Chobe Nationalpark

Am Gate lassen wir uns noch Tipps für die Fahrt nach Savuti geben. Nach dem Dorf Khwai wartet erneut eine Wasserdurchfahrt auf uns – Corinna graut es bereits jetzt davor. Ich lasse mir vom Ranger den exakten Weg durch das Wasser erklären. Wir sollen uns immer rechts am Ufer halten und nicht den direkten Weg nehmen. Als wir vor der Lagune stehen, stelle ich erneut fest: „Das ist eigentlich komplett unlogisch, der direkte Weg sieht so einfach und kurz aus! Wenn man es nicht besser wüsste, würde man auch hier ganz sicher geradeaus fahren“. Ich habe aber aus meinem Fehler gelernt und folge genau der Beschreibung.

Corinna will aber auf Nummer sicher gehen und prüft mit einem Stock die Tiefe des Wassers und die Beschaffenheit des Untergrundes. Die Durchfahrt ist wie vom Ranger angekündigt letztlich ein Kinderspiel, das Wasser reicht gerade einmal bis zur Oberkante der Reifen.

Es gibt von Khwai eine neue Transit-Road nach Savuti, die noch in kaum einer Karte verzeichnet ist, die Calcrete Road. Es ist eine harte Gravel Road, auf der man problemlos 50 km/h fahren kann. Auch die Two-Spoor-Sand Piste hinter der ausgeschilderten Abzweigung nach Savuti ist in sehr gutem Zustand. Bis zum Mababe Gate benötigt man nicht einmal 4×4. Am Gate erledigen wir schnell die Formalitäten und erkundigen uns nach dem besten Weg zum Savuti Camp. Die alte Piste über die Magwikhwe Sandridge ist tiefsandig und wird nicht empfohlen. Es gibt eine neue ruppige, aber harte Piste, die in Richtung Tsukwe Pans führt – diese Route wird uns empfohlen. Unterwegs kreuzt ein einsamer Büffelbulle unseren Weg. Eine Giraffenherde sucht Schutz vor der glühenden Mittagshitze unter einer einsamen Akazie.

Wir durchfahren auf den letzten Kilometern eine bizarre Wüstenlandschaft mit Baumgerippen, die nach Dauerüberflutungen abgestorben sind. Am Wegesrand liegt das Skelett eines Elefanten – unglaublich wie voluminös die Knochen sind.

Elefantenfriedhof bei Savuti

Die letzten Kilometer vor dem Camp sind extrem tiefsandig und ich bin froh, dass wir diese Mal ohne Freischaufeln durchkommen. Wir haben die Campsite Nummer 6 von SKL zugewiesen bekommen (76 € p.d.), ein Tausch mit einem der Campsites am Savuti Channel (2, 4 und insbesondere die Campsite „Paradise“) hat leider nicht geklappt. Corinna macht sich im Abolution Block erst einmal frisch und kehrt zurück mit einem netten holländischen Paar, das sie bereits im North Gate Camp beim Duschen kennengelernt hat. Wir plaudern eine ganze Weile über die jeweiligen Erlebnisse unserer Reise.

Savuti eilt ein legendärer Ruf voraus, da das Gebiet extrem reich an Wildtieren ist und es einer der besten Plätze in ganz Afrika für Elefanten- und Raubtierbeobachtungen überhaupt sein soll. Der Savuti Campsite hat allerdings in der Zwischenzeit ein wenig seiner wilden Romantik eingebüßt. Zum einen ist der Abolution Block zu einer für Elefanten uneinnehmbaren Festung geworden, umringt von einem befestigten steinernen Wall.

Savuti Camp

Die Wasserhähne an den Stellflächen sind eingefasst in einen steinernen Block, um sie vor den Pavianen zu schützen, die Sanitäranlagen in einem tadellosen Zustand und gepflegt. Zum anderen sind am Savuti Channel, an dem sich früher alle Campsites befanden, inzwischen teure Lodges mit luxuriösen Safari-Tents (340 – 410 € pro Person und Nacht!) errichtet worden, so dass man Abgeschiedenheit und extreme Stille hier sicher nicht mehr erwarten kann. Es ist der belebteste Ort, den wir auf unserer Reise bislang angetroffen haben.

Alle Wasserlöcher in Savuti sind zu dieser Jahreszeit ausgetrocknet. Auch die „Artificial Waterholes“ werden nicht mehr mit Wasser versorgt, seitdem der Savuti Channel wieder Wasser führt. Gegen Nachmittag fahren wir das Gebiet am Savuti Channel ab. Höhepunkt ist ein Leopard, der auf einem Baum liegend eine Impalaherde beobachtet. Natürlich haben sich um das prachtvolle Tier bereits einige Safariautos versammelt. Wir stellen einhellig fest, dass der Adrenalinkick ein wenig ausbleibt, wenn andere Safariautos ein Tier entdeckt haben und man sich dann einfach dazugesellt. Selbst entdeckte Tiererlebnisse, die man möglichst mit Niemandem teilen muss, sind hingegen ein unvergleichliches Erlebnis.

Wir sind am Abend verabredet mit Ryan und Rebekka, unseren australischen „Rettern“ von Dead Tree Island. Sie müssen leider das Einladungsdinner ausschlagen, da sie es verständlicherweise vermeiden wollen, im Dunkeln zu ihrer Campsite zu Fuß zurück zu laufen. Die Campsites liegen alle ein gutes Stück auseinander und sind umgeben von Buschwerk. Alle Raubtiere und auch Elefanten streifen gerade in den nächtlichen Stunden regelmäßig quer durch das Camp. Wir plaudern eine ganze Weile mit den Beiden bei einem Bier. Während dessen zieht ein Elefantenbulle entspannt an unserem Platz vorbei.Den Abend lassen wir ausklingen mit einem leckeren Braai – es gibt ein köstliches Rib Eye Steak mit Salat und in Alufolie gegartem Butternutkürbis.

4. Oktober 2013, Game-Drives in Savuti, Chobe NP – Ein Löwenrudel reißt einen unglückseligen kleinen Elefanten

Die Gegend um Jackal Island ist uns von Nick, den wir in der Haina-Lodge getroffen haben, wärmstens ans Herz gelegt worden. In diesem wasserreichen und fruchtbaren Gebiet tummeln sich zahlreiche Wildtiere und auch Vögel. Kehrseite der Medaille ist, wir müssen uns das wildreiche Feuchtgebiet durch zahlreiche Wasserdurchfahrten „hart erarbeiten“. Corinna ist alles andere als begeistert, doch wir fassen den Plan, einfach einem Safariauto zu folgen, der uns die besten Passagen durch das Wasser schon zeigen wird. Erneut schwappt das Wasser teilweise bis über die Windschutzscheibe hinaus, jedoch erweist sich der Untergrund überall als hart und gut befahrbar.

Farbenfrohen Gabelracken oder Wasservögel wie Hammerköpfe und unterschiedliche Reiher sind überall am Wegesrand anzutreffen.

Und immer wieder begeistern uns die niedlichen kleinen Steinböckchen, die in der Regel schnell das Weite suchen, wenn man sich ihnen nähert.

Gabelracke (Lilac-breasted Roller)
Steinböckchen

Plötzlich sehen wir bei Motsibi Island direkt vor uns eine Löwin, die durch das Unterholz schleicht. Der Guide des vorausgefahrenen Fahrzeuges erklärt uns, dass heute Morgen ein Löwenrudel ein Gnu gerissen hat und seine Beute wenig später an eine Herde von fast zwanzig Tüpfelhyänen eingebüßt hat.

Tatsächlich sind Hyänen in der Lage, Löwen von ihrem Riss zu vertreiben. Mit dem Fernglas entdecken wir auf der Ebene zehn bis zwölf Hyänen, die sich an ihrer Beute zu schaffen machen. Daneben lauert schon ein Schakal, der in der Reihenfolge als nächster zum Zuge kommen könnte. Die letzten „Resteverwerter“ sind schließlich die Geier, die am Horizont ebenfalls schon kreisen.

Tüpfelhyänen sind  in Afrika weit verbreitet. Sie sind hoch effiziente Jäger und mehr oder weniger Allesfresser. Da jegliches Aas, unabhängig davon wie alt es ist, von ihnen mit Haut und Knochen gefressen wird, spielen sie ein wichtige Rolle bei der Verhinderung von Seuchen- und Krankheitsausbrüchen. Primär sind Tüpfelhyänen nachtaktiv und leben in einem von einem dominanten Weibchen geführten Clan.

Da Hyänen regelmäßige Besucher der Camps sind und sämtliche Ausrüstungsgegenstände von Schuhen über Geschirr bis hin zu Lampen vor ihnen nicht sicher sind, sollte man nachts alles zurück ins Auto räumen.

Vom Grundsatz sind Hyänen dem Menschen gegenüber allerdings eher scheu und zurückhaltend, da Menschen eine potentielle Bedrohung darstellen. Markant ist ihr langgezogener Ruf bei Nacht oder das schaurig klingende Gelächter, das Ausdruck ihrer Angst ist.

Kurz darauf wartet das nächste Highlight: Nachdem das Löwenrudel von den dreisten Hyänen vertrieben worden ist, haben sie wenig später einen kleinen unglückseligen Elefanten unweit der Ebene gerissen. Drei Löwinnen zerren hechelnd und mit blutverschmierten Mäulern an dem Kadaver.

Der Löwenmann kommt bei der Beute grundsätzlich als erster zum Zuge und vertilgt zunächst seinen sprichwörtlichen „Löwenanteil“. Er ist offenbar bereits satt und döst gähnend im Schatten eines Busches vor sich hin. Wir schauen dem stolzen Löwenmann direkt in seine großen gelben Augen – welch fantastisches Erlebnis, das uns einen (angenehmen) Schauder über den Rücken treibt!

Tüpfelhyäne

Nachdem sich auch die drei Löwinnen satt gefressen haben, ziehen sie sich ebenfalls in den Schatten zurück. Die Anstrengung der Jagd und auch des Festmahl ist ihnen regelrecht anzusehen, schwer atmend ruhen sie sich von den Strapazen der Jagd und der „Fressorgie“ aus. Die heutige Beute ist so umfangreich, dass selbst vier ausgewachsene Löwen nur einen Bruchteil des Fleisches in einer Mahlzeit verspeisen können. Da werden sicher noch einige „Trittbrettfahrer“ zum Zuge kommen!

Erneut verbringen wir die heißen Stunden des Tages in unserem Camp unter unserer schattenspendenden Akazie mit Lesen, Reisebericht schreiben und Fotos auf Festplatte speichern. Ein Lüftchen macht die brütende Hitze unter dem Baum sehr erträglich.

Nochmals befahren wir die fruchtbare Ebene in der Nähe von Jackal Island. Unterwegs sichten wir einen Leoparden, der jedoch alsbald im dichten Busch verschwindet. Auch sind zahlreiche Wasserböcke hier zu beobachten.

An einem Aussichtspunkt am Savuti Channel steht plötzlich Paul mit dem netten Berliner Paar, unsere Bekanntschaft aus Third Bridge, neben uns. Wir berichten über unser morgendliches Erlebnis mit den vier Löwen und dem gerissenen Elefanten und erklären uns bereit, ihnen die Stelle zu zeigen. Es ist gleichzeitig ein beruhigendes Gefühl, mit Paul gemeinsam die zahlreichen Wasserdurchquerungen (er fährt mit seinem hoch gelegten Landcruiser vor!) zu machen.

Das Löwenrudel ist tatsächlich noch immer mit seinem Riss beschäftigt. Viel Zeit können wir allerdings nicht hier verbringen, da die Sonne bereits untergeht. Jede Wasserpassage, insbesondere die letzte durch den Savuti Channel, die das Wasser erneut über die Windschutzscheibe treibt, verursacht aufs Neue einen Adrenalinstoß.

Im Camp entfachen wir schnell ein Feuerchen, da es bereits dunkel ist und bauen in aller Schnelle unser Dachzelt auf. Heute gibt es endlich einmal wieder Potjie mit Linsen, Rinderfilet, Kürbis und Zwiebeln – lecker! Während wir das Essen zubereiten, bekommen wir erneut Besuch von einem Elefantenbullen, der sich genussvoll an einem Baum schabt. 

5. Oktober 2013, Savuti – Linyanti, 43 Kilometer, 1 ¾ Stunden – Im „Elefantenland“

Nach einem gemütlichen Frühstück, bei dem sich die „Haustierschaar“ um uns herum scheinbar täglich vergrößert, erkundigen wir uns am Gate nach der Direktverbindung von Savuti nach Linyanti.

Weißbürzeldrossling (Hartlaub´s Babbler)

Die Strecke ist aufgrund seines Tiefsandes berüchtigt. Der Ranger meint jedoch, dass die Piste gut befahrbar sei. Zunächst wollen wir uns die Rockpaintings am Bushman Hill, einer von sieben Erhebungen in der Mababe Senke, anschauen. Die Bilder wurden vor rund 3.000 Jahren von  Buschmännern gezeichnet und zeigen Tierdarstellungen. An diesem Ort darf man das Auto verlassen, ansonsten ist das Austeigen im Park strengstens verboten. Ob die Raubtiere wissen, dass sie Bushman Hill nicht betreten dürfen…? Vom Berg aus hat man einen schönen Ausblick auf den Savuti Channel und das dahinter liegende Buschland.

Über die Linyanti Brücke fahren wir anschließend in nördliche Richtung. Der erste Teil der Piste ist hart und gut befahrbar, erst nach ungefähr sechs Kilometern hinter Savuti beginnt der Tiefsand. Die ersten Kilometer sind extrem und wir sind froh, so früh losgefahren zu sein, wo die Konsistenz des Sandes noch deutlich angenehmer als zu späterer Stunde ist. Letztlich meistert unser Hilux den Tiefsand mit Bravour, die letzten Kilometer durch Mopanewald sind überwiegend hart und unproblematisch. Beim Einchecken im Linyanti Camp, das wie North Gate und Savuti durch SKL betrieben wird, stellt die Rangerin und erstmals die Frage nach dem nächsten Angehörigen im Falle eines „tödlichen Zwischenfalls mit Wildtieren“. Unsere Campsite Nummer 2 ist ein wahrer Traum mit Blick auf den Linyanti River (76 € p.d.). Der Abolution Block ist sehr einfach, aber gepflegt und sauber. Für die fünf zur Verfügung stehenden Campsites gibt es jeweils für Damen und Herren eine Dusche und eine Toilette.

Linyanti liegt in der äußersten Ecke des Chobe National Parks und wird nicht annähernd so stark frequentiert wie zum Beispiel Savuti. Dementsprechend ruhig ist es hier. Auf der anderen Uferseite des Linynatis befindet sich der Caprivistreifen, der zu Namibia gehört. Die Linyantisümpfe bedecken eine Fläche von ungefähr 900 Quadratkilometern, nur ein kleiner Teil davon darf befahren werden. Der Rest des Gebietes befindet sich mehr oder weniger in Privatbesitz mit Luxuscamps der absoluten Oberklasse. Nicht selten sind hier Preise von bis zu 1.400 € pro Person und Nacht!

Linyanti ist fest in Hand der Elefanten. Riesige Herden ziehen durch die Sümpfe und Wälder. Ein großes Problem in der Region ist leider immer noch die Wilderei. Jährlich fallen fast 200 Elefanten Wilderern zum Opfer, daran ändern auch die häufigen Patrouillen der Wildhüter auf botswanischer Seite nichts. Zumeist kommen die Wilderer aus Namibia über den Linyanti, ein Unrechtsbewusstsein der örtlichen Bevölkerung für ihr Handeln ist leider nicht vorhanden – im Gegenteil: Die Bevölkerung hält es für ungerecht, dass riesige Landstriche für gut betuchte Touristen reserviert sind, während sie selbst vom Wildreichtum nicht profitieren dürfen.

Wir setzen uns ans Flussufer und beobachten die im Schilf grasenden Elefanten. Eine Elefantenkuh mit ihrem Nachwuchs zieht in unmittelbarer Nähe an uns vorbei, ohne Notiz von uns zu nehmen. Von den zahlreichen Hippos hören wir nur das laute Grunzen – das Flussufer, an dem das Camp liegt, ist für sie glücklicherweise nicht von allzu großem Interesse, da es hier kein saftiges Gras gibt. Dennoch muss man in den Abendstunden immer auf der Hut vor den unberechenbaren Kolossen sein.

Der Abendhimmel färbt sich tiefrot über dem Linyanti – in Afrika kann man sich einfach nicht satt sehen an dem Farbspektakel von „Sunset und Sunrise“.

Unser Braai am Abend fällt dieses Mal leider nicht so überzeugen aus, da das Rumpsteak zäh wie Leder ist. In der Nacht erhalten wir erneut Elefantenbesuch. Dieses Mal hat es ein Dickhäuter auf unseren Baum abgesehen, unter dem unser Zelt steht. Die gespannte Wäscheleine ist ihm im Weg und so wird sie von dem Dickhäuter gesprengt und unsere zum Trocknen aufgehängte Wäsche kurzerhand über den Platz verteilt!

6. Oktober 2013, Linyanti, Game Drives, 20 Km – Seltene Begegnung mit Wildhunden

Der Tagesablauf in Linyanti ist das komplette Kontrastprogramm zu Savuti. Während in Savuti rege Betriebsamkeit herrscht und permanent Safarifahrzeuge auf der Jagd nach dem besten Fotospot für ihre jeweiligen Klienten sind, herrscht in Linyanti entspannte Gelassenheit vor. Ausgedehnte Game-Drives sind nicht möglich, es gibt allerdings zwei lohnende Riverfront-Drives von je fünf Kilometern beidseitig des Camps. In Linyanti kann man sich auch überlegen, sein Fahrzeug einfach einmal stehen zu lassen, sich ans Flussufer zu setzen und die Tiere zu sich kommen zu lassen! Eigentlich passiert rund um die Uhr immer irgendetwas, Linynanti ist natürlich auch ein interessanter Birding-Spot. Unterschiedliche Vögel umschwirren das Camp, allen voran der im Sonnenlicht prachtvoll blau leuchtenden Glanzstare, Bronzeflecktauben, Haubenbartvögel, gelbe Weber und Eisvögel, die blitzartig ins Wasser tauchen, um kleine Fische zu erbeuten.

Haubenbartvogel (Crested Barbet)

Am Morgen taucht ein Auto mit fünf jungen Italienern bei uns im Camp auf. Sie haben die Nacht auf der Piste wenige Kilometer vor Linyanti verbracht, da sie abends im Tiefsand stecken geblieben sind und keine Lust mehr hatten, sich vor Sonnenuntergang zu befreien. Schlimmer jedoch wiegt, dass sie festgestellt haben, dass ihr Fahrzeug offenbar nicht vollgetankt war. Ob wir vielleicht noch etwas Sprit für sie hätten, fragen sie etwas naiv. Natürlich nicht, wir hätten zwar gerne geholfen, aber inklusive einer kleinen Notreserve von vielleicht 10 oder 20 Litern kommen wir so eben mit unserer Tankfüllung nach Kasane, der nächsten Tankstelle auf unserer Strecke. Überall ist zu lesen, dass es zwischen Maun und Kasane keine Tankstellen gibt und man ca. 150 Liter Sprit braucht, wenn man noch ein paar zusätzliche Game Drives machen möchte.

In den Tiefsandpassagen verbraucht der 4×4 auch schnell einmal 20 Liter auf 100 Kilometern. Wir wundern uns schon sehr, wie uninformiert sich einige Leute in die Wildnis aufmachen!

Abends befahren wir beide Riverside-Drives. Der Wald ist voller Elefanten, immer wieder müssen wir stoppen, um darauf zu warten, dass die Dickhäuter den Weg freigeben. Es ist deutlich zu spüren, dass die Tiere in Linyanti Menschen gegenüber deutlich nervöser reagieren – vermutlich ein Ergebnis der Wilderei vor allem auf namibischer Seite. Wir beobachten zahlreiche Gruppen mit winzig kleinen Baby-Elefanten, die ihren Müttern nicht von der Seite weichen und immer wieder zum Milchtrinken „andocken“.

Zurück im Camp sitzen wir am Linyantiufer und bewundern den Sonnenuntergang. Corinna macht am Ufer, nicht weit entfernt von uns, eine Bewegung aus. „Da sind Wildhunde, ich fass es nicht“, flüstert sie begeistert. Tatsächlich, ein Clan von 10 bis 12 Tieren ist soeben zum Flussufer hinunter gekommen, um zu trinken.

Die faszinierenden, hundeähnlichen und hochbeinigen Wild Dogs mit den auffällig rundlichen Ohren und den individuellen Fell-Zeichnungen stehen in der Skala der vom Aussterben bedrohten Tierarten in Afrika an zweiter Stelle. Nur noch 2.000 Exemplare gibt es, davon 600 – 800 in Botswana. Einheimische Rancher machen gnadenlos Jagd auf die Tiere, um ihre Rinder zu schützen. Dabei jagen Wild Dogs nie Rinder, solange Wildtiere als Beute verfügbar sind. Das größte Problem liegt darin, dass Wild Dogs ein riesiges Territorium für ihre Lebensweise benötigen und der Mensch diese Bedürfnisse durch seine Eingriffe in ihren Lebensraum immer mehr einschränkt. Auch versuchen andere Raubtiere, wie Löwen und Hyänen, den Nachwuchs der Beutetierkonkurrenten zu töten. Wildhunde jagen grundsätzlich im Clan, erreichen dabei Spitzengeschwindigkeiten von 55 km/h und sind dabei vor allem extrem ausdauernd. Beutetiere werden in einer Hetzjagd über mehrere Kilometer bis zur völligen Erschöpfung vor sich her getrieben. Sogar große Antilopen fallen Wildhunden zum Opfer. Mit einer Erfolgsquote von 95 % (Löwen haben im Vergleich lediglich 20 %) sind sie die erfolgreichsten Jäger Afrikas.

Wilddog

Genau so schnell wie der Wild Dog Clan aufgetaucht ist, ist er auch wieder verschwunden – uns gelingen gerade noch ein paar schnelle Schnappschüsse. Wildhunde sind extrem rastlos, immer in Bewegung und nie über einen längeren Zeitraum an einem Ort zu beobachten. Wir sind begeistert über diese überaus seltene Tierbegegnung.

Am Abend machen wir im Potjie Buschpizza – wir können uns nicht erinnern, jemals eine leckerere Pizza gegessen zu haben! Dazu gibt es einen südafrikanischen Sauvignon Blanc. Das Grundrezept für den Pizzateig ist das gleiche wie für das Buschbrot, lediglich etwas mehr Öl wird beigefügt, Belag nach Lust und Laune! Danach wird die Pizza 20 Minuten gebacken mit sehr wenig Holzkohle unter (damit der Boden von unten nicht verbrennt) und viel glühender Holzkohle oben auf dem Deckel.

Erneut werden wir in der Nacht vom Geraschel einer Gruppe äsender Elefanten vor unserem Zelt geweckt und verfolgen das Treiben eine ganze Weile lang.

7. Oktober 2013, Linyanti – Ihaha, Chobe NP – Übernachtung unter einem „Pavian-Schlafbaum“

Heute brechen wir zu unserer letzten Station in der Wildnis auf, bevor wir die Rückfahrt nach Johannesburg antreten. Nochmals befahren wir den Riverside Drive und können uns kaum trennen von der Beobachtung der Elefantenherden im Busch. Zwei Dickhäuter begrüßen sich innig, geradezu liebevoll, in dem sie ihre Rüssel aneinander reiben. Man sieht ihnen die Wonne, die sie dabei empfinden, regelrecht an.

Schließlich müsen wir uns von unseren liebgewonnen Elefanten losreißen, da wir noch eine lange Fahrstrecke durch Tiefsand nach Ihaha vor uns haben. Die ersten Kilometer sind in kurzen Abschnitten extrem, danach ist die Two-Spoor Sandpiste aber gut befahrbar, größtenteils ist sogar das Zuschalten des 4×4 nicht notwendig. Auch auf dieser Strecke gibt es nicht all zu viel zu sehen, es ist eine reine Transitstrecke durch Mopanewald.

Am Ende der Sandpiste in Kachikau befindet sich ein Craftshop, in dem wir eine schöne geschnitzte Holzschale erwerben, für afrikanische Verhältnisse zu einem horrenden Preis (140 Pula). Hier werden die Touris, die bereits im Chobe NP sehr viel Geld ausgegeben haben, nochmals „ausgenommen“. Die abweisend wirkende Verkäuferin lässt sich, entgegen der sonstigen afrikanischen Gepflogenheiten nicht einmal aufs Feilschen ein! Wir decken uns für die letzten Tage noch einmal mit kaltem Bier, das uns längst ausgegangen ist, ein. Die Straße in dem kleinen Örtchen ist gesäumt von Schirmakazien, die noch nicht aus dem „Winterschlaf“ erwacht sind. Wir treffen hier nach acht Tagen erstmals wieder auf eine Asphaltstraße.

Am Ngoma Gate, dem Zugang zum Chobe Game Reserve, stoßen wir auf zwei extrem unfreundliche Mitarbeiter, die uns mit großer Unlust abfertigen. Wir sind in den letzten Wochen zumeist auf große Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft gestoßen, haben aber leider auch mal negative Begegnungen gehabt. Nach wenigen Kilometern liegt der Chobe River mit seiner nahezu endlosen saftig grünen Ebene vor uns. Wildtiere wie Gnus, Büffel, Zebras, Antilopen und Elefanten tummeln sich hier ebenso wie zahlreiche Wasservögel. An einigen Stellen kann man von der „Mainroad“ aus in Loops hinunter zum Chobe-Ufer fahren. Die Anreise avanciert somit zu einer Art Game Drive, bei dem alle paar Sekunden etwas Neues zu entdecken ist.

An unserer Campsite Nummer 9 freunden wir uns schnell mit der „Camp-Giraffe“ an. Corinna stellt sich direkt unter das eindrucksvolle Tier, ohne dass sich die Giraffe auch nur im Geringsten von ihr gestört fühlt.

Natürlich ist dieses Verhalten nicht normal und sicher auf Domestikation durch Camp-Gäste zurück zu führen. Die Giraffen haben gelernt, dass von den Bewohnern des Camps keine Gefahr ausgeht. Die Campsites 6 – 10 sind traumhaft direkt an der Riverfront mit Blick auf die weite Ebene gelegen, die anderen Plätze liegen hingegen etwas weiter vom Chobe-Ufer entfernt (52 € p.d.). Das Ihaha Camp ist leider in keinem besonders guten Zustand. Die Abolution Blocks machen einen verwahrlosten Eindruck, die Campsites werden für die Gäste gerade einmal notdürftig hergerichtet. Überall liegt der Kot der Paviane herum und durch die nicht vorhandene Verschlusstechnik der Abfallkörbe, kommen die Paviane mühelos an den Inhalt der Körbe heran und verteilen diesen über den gesamten Platz. Man hat nicht den Eindruck, dass es den Betreiber Kwalate auch nur im Geringsten kümmert. Es ist ein himmelweiter Unterschied zu den von SKL geführten Plätzen, die zwar sehr teuer sind aber sich durchweg in tadellosem Zustand befinden.

Unser abendlicher Game Drive führt uns den Chobe hinauf westwärts. Riesige Zebra-, Antilopen-, Büffel- und Elefantenherden grasen gemeinsam am Chobe Ufer. Die ganz spektakulären Tierbegegnungen bleiben heute Abend zwar aus, dennoch genießen wir die einzigartige Atmosphäre der untergehenden Sonne, dem rot-glühenden Horizont und den davor friedlich grasenden Elefanten.

Während wir unser Braai zubereiten, bemerken wir, dass wir unser Lager unter einem Pavian Schlafbaum aufgeschlagen haben. Ein Babaoon nach dem anderen sucht sich ein Plätzchen hoch oben in der Baumkrone, um vor nächtlichen Angriffen von Raubtieren geschützt zu sein. Das kann ja heiter werden, zumal die Affenbande beim Bezug ihres Nachtquartiers noch ein Heidenspektakel veranstaltet. Im Laufe des Abends kommen sie jedoch schnell zur Ruhe und wir können einen stimmungsvollen Abend am Campfire verleben.

8. Oktober 2013, Ihaha, Chobe NP, Game-Drives – Ein letzter Tag in der Wildnis

Der Chobe River in der Nähe von Kasane ist sicherlich der am besten erschlossene Bereich des gesamten Nationalparks. Von Kasane strömen die Safariautos im Minutentakt auf dem Riverside-Drive vom Gate in Richtung Serondela. Um Ihaha herum herrscht hingegen nicht annähernd eine solche Betriebsamkeit. Wir fahren früh morgens auf der Hauptpiste bis zur Serondela Picnic Site und dann 15 Kilometer westwärts an der Riverfront zurück nach Ihaha. Auf diese Weise haben wir das Sonnenlicht im Rücken und bessere Lichtverhältnisse für unsere Fotos. Hier besteht noch nicht die in Reiseführern beschriebene Zufahrtsbeschränkung sowie Einbahnstraßenregelung wie in dem Abschnitt zwischen Kasane und Serondela, den wir morgen früh auf der Rückfahrt erkunden wollen. Unten auf einer Sandbank sichten wir eine Gruppe von Marabus, jenen merkwürdig aussehenden Störchen mit ihren fleischigen Kehlsäcken. Ansonsten ist unsere Pirschfahrt eher ruhig, in der Nähe des Camps hat sich eine riesige Büffelherde zur morgendlichen Siesta niedergelegt.

Wir verbringen die Mittagshitze im Schatten unseres „Affenbaumes“ auf unserer Campsite und beobachten das bunte Treiben der Paviane. Eine Pavianmutter läuft mit ihrem wenige Tage alten Jungen, das sich unbeholfen an ihren Bauch klammert, quer über unsere Campsite hinunter zum Fluss.

Noch einmal befahren wir am Nachmittag den Riverfront-Drive westlich von Ihaha und beobachten die unzähligen Elefanten, die wie auf Kommando vom Äsen im Busch zurückkehren an den Chobe. Erstmals sichten wir eine Rappenantilope, ein prachtvolles Exemplar mit einem beeindruckenden Gehörn. Rappenantilopen können bis zu 250 Kilogramm schwer werden, das imposante Gehörn wird von beiden Geschlechtern getragen! Uns beschleicht Wehmut, denn dies ist der letzte Tag in der Wildnis. Morgen beginnt die Rückfahrt nach Johannesburg in drei Etappen.

Abends verwerten wir mit viel Kreativität einen Teil unserer Lebensmittelreste. Es gibt als Vorspeise in Alufolie gegarten Butternutkürbis mit Butter und noch einmal Buschpizza, belegt mit Zutaten, die der Kühlschrank noch so hergibt.

Springböcke
Marabus

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