Prince Albert

12. Februar 2016, Tulbagh – Prince Albert (350 Kilometer)
Fahrt durch die heiße Karoo nach Prince Albert

Auch unser zweites Frühstück genießen wir noch einmal in vollen Zügen bevor wir uns von Graham und den Angestellten der Villa verabschieden müssen. Graham hat uns noch einen kleinen Umweg über das malerische Slanghoek Tal empfohlen. Anschließend fahren wir auf der N1 durch die unendlichen Weiten der Karoo – auf den ersten Blick unwirtlich, heiß und trocken, landschaftlich aber ein Schmuckstück. Da die N1 hervorragend ausgebaut ist, kommen wir schneller als erwartet voran und sind bereits zur Mittagszeit in Prince Albert.

Colleen, unsere Gastgeberin im Prince Albert Country Stay*, empfängt uns herzlich und lädt uns erst einmal auf ein Glas eisgekühlter, selbstgemachter Zitronenlimonade in ihren Garten ein.

Hier schwirren zahlreiche Vögel im Schatten der Bäume und Büsche, unter anderem entdecken wir prächtig gefärbte Southern Red Bishops (Oryxweber) sowie Pin Tailed Whydahs (Dominikanerwitwe)! Bei diesem Vogel ist wieder einmal die Schönheit von Männchen und Weibchen extrem ungerecht verteilt: Während das Männchen eine wunderschöne lange Schwanzfeder, eine deutlich definierte schwarz-weiße Färbung des Federkleides sowie einen knallroten Schnabel aufweist, ist das Weibchen gräulich-braun und völlig unscheinbar.

Brütende Männchen sind extrem aggressiv und verscheuchen andere Spezies mit allen Mitteln. Außerdem parasitieren sie, ähnlich wie der Kuckuck, mit anderen Vögeln, vornehmlich mit Waxbills.

Das kleine Gästehaus liegt hinter dem spannenden Antiquitätenladen „Country Store“, in dem allerlei altes Zeug aus längst vergessenen Tagen zu allerdings ziemlich heftigen Preisen verkauft wird. In dem kleinen Lädchen lässt es sich in jedem Fall vortrefflich stöbern.

Auch unser Zimmer „The Loft Room“ ist liebevoll eingerichtet, verfügt über ein großes Kingsize-Bett und vor allem auch eine Klimaanlage – in der Hitze der Karoo absolut erforderlich! Unser Thermometer zeigt bereits wieder annähernd 40 °C an, während das Zimmer angenehm abgekühlt ist!

Im kleinen Innenhof befindet sich ein kurioser kleiner Pool, in dem man allerdings erst ab Nachmittag Privatsphäre genießen kann. Bis dahin sitzen im schönen Garten auch Gäste des Cafés, trinken Kaffee oder nehmen einen kleinen Lunch ein.

Am späten Nachmittag machen wir einen kleinen Spaziergang durch das verschlafene kleine Nest. Die Ursprünge von Prince Albert gehen in das Jahr 1762 zurück, den Namen erhielt der Ort aber erst 1901 von Prince Albert, dem Mann von Queen Victoria. Viele schöne alte Häuser im viktorianischen sowie im Cape-Dutch Stil stehen an der Durchgangsstraße des Ortes, der Church Street. Die kleinen Boutiquen, Antiquitätengeschäfte und Galerien leben im Wesentlichen von den Touristen, die den Swartbergpass befahren und hier ihre Tour beginnen oder beenden. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum um 5 Uhr nachmittags bereits alle Geschäfte geschlossen sind. Sehenswert im Ort sind die aus Stümpfen von 130 Jahre alten Blauen Eukalyptus Bäumen erschaffenen Skulpturen in der Church Street. Der Bildhauer Richard John Forbes hat die alten absterbenden Bäume zusammen mit einem befreundeten Künstlerkollektiv im Jahre 2007 bearbeitet. Auch die hübsche Kirche lohnt sich zumindest für einen kurzen Fotostopp.

Oberhalb des Örtchens verläuft ein Wanderweg, den wir zum Sonnenuntergang begehen. Über der Karoo gibt es abends grandiose Farbspiele zu bestaunen, so auch heute. Wir vergessen beim Fotografieren fast die Zeit, so dass wir den Rest des Weges nahezu im Dunkeln absolvieren müssen.

Colleen hat für uns heute Abend einen Tisch im Gallery Café bestellt. Leider erhalten wir keinen Platz auf der schönen Außenterrasse, sodass wir mit einem Platz im Innern des Restaurants vorlieb nehmen müssen. Das Essen ist vorzüglich, ebenso die große Weinkarte. Wir ordern Feigen mit Gorgonzola sowie Entenleberpastete, als Hauptgerichte Eland-Filet (165 ZAR) und „Karoo-Lamb“ (145 ZAR), auch zwei köstliche Desserts gönnen wir uns heute: Hausgemachtes Grapefruit und Zitronen Sorbet, sowie ein gefülltes Schokoküchlein mit Vanilleeis.

13. Februar 2016, Prince Albert – Oudtshoorn
Spektakuläre Fahrt über den Swartberg Pass (80 Kilometer)

Morgens um 7 Uhr werden überall im Garten kleine Plattformen mit Vogelfutter bestückt und sogleich stürzt sich die ganze Vogelschar darauf. Sprichwörtlicher Futterneid kommt immer wieder auf und mit viel Gezeter versucht ein jeder Vogel seine Poolposition an den Futterplätzen zu behaupten. Für die Maskenweber und Red Bishops wird es eng, wenn „fette“ Guineatauben (Speckled Pigeons) auf die Plattformen fliegen und den kompletten Platz für sich beanspruchen. Auch sehen wir wieder die wundervollen Whydah Männchen, deren Flüge durch die langen Schwanzfedern etwas unbeholfen wirken. Schönheit hat halt manchmal ihren Preis!

Das Frühstück ist sehr lecker – zunächst gibt es Obstsalat mit Joghurt, Cerealien und Karoo-Honig, gefolgt von Rührei mit Speck und Pilzen. Samstags findet in Prince Albert ein kleiner Markt statt, auf dem wir uns umschauen. Allerlei Leckereien werden an den Ständen feilgeboten, von frischen Eiern und Obst, bis hin zu hausgemachtem Grapefruitsirup, Karoo-Honig, frisch zubereiteten Pancakes, Oliven, Öl und Ingwerbier.

Am Rande von Prince Albert gibt es den kleinen Laden „Avoova“, in dem kunstvoll hergestellte Accessoires aus Straußeneiern verkauft werden. Die dazugehörige Fabrik, die derzeit fünfzehn Einheimischen ein Einkommen sichert, liegt unmittelbar daneben. Die Eischalen werden für die Objekte zunächst in kleine Teile zerbrochen und anschließend als Mosaik wieder zusammengefügt und mit einer Zementmasse aufgefüllt. Man kann wundervolle Armreifen, Schalen, Bilderrahmen oder auch Kerzenhalter erstehen.

Wir können an einem Straußenei mit einem kunstvollen Afrikamotiv nicht vorübergehen, das auf gleiche Art und Weise gefertigt worden ist.

Die Mosaiksteine wurden dabei auf ein anderes Ei, das sozusagen als Form fungiert, geklebt, mit Zement aufgefüllt, poliert  und anschließend lasiert. Der scheinbar nicht ganz günstige Preis von 1.250 Rand wird dadurch relativiert, dass das Straußenei das Ergebnis mehrerer Arbeitstage ist!

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