Nam Ou Cruise

18. Februar 2020 – Auf dem Nam Ou River von Muang Khua nach Nong Khiaw

Ab 5.30 Uhr wird die Stadt beschallt durch lokale Announcements, die regelmäßig durch musikalische Beiträge unterbrochen werden. Über Lautsprecher werden örtliche Nachrichten verlesen, Todesfälle, Hochzeiten, wann und wo das Wasser oder der Strom  abgeschaltet wird und was sich sonst noch so alles in der Gegend ereignet hat. Es ist sozusagen der Ersatz für die lokale Tageszeitung! Somit ist auch der letzte Bewohner in Muang Khua wach und kann seiner sozialistischen Pflicht zum Wohle der Gemeinschaft nachgehen. Wir wälzen uns im Bett noch eine Weile von links nach rechts und beschließen, nachdem die Sonne aufgegangen ist, die erwchende Stadt zu erkunden.

Im benachbarten Vat bereiten sich gerade die Mönche für ihren Tag Bat vor und ziehen schließlich durch die Gassen, um die Gaben der Gläubigen in Empfang zu nehmen. Wir wenden uns jedoch der interessanten Hängebrücke zu, die einen Nebenfluss, den Nam Phak, überspannt. Danach schlendern wir über den Markt, wo es einige interessante Dinge zu entdecken gibt.

Gefrühstückt wird im Sabeidee, Omelett mit Gemüse und Brot sowie einen richtig guten Kaffee. Wir lassen uns auch noch für unsere heutige Bootstour ein Sandwich zubereiten, das ganz ökologisch in einem Bananenblatt verpackt wird – auf dem Boot werden wir uns komplett selbst verpflegen müssen. Auf einem Regal entdecken wir wieder verwendbare Bambus Strohhalme in einem Stoffbeutel, die wir als Souvenir kaufen.

Danach machen wir uns auf zum nahen Bootsanleger, ab 9.30 Uhr werden hier die Tickets verkauft, wie uns ein mit der Hand gepinseltes Schild verrät. Der Preis hängt von der Anzahl der Passagiere ab; da wir heute Morgen die einzigen (Touristen-) Gäste sind, fragt die Ticketverkäuferin, ob 500.000 Kip für uns beide in Ordnung seien. Bei ausreichend Fahrgästen hätte es maximal 150.000 Kip pro Person gekostet. Wir willigen ein und schon wandern unsere beiden Taschen auf ein sehr einfaches Boot, wo wir es uns auf losen Holzplanken „gemütlich machen“. Hier wird der Begriff „Holzklasse“ zum Programm!

Eine Einheimische besteigt ebenfalls das Boot und dann schmeißt der „Kapitän“ auch schon den Motor an. Er gibt ein Höllenspektakel von sich und pflügt sich sogleich durch die zunächst engen Passagen mit Stromschnellen auf dem Nam Ou. Am Ufer passieren wir zahlreiche kleine Dörfer, die weder an ein Strom- oder Frischwassernetz angeschlossen sind. Der Flusslauf führt durch unberührten Primärwald, die ganze Gegend ist von der Zivilisation komplett abgeschnitten.

Zunächst wird die Einheimische, die in Muang Khua einen großen Sack Reis eingekauft hat, in einem der Dörfer am Fluss abgesetzt. Ihre beiden Kinder erwarten sie schon sehnsüchtig.

Später stoppen wir an einem weiteren Dorf, wo zwei Mopeds auf das Boot verladen werden und die dazu gehörenden Besitzer das Boot besteigen. Der neu errichtete chinesische Staudamm kündigt sich schon Kilometer vorher an, da der Fluss durch das Aufstauen des Sees breiter und die Wasseroberfläche spiegelglatt wird. Kurz vor der Staumauer müssen wir das Boot verlassen und werden mit einem Tuktuk über eine üble, staubige Schotterpiste auf die andere Seite des Staudamms gebracht. Welch furchtbarer Eingriff der Staudamm für die Umwelt bedeutet, wird einem spätestens klar, wenn man sich ganz oben auf der noch im Bau befindlichen, monströsen Staumauer befindet.

Auf der anderen Seite besteigen wir ein deutlich komfortableres Boot mit richtigen Sitzen. Unser Kapitän zahlt dem Kollegen seinen Anteil für den Rest der Strecke, und wir begeben uns sodann auf die letzte Etappe unserer heutigen Reise auf dem Nam Ou River. Hohe Karstberge flankieren jetzt malerisch das Ufer – es beginnt der schönste Abschnitt des Flusses, der nun an uns vorbeizieht.

Wir erreichen Muang Ngoy, ein Örtchen ebenfalls ohne Anschluss an das Straßennetz, allerdings mit zahlreichen touristischen Einrichtungen, in dem sich allerlei Backpacker tummeln. Unser Ziel ist jedoch der Anleger von Nong Khiaw, wo wir uns wundern, dass kein Tuktuk auf uns wartet. So bleibt uns nichts anderes übrig, als uns zu Fuß auf den Weg ins Mandala Ou Resort zu machen. Der deutsche Besitzer Nic hatte uns bereits geschrieben, dass er nicht anwesend sei, dafür uns aber sein australischer Kompagnon Kenny in Empfang nehmen würde.

Nic hat uns angeboten, morgen mit kostenlosem Upgrade in den von uns bevorzugten Bungalow mit River View umzuziehen, was wir nur allzu gerne annehmen. Aber auch der Garden View Bungalow ist sehr schön und wir fühlen uns auf Anhieb wohl. Auf der aussichtsreichen Terrasse des Restaurants gönnen wir uns erst einmal ein Beer Lao, bevor wir es uns auf unserem Dachdeck über unserem Zimmer gemütlich machen. Am Abend essen wir im Mandala Ou mal wieder laotisch: Fischsuppe (aus dem Nam Ou) und Chicken mit Cashew Kernen!

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