Zeeland / Holland 2023

Das wechselhafte Wetter in ganz Europa macht uns die Entscheidung, eine Destination für unsere einwöchige Auszeit Ende November zu finden, nicht leicht. Schließlich entscheiden wir uns für die holländische Provinz Zeeland, da wir am Wochenende zuvor noch Familienbesuche in Köln vorhaben, was mehr oder weniger auf dem Weg liegt! Zeeland besteht zum größten Teil aus Inseln und Halbinseln. Aus diesem Grund besitzt die Provinz mehr Küstenkilometer und Strände als jede andere in Holland! Zudem gibt es einige küstennahe Naturschutzgebiete zu entdecken, in denen sich auch seltene Vögel tummeln. Es ist unsere erste Wohnmobil-Reise nach Holland!

Spartip für Wohnmobil-Touren durch Holland: Zum Zeitpunkt unserer Reise ist LPG-Gas an den Autobahn-Tankstellen rund 25 Cent/Liter günstiger als in Deutschland (0,75 €/Liter). Für alle Wohnmobil-Reisenden, die einen Gastank verbaut haben, eine gute Möglichkeit Urlaubsbudget einzusparen. Die Kosten für Gasflaschen haben wir nicht gecheckt.

Diesel ist hingegen deutlich teurer, so dass man vor dem Überfahren der Grenze in Deutschland noch einmal auftanken sollte.

19. November 2023 – Der Strand bei Westkapelle

Bei wechselhaftem Wetter erreichen wir am späten Nachmittag die Halbinsel Walcheren. Der Campingplatz Weltevreden in der Nähe von Westkapelle befindet sich unmittelbar hinter den Dünen und gehört zu den wenigen Campingplätzen in Zeeland, die im Winter geöffnet haben. Hier geht es sehr entspannt zu und die Sanitäranlagen sind geradezu luxuriös (mit Fußbodenheizung). Freistehen für Wohnmobile ist auf allen Parkplätzen an der Küste ab 21 Uhr verboten, so dass die Auswahl an Stellplätzen um diese Jahreszeit sehr begrenzt ist. Die Campingplatzdichte in Zeeland ist ansonsten beeindruckend, ein Platz reiht sich häufig an den nächsten. In der Sommersaison sind viele Stellplätze ausgebucht, was nicht unbedingt unser Fall wäre! Im Winter geht es in Zeeland aber beschaulich zu, genau richtig für uns, um nach anstrengenden Wochen abzuschalten und uns den Nordseewind um die Nase wehen zu lassen!

Die westlichste Halbinsel Zeelands steht für Naturschutzgebiete mit einer außergewöhnlichen Flora und Fauna, lange Strände und gemütliche Dörfer und Städte. Natürlich lassen wir es uns nicht nehmen, trotz Sturm und Nieselregen noch die Umgebung bei einem ausgedehnten Strandspaziergang zu erkunden. Der Strand vor dem Campingplatz lädt ein zum Wandern und ist auch mit den zahlreichen Buhnen wunderschön. Wenn man die Dünen erklommen hat,  muss man lediglich die Entscheidung treffen: Gehe ich nach links oder rechts!? Ein paar Kite-Surfer ziehen in den tosenden Wogen der Nordsee ihre Bahnen. Auch eine junge Reiterin lässt sich zu einem Ausritt am Strand hinreißen. Später entdecken wir einige Watvögel, Steinwälzer, Sanderlinge und Regenpfeifer – ein perfekter Start in unseren Kurztrip an die holländische Nordseeküste.

20. November 2023 – Naturschutzgebiet Noordervroon

Eine große Runde bis zum Naturschutzgebiet Noordervroon steht auf dem Plan. Zunächst laufen wir am Strand entlang bis nach Westkapelle. Unzählige Austernfischer und auch Steinwälzer picken am Ufersaum oder in den Buhnen nach allerlei Getier.

Am Deich in Westkapelle befindet sich das Kriegsmuseum. Der „Sherman-Panzer“ und eines der Landungsboote sind bleibende Ehrenbezeugungen an die alliierten Truppen, die am 1. November 1944 an der erfolgreichen Operation teilnahmen, um die deutschen Besatzer aus Walcheren zu vertreiben. Die Operation war entscheidender Wegbereiter für Freiheit und Frieden in Europa. Dennoch hatte die Bevölkerung der Halbinsel auch unter dem Bombardement der Alliierten zu leiden, da aus kriegstaktischen Gründen die Deiche zerbombt und dadurch ganze Städte unter Wasser gesetzt wurden.

Hinter dem Deich kann man auf Westkapelle hinunterschauen, ein heutzutage eher gesichtsloser Ferienort, wie viele andere an der holländischen Nordseeküste auch. Nur der Leuchtturm sticht aus dem Ensemble hervor: Das Leuchtfeuer wurde auf einem alten gotischen Kirchturm errichtet.

Die Äcker und Weiden hinter dem Deich bei Westkapelle wurden 2007 in das wasserreiche Naturschutzgebiet Noordervroon umgewandelt. Wegen seiner einmaligen Lage am westlichsten Punkt der Halbinsel Walcheren ist es ein Anziehungspunkt für zahlreiche Brutvögel, aber auch für Wintergäste wie Krick- und Löffelenten. Sogar die in Deutschland selten gewordenen Pfeifenten fühlen sich in dem Feuchtgebiet pudelwohl. Auch verschiedene Gänsearten sichten wir, unter anderem Kanada-, Nonnen- und Ringelgänse. 

Leider sind die Mittagsstunden sehr verregnet, so dass wir uns schnell dem Strandpavillon BomBaai zuwenden, um einen Mittagssnack einzunehmen. Die Fish & Chips (aus Kabeljau) sind sehr empfehlenswert!

Stellplatzbewertung Camping Weltevreden

Ort: Westkapelle

Art des Stellplatzes: Campingplatz

Kosten: 24,70 €

Verfügbar: alle Einrichtungen verfügbar

Lage: 1-2

Ruhe: 2 – 3 (Landstraße in Hörweite)

Sanitäranlagen: 1

Mobilfunknetz: LTE, sehr gutes kostenloses W-Lan

21. November 2023 – Naturschutzgebiete Oranjezon & de Manteling van Walcheren

Da heute die Naturschutzgebiete Oranjezon und De Manteling auf dem Programm stehen, ziehen wir um. Unmittelbar am Naturschutzgebiet gibt es den charmanten Campingplatz Oranjezon, der den ganzen Winter über zehn Stellplätze offenhält. Tatsächlich stehen wir mutterseelenallein auf dem schön angelegten Platz. Im Sommer gibt es dreihundert Plätze für Camper sowie zahlreiche Mobile Homes zu mieten. Dennoch wirkt der Platz mit seinen hohen Hecken, die als Unterteilungen dienen, alles andere als riesig. Die Betreiber an der Rezeption sind freundlich und hilfsbereit. Das könnte ein Platz für eine Wiederholung in Zeeland werden!

Wir richten uns kurz ein und machen uns dann bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg zu unserer Wanderung durch das Oranjezon. Am Zugang zum Naturschutzgebiet entrichten wir 1 € Eintrittsgeld am Automaten. In vergangenen Zeiten war Oranjezon ein Wassergewinnungsgebiet, was man auch heutzutage noch an den zahlreichen Kanälen erkennen kann. Mehr als zweihundert verschiedene Vogelarten können hier gesichtet werden. Manche kommen allerdings nur zum Brüten, zum Überwintern oder als Zugvögel hierher. Unsere Ausbeute ist indes spärlich: Außer einem einsamen Graureiher, ein paar Reiherenten sowie Blässhühnern ist auf den Kanälen nichts zu sehen!

Die Vielfalt der Biotope vom dichten Wald bis hin zum Dünengrasland Dünental sorgt für eine reiche Artenvielfalt.  Wir haben das Glück, einen Damhirsch mit seinem Rudel aufzuspüren. Das Damwild kam hierher, als Walcheren 1944 nach dem Deichbombardement überschwemmt wurde. Die Gutsbesitzer öffneten die Tore ihrer Wildgehege, um die Tiere zu retten. Die Population hat sich seitdem prächtig entwickelt.

Wir nähern uns den Dünen und dem Strand. Nur wenige Wanderer verirren sich heute am weitläufigen, wunderschönen Strand. Selbst in der Hochsaison scheint es hier nicht überfüllt zu sein, da der Strandbesuch mit einem längeren Fußmarsch verbunden ist.

Viele Strandpavillons haben in der Wintersaison geschlossen, nicht so der „De Piraat“. Hier lassen wir uns „holländische Spezialitäten“ schmecken: Kibbeling (frittierter Fisch) mit Remoulade sowie Bitterballen, Fleischkroketten, die ihren Ursprung in Indonesien haben.

Nach unserer Rast laufen wir noch ein ganzes Stück am Strand entlang und wenden uns schließlich dem Kasteel Westhove zu. Zuvor aber durchqueren wir unmittelbar hinter den Dünen einen verwunschenen Wald mit knorrigen Eichen, eine Spezialität des Naturschutzgebietes von de Manteling. Kaum irgendwo sonst in Europa wachsen Laubbäume so nah an der Küste. Es gibt auch viele Rhododendren und andere außergewöhnliche Bäume.

Dem Schloss Westhove sieht man noch heute deutlich an, dass es einst eine bedeutende Burg gewesen sein muss. Sie muss irgendwann vor dem Jahr 1300 erbaut worden sein, das genaue Jahr ist jedoch nicht bekannt. Von der mittelalterlichen Burg ist nicht mehr viel übrig, da sie sehr häufig renoviert wurde. In dem ehrwürdigen Gebäude hat sich mittlerweile eine Jugendherberge niedergelassen. Leider ist der Garten und das Museum geschlossen.

Den Rückweg treten wir an durch des schöne Naturschutzgebiet de Manteling van Walcheren. Einen Zugang in das benachbarte Oranjezon Gebiet suchen wir jedoch vergeblich, den gibt es von Oostkapelle kommend nicht.

Nach insgesamt über 15 Kilometern sind wir einigermaßen platt, als wir unser Wohnmobil erreichen. Dort machen wir uns einen gemütlichen Abend bei einem selbstgekochten Menü.

22. November 2023 – Naturschutzgebiet Oranjezon Teil 2

Uns hat Oranjezon so gut gefallen, dass wir einen weiteren Tag im Naturschutzgebiet wandern wollen. Kurz hinter dem Eingang sichten wir direkt einen majestätischen Damhirsch, der auf einem Hügel stehend sein Revier überblickt.

Im östlichen Teil gibt es einen gekennzeichneten Rundweg, der durch eine malerische Dünenlandschaft rund um ein Feuchtgebiet führt. Hier leben in freier Wildbahn Konik-Pferde, die in ganz Mitteleuropa für die Pflege von Naturschutzgebieten eingesetzt werden.

Wenn man in Oranjezon wandert, sollte man beachten, dass es nur sehr wenige Ausgänge aus dem Gebiet gibt. So steht man nicht selten vor einem verschlossenen Tor und muss umkehren! Nachdem wir endlich einen Ausgang gefunden haben, verbringen wir den Rest des Tages mit einer ausgedehnten Wanderung entlang des Strandes, kombiniert mit einer Mittagspause im Strandpavillon de Piraat.

Rund 1,5 Kilometer vom Campingplatz entfernt befindet sich der gut sortierte Hofladen Loverendale Ter Linde. Hier kann man frisches Brot, sehr leckeren Ziegenkäse und natürlich allerlei frisches Biogemüse kaufen. Somit sind wir für die nächsten Tage gut mit frischen Lebensmitteln für unsere abendlichen Koch-Sessions ausgestattet!

23. November 2023 – Vogelparadies Veerser Meer

Das nahe Veerser Meer ist ein weiterer ornithologischer Hotspot und eine sehr schöne Wanderung. Es ist 1961 entstanden als die ehemalige Flussmündung durch den Zandkreekdam und den Veerse Gatdam beidseitig abgesperrt wurde und zu einem Brackwassersee wurde. Es gibt fünf nicht zugängliche Inseln, die Vögeln als Rückzugsort und Brutgebiet dienen. Natürlich ist der Winter auch hier nicht der beste Zeitpunkt, um Vögel zu beobachten. Immerhin entdecken wir neben den üblichen Verdächtigen ein paar Mittelsäger, Steinwälzer, Zwergtaucher und sogar ein Prachttaucherpärchen.

Der Strand gegenüber dem Veerser Meer gleicht einer unendlichen Wüste! Der feinsandige Strand ist so breit, dass man kaum das Wasser vom anderen Ende aus erspähen kann. Bei Ebbe ergeben sich interessante Schattenspiele und auch Fotomotive am Spülsaum.

Stellplatzbewertung Camping Oranjezon

Ort: Oranjezon bei Oostkapelle

Art des Stellplatzes: Campingplatz

Kosten: 19,50 € (Winterpreis!)

Verfügbar: alle Einrichtungen verfügbar

Bewertung Lage: 1-2

Bewertung Ruhe: 1

Bewertung Sanitäranlagen: 2 (im Winter unbeheizt)

Mobilfunknetz: LTE, sehr gutes kostenloses W-Lan

24. November 2023 – Insel Schouwen-Duiveland

Heute zieht es uns auf die Insel Schouwen-Duiveland. Die Zeeland Inseln werden hier verbunden durch den Haringvlietdamms, Europas größtes Tidesperrwerk. Es besteht aus 17 je 62 Meter breiten Durchlässen, mit denen der Abfluss, vom Rhein gespeist, genau dosiert werden kann. Aber auch der Zufluss des Salzwassers aus der Nordsee wird bei Flut durch die Hubtore kontrolliert.

An der Spitze von Schouwen-Duiveland liegt das Dorf Westerschouwen, in dem der gepflegt wirkende Campingplatz Duinoord zu finden ist. Dort suchen wir uns einen schönen Stellplatz aus. Direkt hinter dem Campingplatz beginnt der Westerschouwener Forst, Zeelands größtes Waldgebiet. Wir wollen einen langen Rundweg nach Nieuw-Haamstede machen. Durch den Wald verlaufen zahlreiche gekennzeichnete Wanderrouten. Immer wieder ziehen kurze Schauer über uns hinweg – der heutige Tag ist leider verregnet. Während der Wanderung durch den Wald können wir die Brandung der Nordsee hören. 

Der zweite Teil des grün gekennzeichneten Weges ist geprägt durch eine hügelige Dünenlandschaft. Dementsprechend anstrengend wird es nun; den Leuchtturm von Nieuw-Haamstede, unser Ziel für unsere Mittagspause, haben wir immer mal wieder vor Augen. In weichem Sand führt der Pfad auf- und abwärts. Endlich erreichen wir den kleinen Weiler, der aus einer Ansammlung von Ferienhäusern besteht. Leider müssen wir noch den ganzen Ort durchlaufen, um zum einzigen geöffneten Restaurant im Hotel Fletcher´s zu gelangen. Das Lunch-Angebot ist unspektakulär, aber sättigend!

Dünen bei Nieuw-Haamstede

Da wir schon über zehn Kilometer auf der Uhr haben, graut uns ein wenig vor dem langen Rückweg, zumal es während unserer Pause heftig angefangen hat zu regnen. Letztlich werden wir aber eines Besseren belehrt: Der Weg über den Strand ist grandios. Heftiger Rückenwind lässt uns geradezu im Rekordtempo nach Hause fliegen.  Der Strand bei Ebbe ist bretthart und bestens begehbar, so dass wir auch nicht mit tiefem Sand zu kämpfen haben! Die Sandverwehungen im Abendlicht ergeben interessante Fotomotive.

Strand von Westerschouwen

Stellplatzbewertung Camping Duinoord

Ort: Westerschouwen

Art des Stellplatzes: Campingplatz

Kosten: 30 €

Verfügbar: alle Einrichtungen verfügbar

Bewertung Lage: 1-2

Bewertung Ruhe: 1

Bewertung Sanitäranlagen: 1-2

Mobilfunknetz: LTE, gutes kostenloses W-Lan

25. November 2023 – Strand von Ouddorp

An unserem letzten Tag zieht es uns noch einmal an die schönen Strände Zeelands, dieses Mal nach Ouddorp, das auf der östlichsten Insel Zeelands, Goeree-Overflakkee, liegt. 

Doch zunächst statten wir dem Naturschutzgebiet Kwade Hoek einen Besuch ab. Auf einem kleinen Parkplatz am Zugang stellen wir unser Wohnmobil ab. Es stellt sich heraus, dass sich die kleine Runde in Kwade Hoek zu dieser Jahreszeit kaum lohnt, da das Gebiet weitgehend überschwemmt ist und auch keinerlei Vögel auszumachen sind.

So nehmen wir Kurs auf unseren auserwählten Campingplatz für heute Nacht, Camping Zonnewende, der direkt hinter den Dünen des Strandes liegt. Auch hier sind wir wieder einmal die einzigen Gäste. Der Platz ist sehr einfach und wirkt ein wenig vernachlässigt, hat aber auf der anderen Seite alles, was wir brauchen. Wenn der Platz im Sommer voll wird, kann es in den recht einfachen Sanitäranlagen eng werden! 

Sogleich machen wir uns auf zum Strand und wandern zu einem der geöffneten Strandpavillons, um unsere obligatorische Mittagspause einzulegen. Der Strand ist fest in Kitesurfer Hand, die auf ihren Brettern den staunenden Strandwanderern spektakuläre Sprünge präsentieren.

Stellplatzbewertung Camping Zonnewende

Ort: Ouddorp

Art des Stellplatzes: Campingplatz

Kosten: 21,50 € (Winterpreis), Strom und Dusche extra

Verfügbar: alle Einrichtungen verfügbar

Bewertung Lage: 1-2

Bewertung Ruhe: 1

Bewertung Sanitäranlagen: 3

Mobilfunknetz: LTE, kostenloses W-Lan

Galerie

Noch mehr Foto-Reiseberichte über Benelux-Länder

Literatur für deine Wohnmobil-Tour nach Zeeland*

  • = Affliliate Link

Wir freuen uns über deinen Kommentar!