste, und die Vögel sollen möglichst wenig, insbesondere während der Brutzeit, gestört werden. Die Insel erinnert uns an unseren Trip auf die Galapagosinseln – auch hier kommt man unglaublich nahe an die Vögel heran, die von den „Eindringlingen“ kaum Notiz zu nehmen scheinen.

Rund eine Viertel Million Seevögel brüten auf der Insel, eindeutige Stars sind aber die Papageitaucher (Puffins), deretwegen wohl die meisten der Besucher das Eiland besuchen. Papageitaucher, die zur Familie der Alkvögel gehören, verbringen nur die Brutzeit an Land und überwintern zwischen August und April auf offenem Meer. Der dreieckige, bunte Schnabel und die orangefarbenen Füße machen ihn selbst für nicht-ornithologisch vorgebildete Menschen unverwechselbar. Papageitaucher brüten in einer bis zu einen Meter tiefen Höhlen, deren Ausgänge über die gesamte Insel verstreut zu sehen sind. Die Brutzeit beträgt rund vierzig Tage.

Auch landschaftlich ist das kleine Eiland traumhaft schön. Gleich am Hafen erwartet uns eine Kolonie Seeschwalben, die uns mit ohrenbetäubendem Lärm umkreisen. Wenn man Pech hat und den Nestern zu nahekommt, können Seeschwalben ungemütlich werden und im Sturzflug dem unvorsichtigen Besucher bedrohlich nahekommen.

Ansonsten sind die Seeschwalben unentwegt damit beschäftigt, Nahrung zu beschaffen, überwiegend ihre Leibspeise Sandaale. Papageitaucher teilen übrigens diese Vorliebe!

Auf der Isle of May steht auch der älteste Leuchtturm Schottlands aus dem Jahr 1636. Er wurde erst 1811 durch ein neues Leuchtfeuer ersetzt. Einige uralte Gerätschaften zeugen von dem Betrieb vergangener Tage und sind nun der Witterung und den Naturgewalten ausgesetzt.

Immer wieder stoppen wir an markanten Punkten und beobachten das bunte Treiben brütender, sich paarender oder aber noch balzender Seevögel. Es gibt auch eine große Kolonie von Tordalken, die mit den Papageientauchern verwandt sind und ebenfalls zur Familie der Alkvögel gehören. Auch sie haben wir, wie die Papageitaucher, noch nie zuvor in freie Natur gesehen. Ein weiterer Vertreter aus der Familie der Alkvogel brütet in den steilen Felsen, die Trottellummen, die ihren Namen ihrem tapsigen Gang verdanken. 

Die drei Stunden auf der Insel vergehen wie im Flug, und wir haben das Gefühl, eines der großen Highlights unserer Schottland-Reise bereits zu Beginn erlebt zu haben. Die May Princess bringt uns zurück nach Anstruther, wo wir natürlich an der hoch gelobten Anstruther Fish Bar nicht vorbeigehen können, ohne die „besten Fish & Chips der Region“ zu kosten! Der kleine Imbiss mit angeschlossenem Schnell-Restaurant rühmt sich damit, „Takeaway of the Year“ zu sein! Hier kommt immerhin fangfrischer Fisch, im Original Schellfisch, in die Fritteuse! Auf einer Bank am Hafen verspeisen wir das gefühlt fettigste Mahl unseres Lebens und stellen fest, dass die Einheimischen selbst ihre Hunde mit dem vor Fett triefenden Zeug füttern!

Leider ähnelt ihr Habitus dann häufig dem ihrer Herrchen, und nicht selten hängt der Bauch dieser bemitleidenswerten Geschöpfen fast am Boden! Unser Lieblingsgericht wird Fish & Chips in diesem Leben jedenfalls nicht mehr!

Wir schlendern noch eine Weile durch das niedliche Städtchen, schießen Fotos und verbringen den Rest des Tages dann am Wohnmobil.

Stellplatzbewertung Silverdyke Caravan Park

Ort: Anstruther; 56.2285, -2.6869

Art des Stellplatzes: Campingplatz

Kosten: 29,– £

Verfügbar: Strom, Dusche, WC, Trinkwasser, Schwarz- und Grauwasser Entsorgung

Nicht verfügbar: —

Bewertung Lage: 2

Bewertung Ruhe: 1

Bewertung Sanitäranlagen: 1

Mobilfunknetz: 3G, schlechtes kostenloses W-Lan verfügbar

Galerie

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