Essaouira

23. April 2023 – Von Marrakesch nach Essaouira

Das vorbestellte Taxi wartet bereits auf dem Platz in der Nähe des Riad Noga* und fährt uns zur Budget Autovermietung am Bahnhof. Natürlich gibt es wieder Diskussionen wegen des Fahrpreises, die Besitzerin des Riads hatte uns 100 Dirham genannt, der Fahrer möchte 150 Dirham haben. Wir haben keine Lust auf Auseinandersetzungen und zahlen zähneknirschend den geforderten Preis. Der Prozess der Autoübergabe ist langwierig und an Bürokratie kaum zu überbieten. Wir warten über eine Stunde, bis uns endlich ein fast neuer Dacia Sandero übergeben wird.

Die Fahrt nach Essaouira führt durch öde Wüstenlandschaften, immer mal wieder unterbrochen durch kleinere Dörfer und Städtchen. Man tut unbedingt gut daran, die Geschwindigkeit einzuhalten, denn es werden auf der Landstraße überall mit mobilen Lasern Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt. Verstöße werden mit empfindlichen Bußgeldern geahndet! 

Kurz vor Essaouira wird es deutlich grüner – Arganien-Plantagen werden hier bewirtschaftet. Natürlich gibt es auch diverse Shops und Kooperativen, die den Durchreisenden Arganöl-Produkte feilbieten.

Mit dem mehrstöckigen Riad Les Terrasses de Mogador* haben wir es erneut sehr gut getroffen, vor allem weil wir über Booking.com ein großes Dreibettzimmer zum halben Normalpreis buchen konnten (53 €/Nacht inklusive Frühstück). Es wirkt alles nicht so perfekt wie im Riad Noga*, hier und da wackelt mal ein Kleiderhaken oder auch die Klobrille, aber dennoch ist das Interieur durchaus liebevoll gestaltet. Es gibt zudem eine wunderbare Dachterrasse mit Blick aufs Meer.

Essaouria ist die windige Stadt am Atlantik, überall fegt ein frisches Lüftchen durch die Gassen. Wir schlendern noch eine Weile durch die Medina, in der erfreulicherweise jegliche motorisierten Fahrzeuge strengstens verboten sind. Von der Hektik Marrakeschs ist hier nichts zu spüren, auch wird man von aufdringlichen Händlern nicht bedrängt. In der Altstadt herrscht die Farbe „Essaouira-Blau“ vor, ein etwas blasserer Farbton als das Majorelle-Blau Marrakeschs. Insbesondere die weißgetünchten Hauswände mit ihren zum Teil kunstvoll verzierten, blauen Türen und Fenstern ergeben ein hübsches Gesamtbild. 

Die zu unserem Riad nahegelegene Sqala de la Kasbahs, eine alte Festungsanlage mit Wehrtürmen und neunzehn Artilleriegeschützen, die den wilden Atlantikwellen trotzt, ist so etwas wie eine Flaniermeile für Touristen und Einheimische. Die Festung wurde von französischen und englischen Architekten zum Schutz gegen Piraten und die Brandung erstellt. 

Unterhalb der Mauer haben Kunsthandwerker ihre Ateliers und Verkaufswerkstätten eingerichtet. Spezialität sind unter anderem die aus Thujaholz geschnitzten Holzmöbel, die exklusiv in Essaouira hergestellt werden. Aber auch Teppichhändler und Töpfergeschäfte versuchen hier ihre Geschäfte zu machen. Mit dem unsäglichen Kitsch der Suks in Marrakesch haben die Angebote dieser Shops nur wenig gemein.

Ganz in der Nähe befindet sich das Restaurant, das wir für den heutigen Abend auserkoren haben, das La Licorne. Es steht unter anderem erlesener Saint-Pierre Fisch auf der Speisekarte, das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen – und er schmeckt einfach nur himmlisch!

24. April 2023 – Essaouira: Impressionen in der Medina und im Hafen

Das Frühstück wird auf der Dachterrasse serviert. Eine Schaar Silbermöwen lauert auf den Zinnen und stürzen sich auf die Hinterlassenschaften, sobald sich ein Gast von seinem Tisch erhebt.

Am Morgen müssen wir erst einmal in der Medina Einkäufe erledigen. Mich plagt ein trockener Husten, so dass wir in einer Pharmacia Medikamente einkaufen – Erinnerungen werden wach an unsere Marokko-Reise 2015, als ich in einer Oase mitten im Nirgendwo fast eine ganze Woche flachlag! Dieses Mal soll es allerdings nicht so schlimm kommen. In der Nähe des Bab Doukkala befindet sich eine offizielle Telekommunikations-Agency „Inwi“ – hier kann man eine marokkanische Sim-Karte erwerben, um auch außerhalb der Restaurants und Riads Internet zu haben, was zum Beispiel für die Navigation per Google Maps sehr sinnvoll ist. Für 200 Dirham bekommt man für vier Wochen unbegrenztes Datenvolumen. Keinesfalls sollte man eine Sim Card bei einem der zahlreichen Straßenhändler erwerben.

Hinter dem Stadttor am Bab Doukkala befinden sich die Metzgereien Essaouira. Gerade beliefert ein Großhändler die Geschäfte mit Rinder- und Lammhälften. Von den Hygieneauflagen deutscher Lebensmittelhändler ist man hier wohl weit entfernt.

Wir wenden uns dem Hafen zu. Hier tobt tagsüber das Leben und man kann eine Menge spannender Dinge entdecken: Im Hafenbecken ankern unzählige blaugetünchte Boote dicht an dicht, Netze werden geflickt oder gereinigt, traditionelle, aus Holz hergestellt Boote frisch gestrichen.

Einige Bettler, von denen es bedauerlicherweise sehr viele in der Stadt gibt, erhoffen sich von den Touristen ein paar milde Gaben.

Fischer bieten ihren frischen Fang an, der direkt von ihren Kuttern kommt. Am Anfang der Hafenmole kann man Fisch auswählen und an Ort und Stelle grillen lassen. Für einen großen Fisch zahlt man ungefähr 100 Dirham, wenn man gut verhandelt. Wir entscheiden uns für zwei große Seebrassen. Selten haben wir so guten und vor allem frischen Fisch gegessen wie hier – und das zu einem wirklich sehr günstigen Preis.

Gegen Abend setzen wir uns am Place Moulay Hassan direkt gegenüber dem Uhrturm in ein kleines Café, um einen Pfefferminztee zu trinken und das Treiben auf dem Platz zu beobachten. Es ist ein perfekter Platz, um Portraits der vorbeiflanierenden Gestalten zu schießen.

Wir haben einen Tisch im Salut Maroc reserviert. Das von einer britischen Designerin aufwendig gestaltete Haus unmittelbar an der Sqala Mauer ist ein echter Hingucker. Knallbunte Dekore an Wänden, Möbeln und Fußböden machen bereits beim Betreten der Lobby gute Laune. 

Eine sechsköpfige Band begleitet auf dem Rooftop das Dinner mit fröhlicher arabisch angehauchter Worldmusic, während man die Sonne im sturmumwobenen Atlantik untergehen sieht. Das Essen ist sehr empfehlenswert, wenn auch nicht ganz günstig.

25. April 2023 – Essaouira: Endlose Strände

Der scheinbar endlose Sandstrand in Richtung Diabat eignet sich ausgezeichnet für einen ausgedehnten Spaziergang. Vor den Hotels der Strandpromenade werden „Dromedar-Exkursionen“ und Ausritte hoch zu Ross angeboten. Wir lehnen ein ums andere Mal dankend ab und setzen unseren Weg lieber zu Fuß fort. 

Leider gibt es auch einige Quad-Touren, die mit großem Getöse und Gestank über den breiten Sandstrand heizen – was für ein Missbrauch dieser einzigartigen Dünen-Landschaft!

Unterwegs entdecken wir eine riesige Meeresschnecke, die ihr massives Gehäuse mittels zweier Fühler fortbewegt. Sehr viele wilde Hunde sind am Strand unterwegs – sie fristen hier ein bescheidenes Dasein. Die meisten von ihnen waren zuvor in den ländlichen Regionen beheimatet, haben aber dort nichts mehr zu fressen gefunden. Im ganzen Land werden wir in den kommenden Tagen ein ähnliches Phänomen beobachten können. Der marokkanische Staat findet ganz offensichtlich kein geeignetes Mittel, die geradezu explodierende Population wilder Hunde in den Griff zu bekommen. Und die Situation hat sich durch die weltweite Rezension für die Tiere nicht gebessert, zumal sich der Fleischpreis in den letzten drei Jahren hier verdreifacht hat und Fleischabfälle für sie so gut wie gar nicht mehr abfallen!

Hinter Diabat machen wir eine kurze Pause und entscheiden auf den Besuch des Städtchens zu verzichten. Hier hat wohl Jimi Hendrix eine Zeitlang mit seiner Entourage gelebt – seitdem ist das Örtchen Anziehungspunkt für eine Hippie-Gemeinde. Gegenüber liegt die Ile de Mogador, heute ein Naturschutzgebiet mit einem zerfallenen Fort, das nicht betreten werden darf. Fischerboote, die von hungrigen Möwen umlagert werden, ziehen einsam ihre Kreise und hoffen auf einen guten Fang.

Zurück in Essaouira nehmen wir erneut auf dem Place Moulay Hassan nahe dem Uhrturm im sehr empfehlenswerten Picknick-Café Platz und bekommen einen wirklich hervorragenden Mittagssnack serviert, dazu gibt es einen leckeren Smoothie aus Obst und Gemüse. Das Café wird von einer Frauenkooperative betrieben und hat tatsächlich eine Dependence in Frankfurt!

Zum Abschluss unseres Aufenthaltes in Essaouira haben wir uns noch einmal ein ganz besonderes Restaurant ausgesucht, das La Clé de Voute, das ganz in der Nähe unseres Riads liegt. Hier kommen raffiniert arrangierte französisch-marokkanische Gerichte auf den Tisch. Wir bestellen unter anderem eine Lammterrine, die hervorragend ist. 

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