Umfolozi Park

28.10.2012
Am nächsten Morgen erwartet uns ein reichhaltiges Frühstück, dem mit Sicherheit besten Frühstück unserer gesamten Reise, mit frischen Früchten, Spiegeleiern, Käse und Schinken. Mit uns am Tisch sitzt eine Familie aus Bremen, die bereits eine weite Tour durch Südafrika hinter sich hat. Wir packen einen kleinen Rucksack mit Dingen, die wir auf unserer fünftägigen Wanderung durch den Umfolozi Park benötigen und deponieren den Rest unseres Gepäcks im Guesthouse. Danach machen wir uns auf ins Abenteuer.

Es sind knapp 50 Kilometer bis zum Gate des Parks. Wir passieren zahlreiche teils heruntergekommen wirkende Dörfer. Auf den Straßen herrscht ein lebhaftes Treiben, immer wieder müssen wir stoppen, da Rinder die Straße überqueren oder es sich auf dem Asphalt bequem gemacht haben. Wir erreichen das Gate und werden zunächst registriert. Ein ziemlich unfreundlicher Ranger raunzt uns an „You are much too late for the trail“. Nach kurzer Diskussion stellt sicher heraus, dass er irrtümlich geglaubt hat, wir würden an dem „11 Uhr Trail“ teilnehmen. Am Parkeingang erhalten wir ein Informationsblatt, in dem Fahrwege, Beobachtungs- und Picknickplätze verzeichnet sind, besser ist allerdings der Kauf der illustrierten Kartenmappe, die ebenfalls hier für 30 Rand angeboten wird.

Sie enthält eine detaillierte Gebietsübersicht, Angaben von Entfernungen, sehenswerte Beobachtungsplätzen mit Hinweisen und Illustrationen zu dem vorkommenden Wildlife.

Der 1895 gegründete Hluhluwe/Umfolozi Park ist der älteste Wildpark Afrikas. 1989 wurden die beiden Sektionen zu einem zusammenhängenden Park zusammengefügt. Umfolozi ist dabei doppelt so groß wie sein bekannterer Bruder Hluhluwe. Der Park umfasst über 1000 Quadratkilometer und ist somit das drittgrößte Naturschutzgebiet in Südafrika. Der Park ist ein „Big 5 Park“, aber seine Bekanntheit verdankt er im Wesentlichen seinem Nashornbestand. Nirgendwo auf der Welt leben mehr Rhinos als hier im Park.
Auch Löwen, Büffel und Giraffen entdeckt man in dem von der Fläche deutlich kleineren Park als im sehr viel berühmteren Krüger Nationalpark. Der Park enthält große Baumsavannengebiete und eine große Überschwemmungsebene, die in der Regenzeit von den Flüssen White und Black Imfolozi beherrscht wird.

Nachdem die Prozedur am Gate erledigt ist, dürfen wir endlich in den Park einfahren. Unmittelbar hinter dem Gate gabelt sich die Straße: Rechts geht es in den Hluhluwe Sektor, links zum Imfolozi. Bis zum Mpila Camp, dem Hauptcamp und Parkbüro des Imfolozi-Sektors ist es noch eine gute halbe Stunde Fahrt über eine von tiefen Schlaglöchern übersäte Straße. Unterwegs sehen wir bereits das erste White Rhino (Breitmaul-Nashorn), das friedlich am Wegesrand grast sowie viele andere Tiere, wie Zebras, Gnus, Giraffen und aus der Ferne auch zwei Elefanten.

Immer wieder bewundern wir auch die fast zerbrechlich wirkenden Impalas, die in großer Stückzahl den Park bevölkern. Wenn sie bei Gefahr flüchten, machen sie meterlange geschmeidige Sätze, und wir können uns an diesem anmutigen Bild kaum satt sehen.

Im Mpila Camp werden wir noch einmal für den von uns gebuchten fünftägigen Explorer Trail registriert. Alle Trails können ausschleßlich gebucht werden über KZN Wildlife. Pro Person kostet unser Trail mit vier Übernachtungen und Vollverpflegung 3.025 Rand. Nachdem wir die Entrance Fee von 110 Rand pro Person und Tag entrichtet haben und unterschrieben haben, dass wir uns auf dem Trail auf eigenes Risiko bewegen, werden wir angewiesen, uns um 14 Uhr im Mndindini Bushcamp einzufinden. Eine Zeit lang fahren wir noch durch den Park und steuern dann pünktlich unser Bushcamp an.

Die Dustroad zum Bushcamp darf ausschließlich von Teilnehmern der Trails befahren werden, ab dem Camp beginnt dann die Wildnis des Parks ohne jegliche Wege, die nur noch zu Fuß (oder mit dem Kanu über den Fluss) erkundet werden kann. Das Ökosystem von Flora und Fauna ist ausschließlich sich selbst überlassen und wir „Auserwählten“, die diesen Sektor betreten dürfen, sind aufgefordert, nichts als unsere Fußspuren hier zu hinterlassen!

Der Explorer Trail gilt für viele als einer der besten Trails im Umfolozi Park, da er den Primitive Trail, bei dem man ausschließlich unter freiem Himmel übernachtet und den Base Camp Trail mit Übernachtungen in Safari Tents kombiniert. Das Erlebnis, unter freiem Himmel mitten in der Wildnis zu übernachten, stand bei unserer Buchung ganz weit im Vordergrund und der Explorer Trail war Anfang November die letzte Möglichkeit, dieses Abenteuer zu erleben. Mitte November werden aufgrund der einsetzenden Hitze alle Trails geschlossen.

Als wir im Camp ankommen, streunt gerade eine Gruppe von Pavianen rund um die Zelte herum. Ein großer Pavian Mann schnappt sich plötzlich einen mit Rusks (südafrikanische Hartkekse) gefüllten Eimer und verschwindet im Busch, verfolgt von einer beleibten schwarzen Köchin mit weißer Plastikschürze, die gestikulierend und fluchend hinter dem dreisten Pavian hinterherläuft. Natürlich ist der Pavian schneller, und Constance, unsere Köchin für die Zeit im Basecamp, wie sich später herausstellt, gibt schließlich ihre Verfolgungsjagd auf.

Unsere beiden Ranger treffen schließlich auch ein und stellen sich vor. Sicelo ist der Leading-Guide, Mphile ist noch in der Ausbildung und ist der sogenannte Back-Up auf der Tour. Unsere Gruppe besteht insgesamt aus fünf Personen, außer uns ist noch ein weiteres Paar mit dabei, Keara aus Irland und Tor aus Norwegen, sowie Cooper, ein Ranger aus einem Nationalpark in den USA (Mount Rainer Nationalpark). Kurz werden uns noch einmal die Verhaltensregeln mitgeteilt, die wir bereits auf der KZN Website gelesen haben:

Auf dem Trail sind Uhren und Mobiltelefone und natürlich auch Laptops strengstens verboten, um das „Wildernes Experience“ ohne jegliche störenden Einflüsse der Zivilisation erleben zu können. Zudem herrscht absolute Schweigepflicht während der Bush Walks. Wenn jemand etwas entdeckt, tut er dies kund, in dem er drei Mal mit der Zunge schnalzt. Man sollte sich viel häufiger auf solche Wildnis-Erlebnisse einlassen, in denen man sich von sämtlichen zeitlichen Abhängigkeiten, Verabredungen und sonstigen Dates verabschiedet. Auf diese Weise wird das Naturerlebnis deutlich intensiver – dies wird uns in den kommenden Tagen wieder einmal klar werden.

Wir beziehen unser Safari Tent, das auf einer hölzernen Plattform steht und zwei bequeme Einezlbetten enthält. Nachdem wir uns eingerichtet haben, machen wir unsere erste kurze Erkundungstour in der Nähe des Camps. Wir erhalten eine kurze Einführung in die Verhaltensregeln beim Aufeinandertreffen mit Nashörnern: Wir sollen uns auf Kommando der Ranger langsam vom Tier entfernen und möglichst hinter einen Busch oder Baum „verstecken“! Nashörner können mitunter sehr aggressiv werden, insbesondere, wenn sie mit Jungtieren unterwegs sind.

Schon nach kurzer Zeit treffen wir auf eine tiefe aufgewühlte Kuhle und Sicelo erklärt, dass die White Rhinos mit diesen Kuhlen ihr im Durchmesser rund zwei Kilometer großes Revier markieren. Die Kuhlen der White Rhinos, die im ganzen Busch anzutreffen sind, sind die reinsten „Shopping-Malls“ im Ökosystem:

Dung-Beetle finden sich hier in Massen ein und rollen in Scharen ihre Dung-Kugeln vor sich her. Sie sind wiederum die reinsten Leckerbissen für Ibisse und andere Vögel, die ihrerseits von anderen Räubern gejagt werden! Die Black Rhinos sind im Gegensatz zu ihren Vettern nicht territorial und streifen ohne festen Standort durch den Busch auf der Suche nach Sträuchern und Büschen, ihrer Hauptnahrungsquelle. Wenn White Rhinos und Black Rhinos aufeinandertreffen, kommt es nie zum Kampf, da die beiden Spezies völlig unterschiedliche Nahrungsquellen haben (White Rhinos fressen ausschließlich frisches Gras). Dringt hingegen ein White Rhino in das Territorium eines Artgenossen ein, so kommt es auf die Verhaltensweise an, ob der Revierbesitzer sein Territorium verteidigt oder nicht. Kommt der Eindringling mit gebeugter, demütiger Haltung in das Revier des Artgenossen, so kann ein Kampf vermieden werden, richtet er sich hingegen auf, signalisiert er damit, dass er dem Artgenossen das Revier streitig machen will. 

Die Namensgebung „White and Black Rhino“ ist übrigens keinesfalls Ausdruck einer unterschiedlichen Färbung, beide Arten sind grau. Das White Rhino hat seinen Namen im Grunde wegen eines Missverständnisses erhalten: Der Name basiert auf das englische Wort „Wide“, was auf Deutsch „breit“ bedeutet und lediglich auf die Form des Maules hinweist (= Breitmaulnashorn). Sein spitzmäuliger Vetter, das Black Rhino, weist hingegen eine deutlich schmalere Kopfform auf.

Rhinos sind nach wie vor vom Aussterben bedroht. Von den Black Rhinos leben lediglich 250 Exemplare im Park (bei Gründung des Parks gab es weltweit nur noch 50 Tiere!), während sich die White Rhinos in den letzten Jahren in rasantem Tempo vermehrt haben – rund 1.700 Tiere werden mittlerweile gezählt. Der Hluhluwe/Umfolozi Park ist dafür bekannt, den Tieren einen sicheren Lebensraum zu bieten, dennoch dringen auch hier immer wieder Wilderer in den Park ein, um  sinnlose Jagd auf die Hörner zu machen. Immer noch halten einige hirnlose Individuen vorzugsweise im asiatischen Raum die pulverisierten Hörner für ein potenzsteigerndes Mittel und zahlen horrende Preise dafür, dabei könnten sie mit identischem Ergebnis auch ihre eigenen Fußnägel verkonsumieren!

Auf unserem weiteren Weg zeigt uns Sicelo frische Spuren von Büffeln, Giraffen, White Rhinos (immer mit der typischen W-Form an der Ferse). Wir folgen eine Zeit lang einer Elefantenfährte, nachdem wir ganz frischen, noch warmen Dung entdeckt haben. Leider sind die Tiere bereits weitergezogen, so dass wir sie am heutigen Tag nicht mehr einholen können.

Schon bei unserer ersten Begegnung mit der unberührten Wildnis im Umfalozi Park beeindrucken uns insbesondere die Farben des afrikanischen Frühling in hellen Grüntönen und zahllosen kleinen Blüten, die nach der langen Trockenperiode nunmehr überall aus dem Boden sprießen.

Am Abend hat Constance extrem leckere Spaghetti Bolognese gekocht, dazu gibt es Salat und eine Flasche unseres mitgebrachten Rotweins. Alkoholkonsum ist auf allen Trails im Umfolozi Park nur in mäßigen Umfang erwünscht. Wir erhalten eine kleine Einführung in die Philosophie der Wildernes Trails im Park. Grundsätzlich sollten sich alle Teilnehmer auf die Wildnis einlassen und eins werden mit der Natur. „Open your heart for the wildernes“, mahnt Sicelo an diesem Abend. „Die Tiere spüren ganz genau, ob die Menschen, die in ihren Lebensraum vordringen, ihr Herz für sie geöffnet haben“!

Später berichtet er davon, wie er zu einem Ranger im Umfolozi Park geworden ist. Er sei in einem ärmlichen Rondavell dörflich aufgewachsen und habe als kleiner Junge den Umfolozi Park auf Streifzügen durch die Wildnis mit seinem Vater – damals ebenfalls ein Ranger des Parks – lieben gelernt. Später habe er als Volunteer im Park ohne jeglichen Lohn gearbeitet, bis er eines Tages auf einen Weißen traf, dem er auf einer einsamen Landstraße bei einer Reifenpanne behilflich war. Dieser Mann war ein Manager einer großen Wildlife Organisation aus Durban, der ihn zu einem Vorstellungsgespräch einlud und dem „völlig unbedarften, ärmlichen Jungen vom Land“ eine Chance gab, Wildlife Management zu studieren.

Bevor wir uns in unser Safari Tent zurückziehen, gibt uns Sicelo noch Anweisungen, wie wir uns verhalten sollen, wenn wir nachts zur Toilette gehen müssen. „Remember you are in the wildernes! Don´t go out if you see any eyes!“ Wir sollen zunächst unter unsere Plattform leuchten, ein bevorzugter Rückzugsplatz in der Nacht für wilde Tiere. Danach heißt es, 360 Grad um uns herum mit der Taschenlampe zu leuchten und nach Augenpaaren Ausschau zu halten. Fast alle Wildtiere im afrikanischen Busch haben einen genetischen Vorteil ausgebildet, der ihnen einen bessere Nachtsicht ermöglicht. Eine reflektierende Membran hinter der Iris verstärkt selbst das kleinste Licht eines weit entfernten funkelnden Sterns, was dazu führt, dass die Augen sehr stark reflektieren, wenn man sie mit einer Lampe anstrahlt. Großkatzen haben die beste Nachtsicht von allen Spezies, um besser im Dunkeln jagen zu können.

Wir fallen umgeben von ungewöhnlichen Geräuschen des nächtlichen afrikanischen Busches in einen tiefen Schlaf und sind nicht traurig, dass wir in dieser Nacht nicht auf die Toilette müssen!

29.10.2012
Bei Tagesanbruch werden wir durch ein lautstarkes Vogelkonzert geweckt. Seit wir im Camp sind, haben wir jegliches Zeitgefühl verloren, ausschließlich die Natur und ihre Geräusche geben hier Draußen zeitliche Orientierungspunkte. Wir nehmen eine letzte Dusche, bevor die Wildnis ruft. Es gibt sogar heißes Wasser, ein Komfort, den wir hier gar nicht erwartet hatten. Dusche und WC verfügt über keine Tür. Wenn jemand eine der beiden Gemeinschaftseinrichtungen benutzt, hängt er einfach das an einer Kette hängende Schild „Occupied“ auf, um dem Nächsten zu signalisieren, das er sich eine Weile gedulden muss.

Am anderen Ufer des White Umfolozi grast friedlich eine Herde Büffel. Es handelt sich um „verrentete Büffel“. Die „Präsidenten“ einer Herde werden von jüngeren Bullen permanent einem Stärketest unterzogen, solange bis sie unterliegen und die Herde verlassen müssen. Danach tun sie sich zusammen mit anderen „Ex-Präsidenten“ und ziehen gemeinsam durch die Steppe. Diese Herden gelten als aggressiv und besonders gefährlich – man sollte ihnen tunlichst nicht zu nahe kommen.

Zu unserem letzten Frühstück im Camp vor unserem Aufbruch in die Wildnis serviert uns Constance Toast mit Rührei und Speck, dazu gibt es den in Afrika überall erhältlichen Nescafe. Man kann sich an so manche Gewohnheiten in fremden Ländern gewöhnen, Nescafe gehört jedoch definitiv nicht dazu.

Überall um uns herum gibt es etwas zu beobachten, Buschhühner, Swainson-Frankoline (genannt „Aretha Franklins“), die etwas unbeholfen über den Rasen staksen, ein einzelnes Gnu am anderen Flussufer oder einen einsamen Elefantenbullen, der gemütlich den Fluss durchquert.

Danach packen wir unsere Rucksäcke. Neben den persönlichen Dingen muss jeder Teilnehmer auch Gegenstände für den allgemeinen Bedarf, wie Kochtöpfe, Kessel und Lebensmittel, in seinem Rucksack verstauen. Auf diese Art und Weise kommt sicher ein Gewicht von rund 20 Kilo pro Rucksack zu Stande. KZN Wildlife stellt allen Teilnehmern folgendes Equipment zur Verfügung:
Erste Hilfe Kit, Trinkflasche, Toilettenpapier, Lebensmittel, großer Rucksack, Messer, Löffel, Tasse und Teller, Plane und Isomatte zum Unterlegen für den Schlafsack, Regenplane, Schlafsack, Kochtöpfe.

Die Teilnehmer sollten an folgende Dinge denken:
Shirts mit gedämpften Farben, Unterwäsche, Shorts, eine lange Hose, Hut, Badehose/Badeanzug, leichte Regenjacke, warme Jacke, Sonnencreme, Kopftaschenlampe mit Ersatzbatterien, Insekten Repellant gegen Zecken („Peaceful Sleep“ ist auch perfekt gegen Zecken), gut eingelaufenen Hiking Boots, ein Paar leichte Sandalen, persönliche Toilettenartikel inklusive umweltfreundlicher und abbaubarer Seife, Fernglas, Kamera, Field Guide Buch, Notizbuch.
Nach unseren Erfahrungen empfehlen wir dringend, eine gute, selbstaufblasbare Therm-a-Rest Isomatte mitzunehmen, da die gestellten Isomatten recht dünn und unbequem sind.

Danach brechen wir endlich auf. Im „Gänsemarsch“ laufen wir hintereinander her, Sicelo hat die Führungsposition, Mphele ist der Back Up. Beide Ranger sind bewaffnet mit einem Gewehr, das sie im absoluten Notfall einsetzen können. Sicelo führt uns direkt hinunter zum Fluss, wo wir die erste Flussdurchquerung absolvieren müssen. Aufgrund der zahlreichen Krokodile im und am Fluss ist hier äußerste Vorsicht geboten. Sicelo geht ein Stück voraus und prüft, ob in unmittelbarer Ufernähe eines der gefürchteten Reptilien auf uns lauert.

Zumindest finden wir frische Fährten eines kleineren Exemplars, das hier vor nicht allzu langer Zeit in den Fluss gestiegen ist. Wir ziehen unsere Boots aus und beginnen die Durchquerung. Das Wasser ist eine einzige braune Brühe (durch den aufgewühlten braunen Sand) und völlig undurchsichtig. Ein mulmiges Gefühl begleitet zunächst jeden Schritt, da man nicht sieht, wohin man tritt! Die hier vorkommenden Nilkrokodile können nahezu sechs Meter lang werden (die Männchen, Weibchen werden „nur“ bis zu vier Meter groß). Die großen Tiere sind nur in tieferem Wasser nicht zu sehen – solche Bereiche des Flusses sollte man tunlichst meiden! Wir erreichen ohne Zwischenfall das andere Flussufer, die Erleichterung der Teilnehmer ist spürbar.

Auf der anderen Uferseite finden wir Spuren eines White Rhinos. Diese unterscheiden sich durch eine „w-förmige“ Ferse, während die Fährte des Black Rhinos abgerundet ist. Immer wieder gehen wir an kleinen und großen Wasserlöchern vorbei. Sicelo erklärt, dass jedes einzelne von ihnen durch Gnus entstanden ist. Zur Reviermarkierung kratzt das Gnu mit seinen Hörnern und seiner Stirn die Oberfläche des  Bodens auf und gibt ein Sekret aus einer Drüse neben den Hörnern ab. Durch die permanente Nutzung der Löcher werden diese größer und größer und werden später, wenn sie Wasser und Schlamm enthalten zu einer Art „Spa“ unter anderem für Nashörner, in dem genussvolle Schlammbäder genommen werden können.

Gnus sind vielfach in Gemeinschaft mit Zebras und Impalas zu finden. Auf diese Weise können sich die Tiere gegenseitig vor gemeinsamen Fressfeinden warnen.

Auf einem sonnigen Plateau lassen wir unsere Rucksäcke zurück und setzen unseren Weg ohne den schweren Ballast fort. Dort liegt der Schädel einer Giraffe, der längst Geiern ein Festmahl bereitet hat. Ab und zu schwirrt eine knallrot gefärbte Grille, deren knallige Färbung allerdings erst im Flug sichtbar wird (aber auch sitzend sieht das Insekt wundervoll aus!), mit lautem Brummen an uns vorbei. Mit der leuchtenden Färbung signalisiert sie ihren Fressfeinden, dass sie giftige Zyanide in sich trägt. Ihr unbeholfener Flugstil erinnert fast an einen Hubschrauber.

Wir stoßen auf ein riesiges, rund 150 Jahre altes Wasserloch, ebenso entstanden wie all die anderen kleinen! In einem Baum hängen zahlreiche Nester, die von gelben Maskenwebern umschwirrt werden. Die Männchen sind für den Bau der Nester zuständig und hängen diese an über Gewässer ragende Zweige auf. Während des Baus wird der Baumeister von seiner Gefährtin genauestens beobachtet. Wenn er nach tagelangen Mühen mit dem Rohbau fertig ist, schwirrt er aufgeregt von Ast zu Ast und seine Frau kommt zur „Bauabnahme“. Wenn das Weibchen nicht zufrieden ist mit dem Werk, hackt sie kurzer Hand solange auf dem Verbindungsknoten, bis das „durchgefallene Nest“ ins Wasser fällt und dort dasselbe Schicksal diverser anderer Nester teilt. Die lautstarken Beschwerden des Vogelmanns nutzen nichts, er muss von vorne anfangen, wenn er sein Weibchen nicht verlieren will.

Aus der Ferne sichten wir ein Nashorn und auch eine Hyäne, die sofort Reißaus nimmt, nachdem sie unsere Witterung aufgenommen hat. Der Wind steht ungünstig, da er aus unserer Richtung kommt und uns die Tiere frühzeitig riechen. Zurück bei unseren Rucksäcken, sichten wir einen wundervoll purpurfarbenen Amethyst Glanzstar. Wieder einmal hat die Natur dem Männchen eine prachtvollere Farbe zugeteilt als den Weibchen, die unscheinbar braun sind.

Wir bereiten unser Lunch auf einem Felsen zu. Es besteht aus Toastbroten, wahlweise belegt mit Käse, Salami, Tomaten und einem scharfen Chutney. In der Wildnis, geradezu archaisch zubereitet, schmecken die Sandwiches unglaublich lecker! Vom Plateau aus zeigt uns Sicelo unser „new home for today“, eine Felsplattform auf der gegenüber liegenden Uferseite. Allen wird sofort klar: Das bedeutet eine erneute abenteuerliche Flussüberquerung! Unterwegs sammeln wir trockenes Holz für das nächtliche Campfire und natürlich auch um Feuerholz zum Kochen zu haben. Auch unsere zweite Flussüberquerung verläuft reibungslos. Man gewöhnt sich relativ schnell daran und hört auf, jede Sekunde und jeden Schritt an die im Fluss lauernden Ungetüme zu denken!

Auf der Felsplattform richten wir unser Lager ein, so lange es noch hell ist. Mphele beginnt, nachdem das Campfire entfacht ist, mit der Zubereitung des Abendmahls. Mit Sicelo laufen wir hinab zum Fluss, um ein kleines Bad zu nehmen – sehr erfrischend nach dem anstrengenden und langen Fußmarsch am heutigen Tag. Wir füllen unsere Wasserflaschen mit dem braunen Flusswasser und desinfizieren es mit drei Tropfen pro Liter einer keimabtötenden Flüssigkeit. Wir hätten nie gedacht, dass wir jemals eine solch braune Brühe trinken würden, aber hier draußen in der Wildnis hat man keine andere Wahl. Letztlich werden wir den Genuss des Wassers bestens vertragen und haben später keinerlei Magen-/Darmprobleme!

Als wir zum Camp zurück kommen, duftet es bereits verlockend vom Campfire. Mphele hat ein Rindfleisch Stew zubereitet, dazu gibt es Maismehl, eines der Grundnahrungsmittel der schwarzen Bevölkerung in Südafrika. Als Löffel zum Umrühren dient ihr beim Kochen ein abgebrochener Ast – funktioniert genauso gut wie ein Kochlöffel, den man extra hätte mitschleppen müssen! Das Stew schmeckt köstlich und wir haben während des Essens noch anregende Gespräche am Campfire. Den Abwasch erledigen wir mit Sand, der ebenso wie das beste Spülmittel alle Rückstände auf den Tellern restlos beseitigen kann!

Wir erhalten unser Briefing zur „Nightwatch“. Jeder Teilnehmer muss eine Nachtwache von 1,5 Stunden übernehmen, die Ranger sind hingegen davon befreit, da sie den ganzen Tag sehr konzentriert für die Sicherheit der Teilnehmer sorgen müssen!

Anschließend soll dann der jeweils nächste „Aufpasser“ geweckt werden. Während der Nachtwache müssen wir zu jeder Zeit das Campfire am Brennen halten, da dies Raubtiere vom Camp fernhält. Außerdem sollen wir alle 15 Minuten mit unseren Taschenlampen einmal rund um das Camp leuchten, um die Umgebung nach Augen abzuscannen. Falls irgendjemand leuchtende Augen in Campnähe erspäht, soll er Sicelo wecken. Alle stellen die berechtigte Frage, wie man ohne Uhr denn herausfinden soll, wann 1,5 Stunden vorüber sind? „Don´t mind, you feel it“, lautet die lapidare Antwort. Anschließend begeben sich Sicelo und Mphele zur Ruhe und „überlassen uns unserem Schicksal“! Wir legen fest, dass Corinna die erste Nachtwache übernimmt, ein fataler Entschluss, wie sich später herausstellen soll. Danach bin ich an der Reihe, gefolgt von Cooper, Tor und zuletzt Keara.

Am Horizont braut sich derweil etwas zusammen! Ein Gewitter scheint aufzuziehen, erste Blitze färben den nächtlichen Himmel gespenstisch ein. Aus diesem Grund baut Sicelo vorsichtshalber die beiden Rain Shelters auf, damit wir im Fall der Fälle einen notdürftigen Schutz vor Regen haben. Er meint noch, dass das Unwetter auch vorbei ziehen könnte, das Gewitter denkt jedoch nicht daran! Es kommt immer näher und näher und Sicelo empfiehlt uns schließlich, unser nächtliches Lager unter die Rain Shelters zu verlegen – also kein romantischer afrikanischer Sternenhimmel heute Nacht über uns, wie schade! Nach und nach begibt sich ein Trailist nach dem anderen zur Ruhe. Ich harre noch ein Weile bei Corinna aus, da ich ihre Unruhe angesichts des aufziehenden Gewitters spüre. Mächtige Donnerschläge krachen und gewaltige Blitze zucken kurze Zeit später rund um uns herum auf. Dann fängt es an zu regnen. Die gute Nachricht: Das Gewitter ist vorüber gezogen und die Blitze stellen zumindest keine Gefahr mehr da! Die Schlechte jedoch ist, dass es nach kurzer Zeit wie aus Kübeln schüttet. Ich kann an dieser Stelle nichts mehr für Corinna tun, überlasse sie ihrem Schicksal und begebe mich unter dem Rain Shelter ebenfalls zur Ruhe.

Corinna: Ich melde mich freiwillig für die erste Wache, da ich vermutlich vor Aufregung bis zu meiner Nachtwache ohnehin keinen Schlaf finde. „Also bring ich es lieber gleich hinter mich“,  ist mein Gedanke bei der Einteilung. Mir ist schon etwas mulmig zumute, insbesondere als dann auch noch Wolfram als Letzter in seinen Schlafsack kriecht. Nun bin ich ganz allein auf mich gestellt. Es fängt wieder an zu regnen, so dass ich sogleich mein Regencape aus dem Rucksack krame. Taghelle Blitze erleuchten die Szenerie um mich herum. Eigentlich brauche ich keine Taschenlampe um nach „Augen“ zu suchen. Der Regen wird immer heftiger, so dass ich große Mühe habe, das Feuer am Brennen zu halten. Ich habe keine Ruhe, nur am Feuer auszuharren und leuchte alle paar Minuten unser Terrain ab. Man wird auf einmal sehr sensibel für jegliches Geräusch, das aus dem Busch kommt. Auch fühlt man sich von der ersten Sekunde an verantwortlich für die schlafenden Mitreisenden. Wann sind dann aber 1,5 Stunden vorüber? Nach gefühlten 3 Stunden und einem nur noch qualmenden Feuer wecke ich Wolfram. Ich nehme meine Isomatte und krieche in den Schlafsack, in der Hoffnung, nun etwas Schlaf zu finden.

Der Regen wird immer heftiger und Wasserströme laufen nach einer Weile unter meiner Isomatte hindurch. Sicelo, der ebenfalls sein Lager unter unserer Plane eingerichtet hat, wechselt schnell unter das andere Rain Shelter, wo sich mittlerweile fünf Personen dicht an dicht drängen. Ich versuche während dessen, unsere Schlafsäcke an trockenere und etwas höhere gelegene Bereiche des Felsens zu verlegen, damit zumindest die Schlafsäcke trocken bleiben, das gelingt mehr schlecht als recht. Nach einer ganzen Zeit kommt Corinna schließlich zu unserem provisorischen Zelt – sie ist klatschnass – und ich übernehme die nächste Schicht.

Zunächst hole ich auch mein Regencape aus dem Rucksack heraus, um mich wenigstens notdürftig vor dem Regen zu schützen. Gleich zu Beginn meiner Nachtwache keimt Hoffnung bezüglich des Wetters auf: Der Himmel klart sichtbar auf, die Wolken ziehen davon und machen den Weg frei für einen eindrucksvoll glitzernden Sternenhimmel inklusive Vollmond. Die Sandbank gegenüber wird dadurch in ein gespenstisches Licht getaucht. Fehlen nur noch die Löwen oder Leoparden, die auf ihrem nächtlichen Streifzug am Flussufer entlang laufen! In diesen Genuss komme ich aber leider während meiner Nachtwache nicht. Dennoch herrscht um mich herum eine wahnsinnig spannende Atmosphäre mit den fremdartigen Geräuschen des nächtlichen Busches. Da das Holz des Campfires nach dem Regen feucht geworden ist, ist es nicht gerade einfach, das Feuer am Brennen zu halten. Immer wieder muss ich dem Feuer mit Hilfe eines Topfdeckels Luft zu fächern, um es neu zu entfachen. So habe ich während meiner Nightwatch rund um die Uhr etwas zu tun. Auf meinen regelmäßigen Rundgängen rund ums Lager passiert nichts weiter Aufregendes. Sicelo hatte Recht – während der Nachtwache bekommt man ein Gefühl dafür, wann 1,5 Stunden vorüber sind. Vermutlich dehne ich meine Wache auf zwei Stunden aus, da der nächtliche Busch ein unvergessliches Erlebnis mit allen Sinnen ist und ich gar nicht so recht zurück in meinen feuchten Schlafsack will!

Schließlich wecke ich Cooper und verlege mein Lager nach Draußen auf den Felsen. Schließlich möchte ich unbedingt in den Genuss kommen, die Nacht unter diesem fantastischen afrikanischen Sternenhimmel zu verbringen. Gerade beginne ich mich in meinen Schlafsack zu kuscheln, als erneut ein feiner Nieselregen einsetzt. „Das wird schon in wenigen Minuten wieder aufhören“, denke ich. Die erneut aufziehenden schwarzen Wolken verheißen jedoch etwas anderes. Corinna kommt ebenfalls unter dem Rain Shelter hervorgekrochen und meint, dass sie bis auf die Knochen nass ist, ihr Schlafsack ebenfalls. In diesem Schlafsack kann sie unmöglich die Nacht verbringen. Zunächst wechselt sie ihre nassen Kleidungsstücke gegen trockene. Wir richten uns ein gemeinsames Lager und decken uns dann notdürftig mit meinem Schlafsack zu. Das bedeutet, dass wir nun noch härter schlafen als zuvor, da unter uns kein Schlafsack mehr liegt sondern lediglich die dünne Isomatte. Das verspricht eine heitere Nacht zu werden, schon nach wenigen Minuten schmerzen die Knochen.

Außerdem haben wir keinen Schlafsack mehr um uns herum, so dass es sich manch nachtaktives Tier unter unserer Decke gemütlich machen könnte. Wenn Sicelo uns die Geschichte von der Schwarzen Mamba einen Tag eher erzählt hätte, wäre uns sicher in dieser Situation noch mulmiger zu Mute gewesen. In einem ähnlich offenen Camp hier im Busch ist sein Freund vor Jahren im Schlaf von einer Schwarzen Mamba, einer der giftigsten Schlangen Südafrikas, gebissen worden. Da es in der Nacht keinen Weg hinaus aus der Wildnis gibt, der eine realistische Überlebenschance verspricht, mussten sie bis zum Morgengrauen warten, um zum nächst gelegenen Camp zu gelangen. Der Freund hat übrigens überlebt. Entweder war es ein sogenannter „trockener Biss“ oder die Mamba hat nur eine geringe Dosis Gift abgesondert.

Cooper hat in der Zwischenzeit die Position der Regenplane auf eine trockenere Position auf dem Felsen verlegt. Der Regen wird wieder heftiger, so dass uns nichts anderes übrig bleibt, als erneut den Schutz des Rain Shelters aufzusuchen. Ein zweites heftiges Gewitter zieht über uns hinweg. Durch unser neues Lager fließt nunmehr aber wenigstens kein Wasserstrom mehr hindurch. Bis zum Morgengrauen ist dennoch an Schlaf kaum zu denken, so dass wir ziemlich gerädert aus unserem Unterschlupf kriechen.

Das andere Rain Shelter hat das Unwetter deutlich besser überstanden, Keara steht gut gelaunt und ausgeschlafen am Feuer und auch Tor ist bester Dinge. Beide bedauern aber zutiefst, dass wir eine unruhige und vor allem sehr feuchte Nacht hatten!

30.10.2012
Zum Frühstück gibt es erst einmal einen heißen Nescafe, hmmmm… wie lecker! Das Wasser dazu wird natürlich auf dem Campfire erhitzt. Sicelo erkennt die missliche Situation, in der sich insbesondere Corinna mit ihrem nassen Schlafsack befindet und schlägt vor, die nassen Schlafsäcke zunächst einmal im Camp zum Trocknen aufzuhängen. „Falls im Laufe des Tages die Sonne herauskommt und die Schlafsäcke abends trocken sind“, schlägt er vor, „verbringen wir eine weitere Nacht im selben Camp, falls nicht, kehren wir abends zurück ins Mndindini Bushcamp und schlafen in den Safari Tents“. Alle Teilnehmer sind mit diesem Vorschlag einverstanden – niemand hat offenbar große Lust, eine weitere Nacht bei Unwetter hier draußen zu verbringen.

So brechen wir vom Lager aus auf und lassen Sack und Pack zurück im Camp. Während unseres heutigen Bushwalks gibt uns Sicelo einige Einblicke in die Zulu Kultur. Für immer wird uns seine spannende Erzählung rund um ein Ritual der Zulus haften bleiben, wenn ein Mensch fern der Heimat stirbt. Die Angehörigen brechen dann ein Stück des legendären Umphafa Baumes (= Buffalo Thorn Tree) ab, den die Zulus mit der Geisterwelt in Verbindung bringen.  Mit Hilfe des Zweiges holen sie die Seele des Verstorbenen  heim. Der Umphafa Baum, der im Busch überall zu finden ist, verfügt über Dornen, die sowohl zum Himmel als auch zur Erde weisen – ein Symbol gleichermaßen für Leben und Tod.

Wenn der Angehörige in einem fremden Land gestorben ist, fahren sie zu dem Leichnam, kaufen ein Flugticket auch für ihn und sagen zu dem Verstorbenen: „Steig ein, Freund, bleib nicht zurück, ich bin gekommen, dich heim zu holen.“ Der Zweig belegt während des Fluges den Platz im Flugzeug. Das Ganze wiederholt sich auf dem Weg in die Heimat solange, bis der Angehörige mit seiner Seele zu Hause angekommen ist. Die Art und Weise, wie Sicelo von diesem Ritual erzählt, ist so bewegend, dass einigen Teilnehmern die Tränen in den Augen stehen. Er berichtet auch davon, dass viele Zulus bei der teilweise kompromisslosen Christianisierung und Missionarisierung in ihrer religiösen Kultur ziemlich verunsichert worden sind und dabei ein Stück weit ihre Orientierung verloren haben – wieder einmal kein Ruhmeskapitel für die christlichen Kirchen und das Selbstverständnis westlicher Kulturen, die wie selbstverständlich die eigenen Lebensphilosophien und -weisheiten für die einzig reichtigen halten und sie anderen Kulturen aufzwängen – sicher in den meisten Fällen nicht die beste Lösung!

Auf einem Hochplateau, auf das wir nach einiger Zeit stoßen, befand sich vor 200 Jahren ein altes Homestead. Sicelo zeigt uns Artefakte aus dieser Zeit, die überall verstreut herumliegen, zum Beispiel Keramikstücke, die auf einer Seite durch die Feuerstelle deutlich verrußt sind oder geschliffene Steine, die als Klingen eingesetzt wurden. Der berühmte Zulu König Shaka hat alle Bewohner damals vertrieben, da er das Hochplateau als Jagdrevier beanspruchte. Lediglich die Zunft der Schmiede durfte bleiben und musste für die Anfertigung der Jagdwaffen sorgen.

Im dichten Busch sichtet Sicelo plötzlich ein White Rhino. Er weist uns an, auf schnellstem Wege hinter einem Busch zu verschwinden. Rhinos können ebenso wie Elefanten schlecht sehen, aber hervorragend riechen. Daher ist es bei diesen Tieren immer extrem wichtig, sich gegen den Wind zu nähern. Wenn man sich sehr leise anschleicht, kann man dann den Tieren recht nahe kommen. Die Rhinos scheinen uns bemerkt zu haben, zumal wir mit dem Wind gelaufen sind, denn sie verschwinden wie aus dem Nichts im Busch. Es ist immer wieder höchst erstaunlich, wie lautlos sich diese Kolosse im scheinbar undurchdringlichen Dickicht bewegen.

Das Laufen durch den Busch hinterlässt zahlreiche Spuren an unseren Beinen. Viele Büsche und Sträucher sind bewehrt mit spitzen Stacheln und Dornen. Sie schützen sich damit vor Fressfeinden, zum Beispiel Giraffen, die mit ihren empfindlichen Zungen beim Blätter abfressen an die Stacheln geraten und von dem entsprechenden Strauch ablassen. Einer der häufig zu findenden, stacheligen Büsche trägt den treffenden Namen „Wait-a-bit-Bush“. Die Dornen dieser Akazienart sind mit Widerhaken ausgestattet, die sich bei Berührung in Stoff und Haut bohren und so den Wanderer zu einer kurzen Pause zwingen.

Wir kommen erneut an den Fluss und sichten unten auf einer Sandbank ein großes Krokodil. Sicelo berichtet von einem Trail, bei dem eine Teilnehmerin bei der Flussüberquerung auf den Schwanz eines Krokodils getreten ist.

Das Krokodil schoss vor Schreck aus dem Wasser, machte mehr oder weniger einen Überschlag und schlug rücklings auf der Wasseroberfläche auf. Der begleitende Ranger legte bereits das Gewehr an, um das Ungetüm zu erschießen, doch Teilnehmerin schrie nur, „nicht schießen, es hat mich doch gar nicht gebissen“! Unbeschadet gelang die Teilnehmerin ans Ufer und auch das Krokodil kam mit dem Schrecken davon. Eine auch für Sicelo bemerkenswerte Anekdote aus seinem erlebnisreichen Rangerleben.

Bei einem seiner Freunde ist die Begegnung mit einem Krokodil deutlich schmerzhafter ausgegangen. Bei einer Flussüberquerung schnappte ein ungefähr zwei Meter langes Krokodil nach seinem Fuß und das Tier begann damit, sein Opfer mit großer Kraft ins tiefere Wasser zu ziehen. Krokodile pflegen ihre Opfer auf diese Weise zu ertränken! Der Freund trat mit dem freien Fuß gegen den Kopf des Krokodils, mit dem Ergebnis, dass das Krokodil vom einem Fuß abließ und nach dem anderen schnappte. Mit Hilfe von Begleitern gelang es im letzten Moment, das bedauernswerte Opfer ans Ufer zu ziehen. Er zog sich erheblich Verletzungen an beiden Beinen zu. Die Erzählungen machen so richtig Mut für die bevorstehenden Überquerungen des Flusses!

Den ganzen Tag ist es heute trocken geblieben, wenn sich auch die Sonne kaum einmal gezeigt hat. Die Chance, unsere im Camp aufgehängten Schlafsäcke in getrocknetem Zustand vorzufinden, so dass wir eine weitere Nacht hier draußen verbringen können, ist somit äußerst gering. Unsere Hoffnungen schwinden gänzlich, als am Horizont erneut ein heftiges Gewitter aufzieht. Noch haben wir bis zu unserem Basislager einen längeren Fußmarsch hinter uns zu bringen. Es sieht nicht so aus, dass wir unser Ziel noch trockenen Fußes erreichen. Über uns braut sich erneut ein heftiger Thunderstorm zusammen. Die Gewitter im afrikanischen Busch sind furchteinflößend, so dass man meinen könnte, das Ende der Welt naht. Gleißend helle Blitze tosen im Wechsel mit krachenden Donnerschlägen rings um uns herum. Lehrt man in Deutschland nicht schon den jüngsten Schülern, dass man bei Gewitter den Unterstand unter Bäumen dringend vermeiden soll? Leichter gesagt als getan, wenn im Umkreis der nächsten Kilometer nichts als Bäume und Sträucher zu finden ist! Wie bereits gestern Nacht zieht das Gewitter schließlich weiter und der Himmel öffnet erneut alle Schleusen. Unsere Regencapes halten uns einigermaßen trocken. Nach einer weiteren Stunde Fußmarsch im Starkregen erreichen wir endlich unserer Camp und brechen es in Windeseile ab. Wir haben noch ein gutes Stück Wegstrecke vor uns, denn wir müssen das Mndindini Bushcamp vor Einbruch der Dunkelheit erreichen.

Der Schlafsack und auch andere Dinge in unserem Rucksack haben sich vollgesogen mit Wasser und wiegen jetzt dreimal so viel wie zuvor. Bei diesem permanenten Regen ist es unglaublich schwierig, Fotos zu schießen, da man ununterbrochen damit beschäftigt ist, seine Kamera vor Feuchtigkeit zu schützen.

Auf dem Rückweg müssen wir zweimal den Fluss überqueren. Die Alternative wäre, entlang der ausladenden Flussschleife zu laufen, dann würden wir es aber im Hellen nicht mehr bis ins Camp schaffen. Unten am Fluss, exakt an der Stelle, wo wir gestern Abend noch gebadet haben, sind frische Löwenspuren auszumachen, die mit ziemlich großer Sicherheit von heute Morgen stammen. Die Löwen haben sich also während unseres Frühstücks keine fünfzig Meter von uns entfernt aufgehalten! Löwen fürchten sich im Übrigen ebenfalls sehr vor Krokodilen und versuchen Flussüberquerungen tunlichst zu vermeiden. Haben die Tiere den Fluss tatsächlich überquert? Die Antwort werden wir spätestens auf der anderen Uferseite erhalten.

Dieses Mal ziehen wir unsere Hiking Boots erst gar nicht aus – sie sind ohnehin klatschnass. Wir bleiben dicht beieinander und suchen nach Passagen im Wasser, die möglichst nicht so tief sind. Am anderen Flussufer finden wir tatsächlich erneut die Löwenspuren – sie haben also tatsächlich die Überquerung des Flusses gewagt. Alle Tiere haben sich während des Gewitters Schutz im dichten Dickicht gesucht, so dass wir bei unserem Weg zurück zum Camp kaum etwas sichten. Auch die zweite Flussüberquerung verläuft reibungslos und wir erreichen schließlich das Mndindini Bushcamp kurz nach Sonnenuntergang. Alles in Allem waren wir heute mindestens neun Stunden auf den Beinen, davon eine gutes Stück mit der schweren Last des vollgesogenen Gepäcks – dementsprechend kaputt sind alle Teilnehmer! Im Camp hängen wir erst einmal unsere nassen Sachen zum Trocknen auf. Die heiße Dusche ist eine echte Wohltat, ebenso der heiße Tee, den wir anschließend genießen. Da der Regen mehr oder weniger unsere sämtlichen Klamotten aufgeweicht hat, bin ich heil froh, dass mir Tor eine warme lange Hose leihen kann, Keara kann Corinna zudem für den kühleren Abend eine Fleecejacke überlassen.

Das Abendessen müssen wir aus den Beständen des Trails zaubern, Köchin Constance ist für heute ja nicht eingeplant gewesen und bringt erst morgen wieder neue Lebensmittel ins Camp. Es gibt Chakalaka mit Reis, wir trinken noch gemeinsam eine Flasche Wein und genießen dann das herrlich warme und vor allem trockene Bett in unserem Safari Tent.

31.10.2012
Diese Nacht war nach der anstrengenden vorherigen geradezu himmlisch! Gleich nach dem Morgengrauen (gegen 5.30 Uhr) werden wir von Sicelo geweckt. Zum Frühstück gibt es Müsli und Nescafe und sogleich geht es wieder auf in den Busch. Die Hiking Boots sind erwartungsgemäß über Nacht nicht wesentlich getrocknet, so dass wir auch am heutigen Tag mit nassen Schuhen vorlieb nehmen müssen. Es weht ein starker Südwind und Sicelo orakelt, dass dies kein gutes Zeichen sei. Südwind bringen oft heftigen Regen vom Meer mit. So startet der Morgen dann auch durchwachsen, mit Sonne und kurzen Schauern im Wechsel.

Für Tiersichtungen steht der Wind hingegen günstig, da er uns entgegen bläst und wir somit nicht gewittert werden können. Zunächst läuft uns einer Pavianherde über den Weg, die ihre morgendliche Runde dreht. Kurze Zeit darauf haben wir erneut eine hautnahe Begegnung mit zwei White Rhinos, die jedoch umgehend das Weite suchen, als wir uns nähern. Zwei größere Elefantenbullen entdecken wir erst aufgrund knackender Äste, als wir uns ihnen schon auf wenige Schritte genähert haben.

Sie lassen sich aber glücklicherweise nicht von uns stören und setzen ihr Frühstück ungerührt fort. Dennoch müssen wir auf schnellstem Wege unsere Position ändern, damit die Tiere uns nicht wittern. Wir schleichen uns gegen den Wind auf dreißig Meter heran an die mächtigen Tiere. Bei Elefantenbeobachtungen ist höchste Vorsicht geboten, sie können sehr ungemütlich werden, wenn sie sich gestört fühlen. Sicelo flüstert uns noch einmal exakte Anweisungen zu, wie wir uns im Fall der Fälle verhalten sollen.

Gegen Mittag wird das Wetter immer sonniger und die Regenschauer hören endlich auf. Wir gelangen zu einer Lichtung auf der anderen Seite eines seichten Taleinschnittes. Dort hatten wir zuvor mit dem Fernglas zahlreiche Giraffen und auch White Rhinos ausgemacht. Kurze Zeit später entdecken wir sie hundert Meter vor uns friedlich grasend. Es handelt sich um ein Muttertier mit einem jugendlichen Jungtier und einem Kalb. Unfassbar, dass die Tiere uns nicht wahrnehmen, obwohl wir ohne jegliche Deckung keine dreißig Meter entfernt sind! Mindestens eine viertel Stunde kauern wir uns ins Gras und beobachten fasziniert die grasenden Rhinos. Irgendetwas scheint das Kalb plötzlich misstrauisch zu machen, denn es läuft einige Schritte auf uns zu, bremst aber sogleich wieder ab. Sicelo ordnet den sofortigen Rückzug hinter einen Strauch an. Nashörner können ebenfalls überaus gefährlich werden und Weglaufen nutzt dann auch nicht mehr viel, da die monströsen Tiere vierzig Stundenkilometer schnell werden können. Einzige Rettung ist dann das sofortige Aufsuchen eines Baumes! Soweit kommt es heute aber glücklicherweise nicht, das Jungtier beruhigt sich schnell wieder und setzt sein friedliches Grasen fort.

Im Gegensatz zu den Rhinos können Giraffen hervorragend sehen. Häufig sieht man andere Tiere in der Nähe von Giraffen, da diese aufgrund ihrer Körpergröße von bis zu fünf Metern die gesamte Savanne überblicken und somit perfekte Wächter sind. Wir beobachten sie eine Weile, aber sie haben uns längst bemerkt, werden nervös und galoppieren schließlich davon! Für uns ist eine galoppierende Giraffe eines der wundervollsten Bilder Afrikas überhaupt!

Unsere Mittagspause verbringen wir auf einer aussichtsreichen Ebene mit herrlichem Blick auf die afrikanische Savanne. Das Grün ist noch sehr frisch, da die Regenzeit und somit der afrikanische Sommer gerade erst begonnen hat. Noch vor wenigen Wochen war es an dieser Stelle ausgedörrt und die Landschaft ringsum karg und braun. Wir breiten die Reste unseres Proviants auf einem Felsen aus, Äpfel, Nüsse, einen Rest Salami, Weißbrot, Erdnussbutter und einige getrocknete Aprikosen und verspeisen diese genüsslich. Auf dem Rückweg zum Camp treffen wir noch auf zahlreiche weitere Tiere. Ein überaus erfolgreicher und erlebnisreicher Tag neigt sich dem Ende zu.

Constance hat für uns abends ein Bushbread gebacken, ein quadratisches großes Weißbrot, das aus einem Teig mit Mehl, Hefe, Buttermilch, Cheddar Käse, Salz und Zucker hergestellt wird. Dazu gibt es Aprikosenmarmelade und heißen Tee. Freundlich geht der Tag zu Ende, die Abendsonne taucht den vor uns liegenden White Umfolozi River in ein warmes, pastelliges Licht.

Das Campfire wird entfacht und Mphile hat endlich einmal die Gelegenheit, aus ihrem Leben zu erzählen. Wir haben das Gefühl, das sie sich in Anwesenheit von Sicelo sehr stark zurückhält bzw. zurückhalten muss! Ihr Vater hat die Familie verlassen und ist zu seiner zweiten Frau gezogen. Mphile muss nunmehr für den Lebensunterhalt der ganzen Familie sorgen, auch für die Kosten des Studiums ihrer beiden jüngeren Schwestern. Sie berichtet stolz, wie schlau ihre beiden Schwestern sind! In ihrem Dorf, das ungefähr zwanzig Kilometer vom Hluhluwe Park Gate entfernt liegt, gibt es bis heute keinen Strom und kein fließendes Wasser. Es gibt in dem Familienclan noch ein traditionelles Rondavell, in dem am Abend ein Feuer entfacht wird und sich die ganze Familie trifft. Die anderen Hütten zum Schlafen sind rund um das Rondavell angeordnet und unbeheizt.

Die Regierung um ANC-Päsident Zuma hat angekündigt, das allen Menschen in Südafrika in absehbarer Zeit der Zugang zu Strom und Wasser eingerichtet werden soll. Die Realität sieht leider anders aus: Zuma steht in den südafrikanischen Medien schwer unter Beschuss, da er nicht nur fünf Frauen und mehr als 40 Kinder hat, sondern auch jüngst Steuergelder in Höhe von rund 300 Millionen Rand in den luxuriösen Ausbau seiner privaten Residenz verpulvert hat. Dieses Geld wäre als Investition in die Infrastruktur des Landes sicherlich deutlich besser angelegt gewesen! Der größte Teil der schwarzen Bevölkerung hofft nun inständig, dass bei der nächsten internen Wahl des ANC Zuma als Parteivorsitzender abgelöst wird, andernfalls hätte man bei den kommenden Regierungswahlen die Wahl zwischen Pest und Cholera: Auf der einen Seite hat die schwarze Bevölkerung berechtigte Angst vor der Machtergreifung einer Partei, die von Weißen beherrscht wird, die unter Umständen das Land in eine neue Form der Apartheit zurückführen könnte. Auf der anderen Seite möchte die Bevölkerung aber auch keine ANC mit dem korupten Zuma an der Spitze. Die ANC ist die von Ex-Präsident Nelson Mandela gegründete Partei, die vor noch nicht allzu langer Zeit im Jahr 1994 die Apartheit abgeschafft hat.

Constance hat ein wunderbares Abendessen zubereitet mit gebratenem Rindfleisch und Wurst, Baked Beans, Zwiebeln, Maismehl sowie Salat. Wir teilen uns mit den anderen Teilnehmern unsere letzte Flasche Wein – die Ranger trinken während des gesamten Aufenthaltes in der Wildnis, also auch hier im Base Camp, keinen Tropfen Alkohol, da sie für unsere Sicherheit zuständig sind.

Sicelo erzählt am Campfire von einer früheren Begegnung mit Löwen im Mndindini Camp. Als er mit einer Gruppe hier übernachtete, haben sieben Löwen in der Nähe des Camps ein Gnu gerissen und dann in den frühen Morgenstunden unmittelbar vor den Zelten genüsslich verspeist! Die Teilnehmer mussten in ihren Zelten solange ausharren, bis die Löwen ihr „Frühstück“ beendet hatten und weiterzogen! Man vergisst nach einigen Tagen sehr schnell, dass sich auch das Mndindini Camp letztlich mitten in der Wildnis befindet und Begegnungen mit wilden Tieren jederzeit möglich sind!

Es entwickelt sich ein überaus unterhaltsamer Abend mit interessanten Gesprächen. Keara berichtet von ihrer Zeit als Studentin, in der sie in Heidelberg als Zimmermädchen arbeitete. Befremdlich waren für sie als Irin viele „deutsche Gewohnheiten“, wie zum Beispiel die Ausstattung von Doppelbetten mit zwei verschiedenen Bettdecken oder aber das morgendliche Heraushängen von Bettdecken aus Fenstern zum Lüften! Die Krönung sei aber ihre erste Begegnung mit einer Kuckucksuhr gewesen, die sie später als Souvenir mit nach Hause genommen hat und vermutlich zu der Zeit die einzige Kuckucksuhr in ganz Irland gewesen ist! Sicelo hört den Schilderungen ganz genau zu und fragt mehrfach amüsiert nach, hört er heute doch zum ersten Mal in seinem Leben von einer Kuckucksuhr!

Außerdem gibt uns Keara noch einen tollen Musiktipp für Südafrika von einem Sänger namens Rodriguez. Dieser hatte Südafrika in den 70er Jahren verlassen und sich in den USA mehr schlecht als recht und ohne jeglichen Erfolg durchgeschlagen. In der Zwischenzeit wurde seine Musik jedoch in seinem Heimatland äußerst populär und erzielte Spitzenplätze in den heimischen Charts. Rodriguez bekam hiervon allerdings in den Staaten nichts mit, da das Management ihm den Erfolg verheimlichte und die satten Gewinne selbst einstrich. Die Geschichte wurde dann zu einem Märchen, als der Sänger nach vielen Jahren völlig verarmt sein Heimatland besuchte. Er wurde schließlich auf der Straße erkannt, zahlreiche Menschen wollten Autogramme, was ihn unglaublich verwundert. Er wusste nach wie vor nichts von seiner immensen Popularität in Südafrika. So wurde ihm letztlich doch noch der verdiente Lohn seiner Arbeit zu Teil und er feierte anschließend unglaubliche Erfolge mit seiner Musik. Das sehr empfehlenswerte Werk „Searching for Sugarman“ kann hier direkt über Amazon bestellt werden.

1.11.2012
Sicelo hat uns für heute Morgen noch einen kleine Walk angeboten, was alle Teilnehmer begeistert annehmen. So kriechen wir erneut in aller Herrgotsfrühe aus den Federn und nehmen ein erstes kleines Frühstück ein. Heute haben wir nicht so viel Glück mit unseren Tierbeobachtungen wie am Vortag, dennoch werden Walks mit Sicelo nie langweilig. Seine Erklärungen zu den kleinen Dingen des Busches sind ebenso spannend, wie die über Krokodile, Elefanten oder Löwen! Ein „Millepiet“ (Tausendfüßler) kreuzt unseren Weg und er erläutert, dass diese kleine Kreatur eine ausgeklügelte Verteidigungsstrategie entwickelt hat. Zum Weglaufen vor Fressfeinden ist er viel zu langsam, daher imitiert er zunächst die schlängelnde Bewegung einer Schlange, um seine Feinde zu irritieren. Danach stößt er Sekrete aus, zunächst ein stinkendes in der Nähe seines Kopfes.

Wenn der Fressfeind dann noch nicht immer nicht von ihm ablässt, hüllt er seinen kompletten Körper mit einem weiteren übel schmeckenden Sekret ein. Dies sollte seinem Gegner endgültig den Appetit verderben! Abermals eine faszinierende Verteidigungsstrategie einer ansonsten wehrlosen Kreatur!

Das Symbol Afrikas ist die Schirmakazie. Als wir an einem dieser schattenspendenden Bäume vorbeikommen, erzählt Sicelo, dass ein solcher Baum sein Leben entscheidend beeinflusst hat. In mitten des Dorfes, in dem er aufgewachsen ist, stand eine riesige prachtvolle Schirmakazie. Hier saßen die Kinder nach der Schule zusammen und erzählten sich gegenseitig Geschichten. Eines Tages begannen andere Jugendliche, den Baum abzusägen, um daraus Zäune für ihre Gemüsegärten zu bauen. Sicelo und andere Kinder stürzten hinzu und versuchten die Jugendlichen davon abzuhalten, jedoch zu spät: Der Baum war nicht mehr zu retten. Er war damals neun Jahre alt und hat den ganzen Tag über geweint. Das war genau der Tag, an dem er beschloss, ein Ranger zu werden und die Natur zu schützen und sie anderen Menschen zugänglich zu machen.

An einem Wasserloch gibt uns Sicelo noch einmal die Gelegenheit zur Besinnung auf die vielfältigen Erlebnisse der letzten Tage hier draußen im Busch. Wir sitzen unter einem Marula Tree (Sclerocarya Birrea), aus dessen Früchten das südafrikanische Nationalgetränk Amarula hergestellt wird, ein Creme-Likör, der so ähnlich wie Baileys schmeckt.

Überall schwirren bunte bunte Bienenfresser (Bee-Eater) emsig von Baum zu Baum, während uns ein beeindruckend getarnter Agame misstrauisch von einem Baum aus beäugt.

In diesem Moment werden wir regelrecht andächtig und auch ziemlich wehmütig, wird doch allen Teilnehmern klar, dass das Ende unseres kleinen Abenteuers naht. Sicelo erzählt uns, dass dies sein Lieblingsplatz im Umfolozi Park sei und er hierher häufig mit seiner Frau kommt, um die Stille, Einsamkeit und die Natur mit allen Sinnen bei einer guten Flasche Wein zu genießen. Er liest uns einen Codex von Jeff Watson vor, der von der Erhaltung und Schutz des Wildlifes und der Natur im afrikanischen Busch handelt. Es ist ein wahrhaft ein bewegender und sehr emotionaler Moment.

Zurück im Camp beginnen wir damit, unser Safari Tent aufzuräumen, unsere Betten abzuziehen und schmeißen das geliehene Equipment auf Sicelos Pick Up. Im Mpila Camp werden die Sachen für die nächsten Teilnehmer eines Trails gereinigt. Es wird noch ein Abschiedsfoto geschossen und dann zieht ein Jedermann seines Weges.

Wir wollen noch den Rest des Tages im Umfolozi Park verbingen. Vom Mpila Camp aus fahren wir in Richtung des Black Umfolozi Rivers. Wir beobachten aus nächster Nähe eine Gruppe von Impalas, die immer wieder sehr fotogen sind. Mehrere Rotschnabelmadenhacker tanzen den Impalas auf den Köpfen herum. Diese kleinen Vögel bilden eine nützliche Symbiose mit vielen Säugetieren, indem sie zum einen nach Zecken und Fliegenlarven vom Fell der Wirtstiere aufpicken, zum anderen aber auch vor Räubern warnen, indem sie schrille Warnrufe ausstoßen, wenn Feinde in Sicht kommt. Später beobachten wir diese Vögel auch noch auf Giraffen und Nashörnern.

Bei unserer Rundfahrt treffen wir im weiteren Verlauf noch auf Warthogs (das Warzenschwein, das eine gewisse Berühmtheit im Film „König der Löwen“ mit der Figur „Pumbas“ erlangt hat), White Rhinos und Elefanten und stellen schnell fest, dass die Tiere merkwürdigerweise von Menschen, die in Autos sitzen, kaum Notiz nehmen und diese sehr nah an sich heranlassen. Nach den fünf Tagen im Busch, in denen wir ausschließlich zu Fuß unterwegs waren, stellen wir auf der anderen Seite aber auch schnell fest, dass Tierbeobachtungen aus dem Auto heraus nicht annähernd so eindrucksvoll sind. Beispielsweise gehen die meisten Geräusche des Busches bei einer Auto Safari unter und zudem rauschen viele Dinge aufgrund der höheren Geschwindigkeit ungesehen an einem vorbei. Auch entdecken wir noch zahlreiche bunte Vögel, wie zum Beispiel den Wiedehopf mit seiner auffälligen Haube.

Bei der Ausfahrt aus dem Park haben wir dann endlich unsere erste Begegnung mit einem Raubtier. Am Wegesrand haben sich sieben Löwen zur Nachtruhe eingefunden. Auch ein männliches Tier, erkennbar an der markanten Mähne, befindet sich unter ihnen. Leider ist es schon so spät, so dass wir nicht sehr lange die Löwenfamilie beobachten können, wollen wir doch die Rückfahrt nach St. Lucia noch im Hellen hinter uns bringen.

Im Santa Lucia Gusthouse werden wir herzlich von Rika und Francoise empfangen. Wir beziehen ein anderes Zimmer als noch vor einigen Tagen, als wir das Santa Lucia Guesthouse als Ausgangsstation für den Besuch im Umfolozi Park genutzt haben, auch um einen Teil unseres Gepäcks hier deponieren zu können. Dieses wartet bereits auf uns in unserem neuen Zimmer. Wir nehmen eine herrlich heiße Dusche und spülen gründlich den Dreck der letzten fünf Tage herunter.

Unsere Gastgeber werden morgen in aller Herrgottsfrühe zu einer Hochzeitsfeier nach Kapstadt fahren, insofern verabschieden sie sich am Abend in der „guten Stube“ von uns bei einem Glas Weißwein. Wir berichten ihnen noch eine Weile von unseren Abenteuern im Umfolozi und begeben uns dann in ein Restaurant, um unser Dinner einzunehmen. Unsere Wahl fällt dieses Mal auf das Reef & Dune. Wir bestellen eine Butternut Soup (30 Rand) und ein großes T-Bone Steak (90 Rand) und sind mit unserer Wahl und der zuvorkommenden Bedienung hoch zufrieden.

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