Windhoek

2./3. April 2014 – Hannover – Windhoek – Anreise mit Hindernissen

Der umfangreichste Streik aller Zeiten in der deutschen Luftfahrt beginnt ausgerechnet am Abreisetag unseres Namibia-Urlaubs! Bereits vor einigen Tagen kündigte die Pilotenvereinigung an, die Arbeit vom 2. – 4. April niederzulegen. „Nichts geht mehr“ auf den deutschen Flughäfen, titelten die deutschen Gazetten.

Am Vortag unserer Abreise stelle ich mich also in aller Herrgottsfrühe in die Schlange betroffener Fluggäste am Lufthansa-Schalter im Flughafen Hannover. Sage und schreibe zwei Stunden muss ich warten, bevor ich das umgebuchte „Good for Train“ Ticket nach München glücklich in den Händen halten darf. Eine Online Umbuchung war nicht möglich und auch die Hotline der Lufthansa war rund um die Uhr besetzt (sogar mitten in der Nacht!). Ganze zwei Schalter sind morgens geöffnet und die bedauernswerten Mitarbeiterinnen müssen sich den gesammelten Unmut der Fluggäste gefallen lassen – professionelles Krisenmanagement sieht anders aus!

Ohne nennenswerte Verspätung startet der ICE nach München – wir sind etwas überrascht, dass der Zug fast leer ist! Erwartet hatten wir eher das totale Chaos auf den ICE-Linien nach Frankfurt und München, zumal der Streik über 400.000 Fluggäste zur Umbuchung, größtenteils sicherlich auf die DB, gezwungen hat. Wir haben uns allerdings zu früh über die seltene Pünktlichkeit der Bahn gefreut! In München angekommen, machen wir uns auf den Weg zur S-Bahn, die uns zum Münchener Flughafen bringen soll. Eine Durchsage am Bahnsteig unterrichtet uns, dass alle S-Bahnen aufgrund eines technischen Defektes erst ab dem Ost-Bahnhof fahren und die Fahrgäste auf U-Bahnen ausweichen müssen. Also wuchten wir unser Gepäck wieder eine Treppe hinauf und begeben uns zur U-Bahn. Gleich mehrere Münchener Bürger sind auffallend hilfsbereit und weisen uns den Weg durch den „Bahnsteig-Dschungel“.

Am Ostbahnhof, einem der wichtigsten Verkehrsdrehkreuze Münchens, herrscht Chaos. Wir müssen erneut den Bahnsteig wechseln, da die S-Bahn zum Flughafen aufgrund der Störung heute von einem anderen Bahnsteig aus verkehrt. Schließlich erreichen wir doch noch nahezu fahrplanmäßig  Terminal 2, wo wir uns direkt am Schalter von South-African Airways einchecken. Aufgrund des Streiks ist der Flughafen gähnend leer, da maximal ein Viertel des sonstigen Flugbetriebes abgewickelt werden muss. Wir genehmigen uns noch im Biergarten vor Terminal 2 ein zünftiges Weißbier und begeben uns dann alsbald zum Gate.
Der Flug nach Johannesburg mit SAA ist angenehm – erstmals nehmen wir auf einem Flug ein Schlafmittel, das uns einen recht ruhigen Schlaf ermöglicht. Zuvor sehen wir uns noch den Nelson Mandela Film (in englischer Sprache) an. Erfreut vom ersten African Sky dieses Urlaubs werden wir noch über den Wolken, als ungefähr auf Höhe des Okavango Deltas der Sonnenball über der Horizontlinie auftaucht und den Himmel rot einfärbt. 

Der Wechsel des Terminals in Johannesburg, um den Anschlussflug nach Windhoek zu erreichen, ist entgegen anders lautender Berichte im Namibia-Forum stressfrei und locker in einer halben Stunde machbar, auch wenn eine Passkontrolle und ein erneuter Sicherheitscheck dazwischen liegt. Auch den zweistündigen Flug nach Windhoek überstehen wir ohne Probleme und nehmen unser Gepäck in Empfang – zum Glück ereilt uns nicht das Schicksal einiger Reisender, die im Namibia-Forum gepostet haben, dass sie in Windhoek zunächst ohne Gepäck dagestanden haben – und werden in der Halle bereits erwartet von einem Bushlore Mitarbeiter, unserem Autovermieter.

Der Flughafen liegt vierzig Kilometer außerhalb Windhoeks und wir werden zum kleinen Office von Bushlore in die Stadt kutschiert. Wie immer wird zunächst der ganze „Papierkram“ erledigt und dann erfolgt die Einweisung in unser Gefährt, das uns in den nächsten vier Wochen begleiten wird. 

Wir erhalten einen nagelneuen Toyota Hilux Bushcamper – tatsächlich sind wir die ersten Mieter und stehen nur zu gerne für die „Jungfernfahrt“ bereit! Die Ausstattung ist bei diesem von Bushlore entwickelten Fahrzeug extrem gut durchdacht und wird den Bedürfnissen der Camper im Busch mehr als gerecht. Viele neue Features erkennen wir sofort als klare Verbesserung gegenüber dem „08-15-Hilux“, mit dem wir im vergangenen Jahr unterwegs waren. Schmuckstück ist natürlich das Dachzelt, das sich ausgestattet mit einem Alu-Dach vom Heck her ganz einfach entfalten lässt und sofort fix und fertig ist! Die Einweisung durch Gavin, dem jungen Chef-Manager der Windhoek Dependence von Bushlore, ist gewohnt kompetent. Wir fragen gezielt nach dem Hi-Lift-Jack, den Gavin uns eigentlich vorenthalten will. Bei falschem Einsatz ist dieses Gerät eine echte Waffe und kann Mensch und Material Schaden zufügen! Wir bestehen jedoch aus den Erfahrungen des Vorjahres auf den Hi-Lift-Jack und werden im Verlauf unserer Reise froh sein, in diesem Punkt hartnäckig geblieben zu sein. Die Funktionsweise des Hi-Lift-Jack Wagenhebers wird von Gavin nochmals akribisch erklärt, ebenso wie der Gebrauch des Sat-Phones, das wir erstmals gemietet haben.

Bevor wir unsere vorgebuchte Pension aufsuchen, wollen wir noch einem Möbelladen in Windhoek (in der Bell Street) einen Besuch abstatten, in dem es eine Solarleuchte in Form eines Einmachglases (Solar-Jar von der Firma Con-Sol, 240 NAM $/Stück) geben soll. Wir haben diese dekorativen Lampen im vergangenen Jahr in der Haina Kalahari Lodge bewundert und in Botswana aber nicht kaufen können. Der Hersteller der Leuchten hat uns an die Firma Vika in Windhoek verwiesen, wo wir vier Exemplare erwerben. Eine der Solarleuchten wird uns in den kommenden vier Wochen romantisches Licht beim Dinner auf den Campsites bescheren!

Die Pension Steiner* liegt sehr zentral in unmittelbarer Nähe zur Independence Road (ehemals Kaiserstraße!), der pulsierenden Verkehrsader Windhoeks, ist aber dennoch ruhig. Wir checken erst einmal ein und deponieren unser Gepäck im Zimmer, welches funktionell eingerichtet ist und – ganz wichtig – über ein großes, bequemes Bett verfügt. In dem wundervollen Garten erfrischen wir uns mit einer Coke Light. Leider haben wir keine Zeit, ein Bad im einladenden Pool zu nehmen, da wir noch unseren Großeinkauf erledigen wollen.

Beste Adresse dafür ist der Super-Spar, der sich in der Maerua Einkaufsmall, der größten Mall des Landes, befindet. Wir haben in Afrika noch nie einen so gut sortierten Supermarkt gesehen. Es ist offensichtlich, dass man sich hier auf das deutschstämmige Klientel eingestellt hat – es gibt sogar ein großes Regal mit deutschen Artikeln! Corinna raunzt scherzhaft, „das ist ja wie bei uns zu Hause – fast ein bisschen langweilig“, aber letztlich können wir froh sein, uns hier umfassend für unsere Tour eindecken zu können. Eine gute Stunde arbeiten wir unseren vorbereiteten Einkaufszettel ab und erwerben dann noch im benachbarten Liquor Store südafrikanischen Rot- und Weißwein sowie zwei Sixpacks Windhoek Bier.

In unmittelbarer Nähe der Pension Steiner finden wir ein sehr empfehlenswertes Restaurant, das „Corner Sixty 2nd“. Hier schlemmen wir am Abend nach allen Regeln der Kunst. Es gibt einen Starter mit dem verheißungsvollen Namen  „Land vs Sea“, eine Kombination aus Oryx Carpaccio und Thunfisch Sashimi, gefolgt von einem leckeren Braai (afrikanisches Barbecue) sowie  Wildroulade mit Gemüsebeilagen. Mit einem Sauvignon Blanc stoßen wir auf den vor uns liegenden spannenden Urlaub an.

4. April 2014 – Von Windhoek zur Bushberg Guest Farm (410 Km, 3,5 Stunden)

Unterwegs zum Etosha Nationalpark – unsere erste Nacht im Bushcamper
Bereits um 9 Uhr sind wir gestern Abend todmüde ins Bett gefallen. Die Nacht ist nach dem anstrengenden Flug erholsam. Nach dem Frühstück sortieren wir unseren Einkauf und stellen fest, dass der Bushcamper auch in Bezug auf Stauraum genial durchdacht ist. Es gibt ein riesiges hochklappbares Fach unterhalb des unteren Bettes, in dem neben dem Reserverad und dem Werkzeug jede Menge Platz für Wasserkanister, Holz und andere sperrige Gegenstände ist.

Einen kleinen Eindruck von Namibias Hauptstadt wollen wir dann doch noch gewinnen, auch wenn Windhoek selbst nicht im Mittelpunkt unseres Interesses steht.

T4Africa Karte: Windhoek - Bushberg Guestfarm*

Also begeben uns wir uns zu Fuß zur Independence Avenue. Die architektonische Mixtur ist hier besonders auffällig: Kolonialarchitektur trifft auf hyper-moderne Wolkenkratzerbauweise.

Der deutsche Kolonialeinfluss spiegelt sich in Straßen- oder Gebäudenamen wieder, auch wenn die Regierung bemüht ist, diese unrühmliche Zeit Namibias aus dem Stadtbild nach und nach zu verbannen. Einige neue Straßennamen wie die Fidel-Castro Street oder die Robert-Mubabe-Avenue sind allerdings politisch kaum korrekter als die alten! Oberhalb der Independence Avenue befindet sich auf einem Hügel das Wahrzeichen Windhoeks, die Christuskirche.

Nach diesem kleinen Rundgang wollen wir noch Fleisch bei einem deutschen Metzger einkaufen, der in Windhoek seit Jahrzehnten ansässig ist. Die „Klein-Windhoek Schlachterei“ befindet sich im Gewerbegebiet Nord in der Albert Wessels Straße. Hier kann man jegliches Game-Fleisch bekommen. Ich bin der einzige weiße Kunde in dem kleinen Lädchen, in dem im hinteren Teil emsig Wurst- und Fleischwaren aller Art produziert werden. Ich stelle mich brav in der Schlange an, während die Verkäuferin die ausschließlich farbige Kundschaft immer wieder ruppig anfährt, sie mögen aufrücken, schließlich wollten noch mehr Leute Fleisch kaufen! Als ich an der Reihe bin, werde ich sogleich ins Büro gebeten, in dem die Chefin des Hauses vor großen Geldstapeln sitzt und die Tageseinnahmen zählt. Der Sohn des Hauses, von den Angestellten „Wolfi“ oder „Wolferl“ genannt, nimmt meine Bestellung auf. Ich ordere Oryx-, Kudu- und Springbockfilet sowie Burenwurst, jeweils in 500 Gramm Einheiten vakuumverpackt. So hält das Fleisch in unserem Kühlschrank gut und gerne zehn Tage.

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